Domenicali gibt den VersöhnerFormel-1-Boss will nicht in Verstappen-"Falle" tappen

Max Verstappen macht keinen Hehl daraus, was er von den neuen Regeln in der Formel 1 hält, kokettiert immer wieder mit seinem Abschied. Der Boss der Rennserie reagiert verständnisvoll und gibt den großen Versöhner.
Er habe seit Beginn von Verstappens Kritik an der "neuen" Formel 1 "schon sehr, sehr oft" mit dem Red-Bull-Star gesprochen, sagte F1-Boss Stefano Domenicali bei "Autosport". Dass die 2026 eingeführten Regeln, die die Fahrer im Cockpit zwingen, auf jeder Runde ihre Batterieleistung einzuteilen, was gezieltes vom-Gas-Gehen bedingt, kann der Italiener nachvollziehen. Ebenso, dass Verstappen seinem Frust öffentlich Lauf lässt.
"Ich verstehe seine Kommentare, und er versteht das Gesamtbild", beteuerte Domenicali. Erst kürzlich habe es ein Meeting gegeben, indem Verstappen "Vorschläge gemacht hat. Ich möchte nicht in die Falle tappen, Antagonismus zu schüren. Denn so bin ich nicht", gab der Chef der Motorsport-Königsklasse den Versöhner zwischen den erregten Fahrer-Gemütern und deren neuen Autos.
Ihm gehe es darum, "konstruktiv" daran zu arbeiten, wie sich die Formel 1 verbessern lässt und Wünsche der Piloten berücksichtigen lassen. Verstappen komme in diesem Prozess eine besondere Rolle, betonte Domenicali. Die Formel 1 und der Red-Bull-Star (Vertrag bis 2028) "werden zusammenarbeiten", sagte der 60-Jährige. "Er ist der beste Fahrer, er ist mehrfacher Weltmeister, und natürlich muss man auf seine Stimme hören."
Allerdings ließ Domenicali durchblicken, dass Verstappen seine Kritik gewählter verpacken soll. Die Stimme des viermaligen Weltmeisters habe "Gewicht. Und er muss dieses Gewicht respektieren, denn manchmal können manche Leute es falsch auffassen, und das sollten wir nicht zulassen."
Formel-1-Boss will keine "Überreaktion"
Verstappen ist nicht der einzige, sehr wohl aber der prominenteste und auch wortgewaltigste Kritiker des Formel-1-Regelwerks, das seit dieser Saison greift. Schon vor dem Saisonstart Anfang März in Melbourne hatte er das Fahren in den neuen Autos nach den Testfahrten in Bahrain als "Formel E auf Steroiden". Nach den ersten Renneindrücken legte er nach. Begriffe wie "Mario Kart" oder "Anti-Racing" fielen. "Es geht mehr um Energie-Management als Rennfahren. Ich mag die Richtung nicht, in die wir gehen", sagte er.
Nach dem Rennen in Japan, das Verstappen nur als Sechster beendete, kokettierte der 28-Jährige mit einem Abschied aus der Formel 1. Privat sei er "sehr glücklich", sagte er. Angesichts des straffen Programms von 22 Rennen in diesem Jahr stelle er sich aber die Frage: "Lohnt es sich? Oder genieße ich es mehr, zu Hause bei meiner Familie zu sein, meine Freunde öfter zu sehen?"
Auch andere Fahrer sehen die neuen Regeln sehr kritisch. "Es schmerzt die Seele", bekannte Weltmeister Lando Norris mit Blick auf die verlorene Vollgas-Lust und den stetigen Zwang zum Batterie-Management, das die neue Motoren-Generation erfordert. Vor dem nächsten Rennen Anfang Mai in Miami sind Treffen zwischen den elf Teams, den Formel-1-Verantwortlichen und dem Automobil-Weltverband Fia geplant. Dabei soll erörtert werden, inwieweit Nachbesserungen im Reglement möglich sind.
Er unterhalte sich "definitiv sehr offen" mit den Fahrern, sagte Domenicali. "Ich will, dass sie involviert sind." Eine "Überreaktion" auf den Frust vieler Piloten wolle er aber vermeiden. Denn: Den Fans gefalle die neue Formel 1 bisher, betonte der F1-Boss.