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"Es ging einfach nicht mehr" 1860-Trainer Bierofka schmeißt hin

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Nach den Bayern muss sich auch der Stadtrivale 1860 nach dem Rücktritt von Kultcoach Daniel Bierofka einen neuen Trainer suchen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Daniel Bierofka ist beliebt bei den Fans von 1860 München. Er genießt Kultstatus, ist seit 2007 ununterbrochen im Verein. Doch nach zwei Jahren als Trainer der Profis kann er nicht mehr und tritt beim Fußball-Drittligisten zurück. Interne Querelen haben ihn zermürbt - und der fehlende Rückhalt der Bosse.

Daniel Bierofka hatte seine dunkelblaue Basecap tief in sein bärtiges Gesicht gezogen, doch die Tränen in seinen Augen waren gut zu erkennen. "Es ging einfach nicht mehr. Ich kann nicht mehr zurück", sagte er, als er a das Klubgelände von 1860 München an der Grünwalder Straße verließ - später machte der traditionsreiche, aber wieder einmal heillos zerstrittene Drittligist die Trennung dann offiziell.

Der Fanliebling hat hingeschmissen. Die ewigen internen Querelen haben den 40-Jährigen zermürbt. Sechzig ohne Kultcoach Bierofka? "Ehrlich gesagt, nicht vorstellbar für mich", sagte Löwen-Torjäger Sascha Mölders noch am Samstag nach dem erlösenden 4:2 des Tabellen-15. gegen Viktoria Köln. Drei Tage später ist das Undenkbare wahr geworden - und 1860 steht mal wieder als Chaosklub da.

Bierofka genießt Kultstatus

Zumal der umstrittene Investor Hasan Ismaik mit Entrüstung auf die Nachricht reagierte. "Ich bin entsetzt, mit welchen Methoden Daniel Bierofka beim TSV 1860 beschädigt wird. Seit Monaten wird unser Trainer gemobbt. Für mich ist das eine Schande, die ich nicht in Worte fassen kann", schrieb der jordanische Geschäftsmann in den Sozialen Medien. Zudem behauptete er, "99 Prozent der Fans" stünden "geschlossen" hinter Bierofka.

Tatsächlich genießt Bierofka in München-Giesing Kultstatus. Zwischen 2000 und 2002 sowie von 2007 bis 2014 bestritt der ehemalige Nationalspieler 219 Begegnungen für die Löwen (29 Tore), danach bekleidete er als Trainer verschiedene Positionen im Verein. Dass er die erste Mannschaft nach dem Absturz in die viertklassige Regionalliga 2017 übernahm und wieder in den Profifußball führte, dürften ihm die Sechziger nie vergessen.

"Kraftaufreibende Jahre"

"Die letzten zweieinhalb Jahre waren sehr kräfteaufreibend. Für mich gilt es jetzt erst einmal, die Tanks wieder aufzufüllen", wurde Bierofka in der Klub-Mitteilung am Dienstagabend zitiert: "Dazu will ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen, die zuletzt viel zu kurz kam. Mit etwas Abstand werde ich mich dann aber sicher wieder dem Fußball zuwenden."

Bierofkas Vertrag lief bis 2022, er einigte sich mit der Klubführung aber auf eine Aufhebung der Arbeitsbeziehung. Er vermisste allem Anschein nach den Rückhalt der Bosse. Nach dem Sieg gegen Köln hatte er Querschüsse beklagt, die nicht zum ersten Mal aus dem "inneren Zirkel des Vereins" gekommen seien. "Lange schaue ich mir das nicht mehr an", betonte er - und behielt recht. Bis auf weiteres wird der bisherige Co-Trainer Oliver Beer die Mannschaft betreuen.

Schon im Sommer hatte Bierofka sich darüber beschwert, dass sich die Verantwortlichen nicht intensiv genug um neue Spieler bemühten. Zugleich musste er sich Diskussionen um sein angeblich zu hohes Gehalt erwehren. Das ist jetzt vorbei.

Quelle: n-tv.de, bad/sid

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