Der Sport-TagSkurriler Abgang: Wellbrocks Top-Karriere droht abruptes Ende
Oliver Klemet posierte mit seiner Silbermedaille und breitem Grinsen vor dem Eiffelturm für die Fotografen, als ein paar Meter weiter Florian Wellbrock mit starrem Blick durch die Interviewzone eilte. Ohne eine Miene zu verziehen oder ein Wort zu sagen. Die Szene hatte Symbolcharakter: Die Wachablösung im Schwimmen ist in Paris vollzogen. Der Tokio-Olympiasieger, der nach seinem enttäuschenden achten Platz im Freiwasser ganz schnell im Athletenzelt verschwunden und der Siegerehrung seines Trainingskollegen ferngeblieben war, ist von der nächsten Generation überholt worden: Erst löste der vier Jahre jüngere Lukas Märtens Wellbrock als Goldschwimmer im Becken ab, dann stahl ihm der gleichaltrige Klemet in der Seine die Show.
Der Karriere des sechsmaligen Weltmeisters, der seine Sportart in den vergangenen Jahren aus der Versenkung holte, droht das abrupte Ende. Da half es auch nicht, dass Wellbrock noch einmal auf die imposante Pont Alexandre III zurückkehrte, um kommentarlos an allen vorbeizugehen. Im Gegenteil: Dieser skurrile Abgang, nachdem er schon nach dem Vorlaufdebakel über 1500 Meter Freistil schweigend die Halle verlassen hatte, zerstörte das Bild des strahlenden Siegers von Tokio völlig.