Formel1

Russell wird Opfer seines Teams Mercedes-Chaos sorgt für Sensationssieger

Das Formel-1-Überteam Mercedes erlebt beim Grand Prix in Sakhir die bittersten Minuten dieser Rekordsaison - und ermöglicht Racing-Point-Pilot Sergio Peréz den ersten Sieg seiner Karriere. Mercedes-Neuling George Russell wird als Führender das Opfer eines chaotischen Boxenstopps.

Eine Pannenserie bei Lewis Hamiltons Vertreter George Russell und Mercedes hat dem Mexikaner Sergio Perez zum ersten Sieg in der Formel 1 verholfen. Der 30-Jährige staubte am Sonntag beim vorletzten Saisonrennen in Bahrain in seinem Racing Point Platz eins ab, nachdem das sonst so dominante Silberpfeil-Team erst beim Boxenstopp mit den Reifen durcheinander geraten war und Russell dann bei seiner Aufholjagd auch noch von einem Plattfuß gebremst wurde. Zweiter wurde der Franzose Esteban Ocon im Renault, Platz drei holte auf dem staubigen Kurz-Kurs in Sakhir Perez-Teamkollege Lance Stroll.

Für Perez war der Sieg eine besondere Genugtuung. Der Routinier muss zum Jahresende sein Cockpit für Sebastian Vettel räumen, der im Ferrari diesmal als Zwölfter wieder ohne Punkte blieb. "Ich bin sprachlos, Jungs", funkte Perez mit tränenerstickter Stimme. "Checo, Checo, Checo", skandierten seine Mechaniker. "Ich hoffe, dass ich nicht träume. Ich habe so oft auf diesen Moment gehofft", sagte Perez, der für 2021 noch kein Cockpit hat: "Die Mercedes hatten ein paar Probleme, aber wir hatten genug Pace, um die anderen hinter uns zu halten."

Der größte Pechvogel des Tages war Russell, der lange wie der sichere Sieger aussah. "Ich bin frustriert, absolut frustriert. Aber danke, dass ihr mir diese Chance gegeben habt", funkte Russell, ehe er traurig am Streckenrand kauerte. Nun muss er hoffen, dass er am kommenden Sonntag beim Finale in Abu Dhabi noch einmal Hamilton vertreten darf. Es ist unsicher, ob der bereits als Weltmeister gekürte Superstar nach seinen positiven Corona-Tests dann wieder fit ist. "Wenn er einen negativen Test hat, wird er fahren. Wenn nicht, dann ist es George", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei Sky.

Erst am Mittwoch hatte der 22-jährige Russell die Freigabe seines Williams-Teams für den Einsatz im Mercedes erhalten, überholte am Start Teamkollege Valtteri Bottas und führte mit einer brillanten Leistung lange das Rennen an. Dann jedoch ging bei einem Boxenstopp während einer Safetey-Car-Phase bei Mercedes alles schief. Nun muss Russell hoffen, dass er am kommenden Sonntag beim Finale in Abu Dhabi noch einmal Hamilton vertreten darf. Es ist unsicher, ob der bereits als Weltmeister gekürte Superstar nach seinen positiven Corona-Tests dann wieder fit ist.

"Ich würde sagen, es war Pech"

Eine Woche nach dem schockierenden Feuer-Unfall von Romain Grosjean richtete sich die Formel 1 auf ein weiteres Spektakel an gleicher Stelle ein. Der französische Haas-Pilot, der den Horror-Crash mit Verbrennungen an den Handrücken überstanden hatte, wird in diesem Jahr nicht mehr fahren. Als Lehre aus den Geschehnissen hatte der Weltverband in einigen Streckenbereichen die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal verschärft.

Und doch musste schon wieder kurz nach dem Start das Safety-Car ausrücken. Ferrari-Pilot Charles Leclerc raste zu optimistisch in die Kurve und krachte in den Racing Point von Perez. Beim Ausweichmanöver rutschte Max Verstappen in die Begrenzung, für den Niederländer und Leclerc war der Arbeitstag beendet. "Ich würde sagen, es war Pech", befand Leclerc. Verstappen indes meinte: "Charles war da viel zu aggressiv, hat viel zu spät gebremst."

An der Spitze fuhr da schon Hamilton-Vertreter Russell. Der Brite hatte Teamkollege Bottas gleich am Start überholt und verteidigte seine Führung auch, als das Safety-Car wieder die Strecke verließ. Auf der nur 3,543 Kilometer langen Außenstrecke des Bahrain International Circuit, die erstmals von der Formel 1 befahren wurde, hielt Russell seinen Mercedes-Rivalen danach auf Distanz.

Derweil steckte Ferrari-Star Vettel wie so oft in diesem Jahr im Mittelfeld fest. Hatte er sich im Durcheinander nach dem frühen Unfall noch auf Platz neun verbessert, musste er alsbald wieder die schnelleren Konkurrenten ziehen lassen und war Zwölfter. Schon im Training war der Hesse nicht in Fahrt gekommen, zudem musste auch noch sein Motor wegen eines technischen Problems getauscht werden.

Mercedes-Box bringt Russell um den Sieg

Und es wurde nicht besser für den 33-Jährigen. Als er nach 32 Runden zum Boxenstopp kam, patzten seine Mechaniker wie zuletzt schon öfter, sodass Vettel wertvolle Sekunden verlor. Prompt wurde er auf der ultrakurzen Strecke, auf der eine Formel-1-Runde weniger als Minute dauert, schon das erste Mal von Russell überrundet. Der Spitzenreiter fuhr ein bemerkenswert fehlerloses Rennen, ließ Verfolger Bottas nicht in Schlagdistanz kommen. Dass Russell für das Cockpit des zehn Zentimeter kleineren Hamilton eigentlich etwas zu groß ist und deshalb sogar etwas kleinere Schuhe tragen musste, zeigte sich in seinen Rundenzeiten nicht.

Doch dann leistete sich Mercedes ungewohnte Pannen. Weil Russells Williams-Vertreter Jack Aitken seinen Frontflügel verlor, kam erneut das Safety-Car auf die Strecke. Mercedes holte beide Piloten zum zweiten Mal zum Reifenwechsel, weil ihr Vorsprung sehr groß war. Doch die Mechaniker kamen mit den Pneus durcheinander, brauchten ewig für den Stopp von Bottas und mussten Russell wegen vertauschter Reifen sogar noch einmal an die Garage beordern. Plötzlich führte Perez das Rennen vor Renault-Fahrer Esteban Ocon und Teamkollege Lance Stroll an. Bottas war nun Vierter und lag damit nun vor dem verärgerten Russell. "Du solltest einen Reifenvorteil haben", funkte der Mercedes-Kommandostand. Russell antwortete: "Das hoffe ich, verdammt nochmal."

Und tatsächlich: Als die Strecke wieder frei war, schnappte sich Russell umgehend Bottas, dann auch Stroll und Ocon. Doch kurz darauf dann die Enttäuschung: Reifen platt, Ende aller Hoffnungen. Damit war der Weg frei für Perez.

Quelle: ntv.de, Christian Hollmann und Jens Marx, dpa

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