Fußball-EM

Tschechien im EM-Viertelfinale De Ligts kurioser Stolperer leitet Oranje-K.-o. ein

Für die Niederlande ist die Fußball-Europameisterschaft schon im Achtelfinale vorbei. Ein kurioser Stolperer von de Ligt führt zum Platzverweis und läutet das Ende für Oranje ein. Die Tschechen nutzen die Schwächung konsequent, ein Bundesliga-Stürmer sorgt für die Entscheidung.

Oranje-Frust in Budapest: Der Sturmlauf der Niederländer bei der Fußball-EM ist bereits im Achtelfinale überraschend gestoppt worden. Nach einer enttäuschenden Vorstellung verlor die Elftal mit 0:2 (0:0) gegen den tapfer kämpfenden Außenseiter Tschechien - und wartet damit seit 2008 weiter auf den Einzug in ein EM-Viertelfinale.

Als die Mannschaft von Bondscoach Frank de Boer durch den Platzverweis gegen Matthijs de Ligt (52.) wegen Handspiels in Unterzahl spielte, sorgten Tomas Holes (68.) und der Leverkusener Patrik Schick mit seinem vierten Turniertor (80.) für Katerstimmung bei Tausenden Oranje-Fans auf den Tribünen. Es ist ein herber Dämpfer für die niederländische Fußball-Euphorie, die erst in diesem Jahr durch die starke Vorrunde wieder entfacht worden war.

Ein bitterer Abend für Oranje

Die Tschechen feierten dagegen einen Überraschungscoup und bescherten den Niederländern einmal mehr einen ganz bitteren Abend - wie schon beim legendären EM-Duell 2004, als Pavel Nedved, Tomas Rosicky und Co. die Holländer schlugen. Am Samstag geht es im Viertelfinale in Baku gegen Dänemark.

"Mir geht alles durch den Kopf. Wir haben zu wenig geleistet. Ich weiß, dass die Liebe des Landes zu uns im Laufe des Turniers gewachsen ist. Es ist sehr schmerzlich, sehr schwierig", sagte Wijnaldum beim TV-Sender NOS: "Von der Roten Karte konnten wir uns nicht erholen."

Die beste Offensive der Gruppenphase blieb völlig harmlos in dieser Partie und konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. In den Niederlanden dürften Erinnerungen an die EM 2008 wach werden, als Oranje ebenfalls nach einer perfekten Vorrunde gleich im ersten K.-o.-Spiel an einem Außenseiter scheiterte.

"Das ist wirklich verrückt. Das hätte niemand gedacht, dass wir das schaffen und so weit kommen. Wir sind unglaublich glücklich", sagte Schick. Seine Mannschaft habe "vielleicht nicht die großen Stars", aber Tschechien habe einen "wahnsinnigen Teamspirit" gezeigt und "wie die Löwen" gekämpft.

Bondscoach erneut mit umstrittenem System

"Wir wollen nicht nur das Finale erreichen, sondern es auch gewinnen", hatte de Boer selbstbewusst angekündigt und damit die Marschroute für die kommenden Tage vorgegeben. Nach dem lockeren Spaziergang durch die Vorrunde vertraute der Bondscoach erneut auf das in den Niederlanden weiter umstrittene 5-3-2 - ohne den Wolfsburger Wout Weghorst.

Mit dem Schwung aus der Gruppenphase suchten die Niederländer gleich den Weg in die Offensive. Immer wieder im Blickpunkt: die pfeilschnellen Memphis Depay und Donyell Malen. Vor allem nach Hereingaben von den Außenbahnen sorgte die Elftal in der Anfangsphase für einige brenzlige Situationen im tschechischen Strafraum. Doch nur Denzel Dumfries (13.) kam zu einer zwingenden Chance.

Die Tschechen, mit den Bundesliga-Stars Schick und Pavel Kaderabek in der Startelf, stemmten sich ohne ihren Taktgeber und Kapitän Vladimir Darida gegen die dominanten Niederländer. Doch die Mannschaft von Trainer Jaroslav Silhavy nahm Oranje geschickt den Anfangsschwung und sorgte durch Tomas Souchek (22.) sowie Antonin Barak (38.) selbst für Gefahr.

Malen schenkt die Führung her

Der Elftal fehlten dagegen im Offensivspiel die Impulse vom bislang so überragenden Georginio Wijnaldum, der mit einer "OneLove"-Kapitänsbinde ein Zeichen gegen Diskriminierung aller Art setzte. Bis auf wenige Momente enttäuschten die Niederländer im ersten Durchgang, nur selten blitzte der Spielwitz der Offensivstars auf.

So etwa auch nach der Pause, als Depay Malen mit einem genialen Hackenzuspiel in Szene setzte, der aber frei vor Keeper Tomas Vaclik die beste Möglichkeit fahrlässig ausließ (52.). Auf der Gegenseite klärte de Ligt den Ball mit der Hand vor Schick, verhinderte damit eine klare Torchance und flog nach Videobeweis vom Platz.

Die beiden Szenen versetzen den Niederländern einen Schock, den die Tschechen umgehend zu nutzen versuchten. Gleich im Anschluss blockte Dumfries noch gerade so den Abschluss von Kaderabek (64.), beim Führungstreffer köpfte Holes allerdings frei aus kurzer Distanz ein - und belohnte sein Team damit für die Drangphase.

Quelle: ntv.de, ses/sid

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