Der Sport-Tag

Der Sport-TagRettig warnt vor "Jagd nach dem reichsten Oligarchen"

12.02.2018, 19:08 Uhr
Andreas-Rettig
Andreas Rettig (Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Geschäftsführer Andreas Rettig vom Zweitligisten FC St. Pauli sieht es keineswegs als sicher an, dass ein Gericht die 50+1-Regel im deutschen Profi-Fußball kassieren würde. "Zwischen der Wirtschaft und dem Profifußball gibt es gravierende Unterschiede. So kommt das 'Produkt Bundesligafußball' erst durch den branchen-internen Wettbewerb zustande. Der FC Bayern braucht - anders als VW im Automobilbereich - seine Wettbewerber, um gegen sie zu spielen", schreibt Rettig in einem Gastkommentar für das "Hamburger Abendblatt".

  • Die 50+1-Regel besagt, dass Muttervereine die Stimmenmehrheit an den in Kapitalgesellschaften ausgegliederten Profiabteilungen behalten müssen.

  • Hannovers Vereinschef Martin Kind behält sich rechtliche Schritte gegen die Regel vor.

  • Der Ausgang eines gerichtlichen Verfahrens sei laut Rettig "völlig offen. Zumal die Verbandsautonomie der Sportverbände nach Artikel 9 grundgesetzlich geschützt und europarechtlich anerkannt wird", sagt er.

  • Für Rettig ist die 50+1-Regel "elementarer Grundpfeiler und Garant deutscher Fußballkultur". Der frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) betont: "Für mich stellt diese Regel ein letztes Stoppschild für die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung dar."

  • Sollte die Regel wegfallen, "beginnt die Jagd nach dem reichsten Oligarchen, und die Bundesligatabelle wird zu einer Art Forbes-Tabelle mutieren", warnte Rettig. "Es ist eine irrige Annahme zu glauben, dass durch die komplette Öffnung für Investoren die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Clubs im internationalen Vergleich steigen würde."