Formel1

"Bin Ihnen nahe, bete für Sie" Zanardis Drama bewegt sogar den Papst

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2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro räumte Zanardi jeweils zwei Paralympische Goldmedaillen ab.

(Foto: imago images/Pressefoto Baumann)

Papst Franziskus nimmt großen Anteil am nächsten Schicksalsschlag von Alessandro Zanardi. In einem handgeschriebenen Brief spricht das Kirchenoberhaupt dem 53-Jährigen Mut zu. Der mehrfache Paralympics-Sieger liegt nach wie vor im Koma, ihm droht der Verlust beider Augen.

Das schlimme Schicksal von Alessandro Zanardi berührt nicht nur die Sportwelt, der frühere Formel-1-Pilot und viermalige Paralympics-Sieger erhält nun auch kirchlichen Beistand. "Ihre Lebensgeschichte ist ein Beispiel, wie man nach einem plötzlichen Stopp wieder starten kann", schrieb Papst Franziskus in einem persönlichen Brief an den bei einem Handbike-Rennen schwer verunglückten Italiener: "Durch den Sport haben Sie gelehrt, das Leben als Protagonist zu meistern, und haben aus einer Behinderung eine Lehre der Menschlichkeit gemacht."

Die "Gazzetta dello Sport" veröffentlichte den handgeschriebenen Brief am heutigen Mittwoch - fünf Tage nach dem Unfall in der Toskana. Zanardi hatte am Freitag bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Handbike verloren, er überschlug sich zweimal und kollidierte mit einem Lastwagen. Der 53-Jährige wurde umgehend in ein Krankenhaus geflogen und über drei Stunden operiert - noch immer liegt er im künstlichen Koma. Sämtliche Knochen in seinem Gesicht sind gebrochen. Die Ärzte befürchten, dass Zanardi, dem bereits 2001 nach seinem Unfall auf dem Lausitzring beide Beine oberhalb der Knie amputiert wurden, beide Augen verlieren könnte.

Die Herz- und Kreislauffunktionen sind den Umständen entsprechend zufriedenstellend. Doch aufgrund der massiven Verletzungen im Gesicht und am Kopf soll frühestens in der kommenden Woche über eine Reduzierung der Medikamente entschieden werden, die den Italiener im künstlichen Koma halten. Wie und ob Zanardi dies verkraftet, können die Ärzte derzeit nicht prognostizieren. Klar ist aber, dass der Extremsportler mit seinem unbändigen Willen und seiner mentalen Stärke unzählige Menschen inspiriert hat.

Sogar beim Ironman dabei

Nach dem folgenschweren Unfall 2001 kämpfte er sich ins Leben zurück, er lernte das Laufen mit Prothesen und entdeckte das Handbike für sich. 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro räumte Zanardi jeweils zwei Paralympische Goldmedaillen ab. Der Mann mit dem eisernen Willen trieb sich weiter und weiter zu Höchstleistungen an, auch beim Ironman auf Hawaii oder in Barcelona war Zanardi dabei - und erreichte das Ziel.

Natürlich blieb Zanardi auch dem Motorsport treu, in eigens für ihn umgebauten Rennwagen absolvierte er zahlreiche Rennen. 2018 fuhr er als Gaststarter in der DTM, bei BMW ist er als Werksfahrer unter Vertrag und hatte für November einen Einsatz beim Finale der italienischen GT-Meisterschaft in Monza fest eingeplant. Jetzt kämpft dieser Mann, der mit seiner unbändigen Energie so vielen Menschen wieder Antrieb gegeben hat, im Krankenhaus in Siena um sein Leben. "Du warst immer ein Kämpfer und wirst immer einer sein", sagte Jean Todt, der Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA.

Papst Franziskus wünschte Zanardi nicht nur viel Kraft, er bedankte sich vielmehr bei dem Italiener dafür, "dass Sie Menschen Kraft gegeben haben, die sie verloren hatten. In dieser so schmerzhaften Phase bin ich Ihnen nahe, ich bete für Sie und Ihre Familie", heißt es in dem Brief.

Quelle: ntv.de, Andreas Asen, sid