Formel1

100.000 Euro für eine halbe Sekunde Zeitgewinn Red Bulls Geld verleiht Vettel Flügel

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(Foto: imago sportfotodienst)

In der Formel 1 dominiert Red Bull seit Jahren - auch, weil der Rennstall von Weltmeister Sebastian Vettel das größte Budget zur Verfügung hat. Während andere Teams am Existenzminimum werkeln, investiert Red Bull riesige Summen in kleinste Verbesserungen.

Geld schießt keine Tore, über diese Fußball-Weisheit lässt sich trefflich streiten. Unbestritten lässt sich dagegen für die Formel 1 behaupten: Nur Geld holt WM-Titel. Den besten Beweis für diese These ist Red Bull Racing. Das Team des österreichischen Brauseherstellers Dietrich Mateschitz ist der Konkurrenz in der Budget-Rangliste inzwischen genauso weit enteilt wie Red-Bull-Star Sebastian Vettel der Konkurrenz.

Teamchef Christian Horner kann pro Jahr über rund 370 Millionen Euro verfügen. Zum Vergleich: Mercedes gibt nur etwa die Hälfte davon aus: 179 Millionen Euro. Bis 2011 hatte das Werksteam noch versucht, mit einem Sparbudget an die Spitze der Königsklasse vorzustoßen. Mit wenig Erfolg. Erst nachdem Mercedes im vergangenen Jahr auch finanziell aufgerüstet hat – das Budget stieg um rund 30 Millionen Euro - sind die Silberpfeile zu echten Siegerautos gereift. "Wir haben schon mehr als doppelt so viele Punkte geholt wie im letzten Jahr", rechtfertigt Teamchef Ross Brawn das erhöhte Budget, das jetzt erst auf dem Niveau von Lotus liegt.

Marussia arbeitet am Kreditlimit

Wie wichtig jede zusätzliche Million in der Formel 1 ist, zeigt folgende Rechnung: Rund 1,4 Millionen Euro pro Woche kostet es laut Williams-Ingenieur Pat Symonds, mit zwei Autos bei 19 Grand Prix zu starten. Macht zirka 70 Millionen Euro pro Jahr - Fixkosten, die eine Formel-1-Saison für das Marussia-Team mit seinem 72-Millionen-Budget zu einem täglichen Überlebenskampf machen.

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In diesem Torso stecken hunderte Millionen Euro.

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Für die Weiterentwicklung der Rennwagen bleiben Marussia maximal 2 Millionen Euro. Red Bull dagegen kann fast 300 Millionen Euro in die Entwicklungsarbeit stecken und damit mehr und besseres Personal bezahlen, Windkanal und Simulatoren optimieren und fast rund um die Uhr nutzen, mit den neusten Hightech-Materialien experimentieren oder mit technischen Spielereien das Wettrüsten vorantreiben.

Jüngstes Beispiel: Der automatische Wagenheber, der beim Boxenstopp mit den vier Schlagschraubern der Boxencrew verbunden ist. Ist die Arbeit an allen vier Reifen beendet, senkt der Wegenheber das Auto automatisch ab, und der Pilot kann schon auf dem Weg zum Boden wieder Gas geben. Der automatisierte Ablauf bringt angeblich eine halbe Sekunde Zeitgewinn - Kostenpunkt: 100.000 Euro. Zu viel für Mittelfeldteams wie Williams, Sauber oder Force India, die mit Budgets zwischen 85 und 110 Millionen Euro haushalten müssen, durch das Wettrüsten der Top-Teams aber weiter an Boden auf die Spitze verlieren.

Ferrari nutzt Vorteil nicht aus

Umso größer ist bei diesen Teams die Freude, wenn sie die Branchenriesen ärgern können. Wie zuletzt Nico Hülkenberg, der in Südkorea im unterlegenen Sauber Ferrari-Star Fernando Alonso und Lotus-Pilot Kimi Räikkönen hinter sich halten konnte und auf Rang 4 fuhr. Was zeigt: Geld allein macht nicht immer schneller. Eine Lektion, die Ferrari nun schon im vierten Jahr in Folge lernen muss.

Die Roten geben zwar nicht ganz so viel Geld aus wie Red Bull. Mit einem Jahresbudget von 340 Millionen Euro sollten sie jedoch schon in der Lage sein, den WM-Kampf offener zu gestalten als in dieser Saison. Es kommt eben auch darauf an, wie und wofür man sein Millionen-Budget investiert. Erfolg kann man sich auch in der Formel 1 nicht kaufen, aber nur das nötige Großgeld verleiht Flügel.

Quelle: n-tv.de, sport.de

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