Der Sport-TagRettig warnt vor "Jagd nach dem reichsten Oligarchen"

Geschäftsführer Andreas Rettig vom Zweitligisten FC St. Pauli sieht es keineswegs als sicher an, dass ein Gericht die 50+1-Regel im deutschen Profi-Fußball kassieren würde. "Zwischen der Wirtschaft und dem Profifußball gibt es gravierende Unterschiede. So kommt das 'Produkt Bundesligafußball' erst durch den branchen-internen Wettbewerb zustande. Der FC Bayern braucht - anders als VW im Automobilbereich - seine Wettbewerber, um gegen sie zu spielen", schreibt Rettig in einem Gastkommentar für das "Hamburger Abendblatt".
Die 50+1-Regel besagt, dass Muttervereine die Stimmenmehrheit an den in Kapitalgesellschaften ausgegliederten Profiabteilungen behalten müssen.
Hannovers Vereinschef Martin Kind behält sich rechtliche Schritte gegen die Regel vor.
Der Ausgang eines gerichtlichen Verfahrens sei laut Rettig "völlig offen. Zumal die Verbandsautonomie der Sportverbände nach Artikel 9 grundgesetzlich geschützt und europarechtlich anerkannt wird", sagt er.
Für Rettig ist die 50+1-Regel "elementarer Grundpfeiler und Garant deutscher Fußballkultur". Der frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) betont: "Für mich stellt diese Regel ein letztes Stoppschild für die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung dar."
Sollte die Regel wegfallen, "beginnt die Jagd nach dem reichsten Oligarchen, und die Bundesligatabelle wird zu einer Art Forbes-Tabelle mutieren", warnte Rettig. "Es ist eine irrige Annahme zu glauben, dass durch die komplette Öffnung für Investoren die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Clubs im internationalen Vergleich steigen würde."