Der Sport-Tag

Der Sport-TagWie ein Bier die große Karriere von "Eia" Krämer verhinderte

22.01.2020, 06:30 Uhr

Ein Bochumer Journalist wusste einmal geradezu Unglaubliches über den begnadeten Meidericher Fußballer Werner "Eia" Krämer zu berichten. Kurz vor der Weltmeisterschaft 1966 habe der Duisburger Linksaußen in England einen heftigen Disput mit Bundestrainer Helmut Schön gehabt. Inhalt der lautstarken Unterredung war Krämers üppiger Gerstensaftkonsum. Nach Meinung Schöns fiel dieser für einen Profi doch etwas zu intensiv aus. Völlig geschockt kam der Spieler des MSV nach dem Gespräch aus der Kabine, öffnete erst einmal ein schönes Pülleken Bier zur Beruhigung und trat dann, ohne weiter über die Konsequenzen nachzudenken, dem Bundestrainer erneut unter die Augen: "Wenn Sie so mit mir sprechen, Trainer, dann fahr ich lieber nach Hause. Denn dat Biertrinken, dat können Sie mir nicht nehmen!"

Helmut Schön zeigte sich unnachgiebig. Und obwohl er Krämer einiges zu verdanken hatte - der Duisburger hatte im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden für den wichtigen zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt - ließ er ihn in England nach dem Streit nur ein einziges Mal ran.

Hätte sich der Bundestrainer zuvor jedoch einmal bei Krämers Duisburger Fußballlehrer Hermann Eppenhoff erkundigt, so hätte dieser ihm sicherlich die herrlich einfache Wahrheit ebenso nüchtern präsentiert wie einige Jahre später dem Bochumer Journalisten: "Wenn du dem Eia das Bier nimmst, dann nimmst du ihm das Können." So kam der begnadete Flankengeber Werner Krämer - über den die Experten sagten: "Eia Krämer guckte nie auf den Ball, er wusste, wo der Ball war" - nur auf 13 Länderspiele in seiner Karriere. Am 12. Februar 2010 ist er viel zu früh verstorben. Heute wäre Werner "Eia" Krämer 80 Jahre alt geworden. Von Ben Redelings