Fußball

Ärger über zu wenig SichtDänische Gästefans schrauben mitten im Spiel den Zaun ab

03.03.2026, 10:11 Uhr
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Bröndby-Fans waren mit der Situation im Stadion von Gegner Midtjylland nicht einverstanden. (Foto: IMAGO/Gonzales Photo)

Während auf dem Rasen ein Erstliga-Spiel läuft, greifen dänische Fans zum Schraubendreher und montieren den Sicherheitszaun ab. Ihnen ist die Sicht zu schlecht. Gastgeber FC Midtjylland ist verärgert.

Der Zaun ist nach ihrem Geschmack zu hoch, also holen sie kurzerhand die Schraubendreher raus und montieren ihn ab. Was nach einem Nachbarschaftsstreit klingt, hat sich tatsächlich in einem Fußballstadion ereignet. Tatort: MCH-Arena im dänischen Herning, Heimspielort des FC Midtjylland. Täter: Fans von Bröndby IF.

Beim Aufeinandertreffen in der dänischen Superliga sollte ein Metallzaun die Gästefans vom Rest des Stadions trennen, doch den angereisten Fans des Kopenhagener Klubs war das zu viel. Während das Spiel auf dem Rasen lief, legten sie selbst Hand an. Die Gruppe "Southside Bröndby" erklärte im Anschluss: "Über 1000 Bröndby-Fans waren aus Kopenhagen angereist. Dort wurden wir jedoch mit einer Situation konfrontiert, die unserer Meinung nach nicht dem Standard entspricht, den man in dänischen Stadien erwarten kann. Es gab einen mehrere Meter hohen Zaun, der die Sicht auf das Spielfeld erheblich beeinträchtigte."

Bröndbys Kommunikationsdirektor Sören Hanghöj kritisierte und verteidigte die eigenen Fans bei TV2 Sport zugleich: "Sicherheit hat natürlich oberste Priorität, und wie ich bereits gesagt habe, ist Selbstjustiz nicht die richtige Lösung. Aber es muss möglich sein, Sicherheit mit einem guten Stadionerlebnis für die Fans zu verbinden."

Vorgegeben ist nur ein Netz

Vorgegeben ist ein Zaun zur Abgrenzung der Gästefans nicht in den Regeln des Dänischen Fußballverbands. Verbandsdirektor Claus Thomsen sagte TV2 Sport: Es gebe Regeln, "unter anderem über die Größe des Auswärtsbereichs, dass dieser von anderen Fans abgetrennt sein muss, und es gibt eine Regel, dass ein Netz vorhanden sein muss." Es liegt in der Entscheidung der Vereine, ob zusätzliche Maßnahmen wie Zäune ergriffen werden.

Der FC Midtjylland beschwerte sich in einer Pressemitteilung über die Gästefans: "Es ist völlig inakzeptabel, wenn in einem Stadion Vandalismus begangen wird - insbesondere, wenn dieser Anlagen betrifft, die zur Sicherheit von Spielern, Fans und Mitarbeitern eingerichtet wurden." Der Sicherheitschef des Klubs, Lars Pedersen, sagte TV Midtvest: "Wir hatten Probleme mit Fans, die aus dem Auswärtsblock sprangen oder Löcher in das Netz brannten und dann Gegenstände auf das Spielfeld warfen. Als der FC Kopenhagen kürzlich zu Gast war, brannten sie 17 Löcher in das Netz. Es ist sowohl ärgerlich als auch teuer, wenn wir ständig nach dem Besuch von Gästen Reparaturen durchführen müssen." Er räumte ein, dass ein Zaun die Sicht stärker behindern könne, er würde aber niemanden daran hindern, das Spiel zu sehen.

Laut "Southside Bröndby" ging es nicht nur um die Sicht durch den Zaun an sich, sondern auch darum, "dass ein prominenter Platz für Banner vorhanden sein muss. In der Praxis bedeutete die derzeitige Konstruktion, dass die meisten zahlenden Fans ihre Sicht vollständig verlieren würden, wenn Banner am Zaun aufgehängt würden."

Midtjylland beschuldigt gegnerische Klubverantwortliche

Midtjylland ärgerte sich nicht nur über die Fans von Bröndby, sondern auch über die Klubverantwortlichen, denen vorab mitgeteilt worden war, dass es den Zaun geben wird: "Deshalb wundert es uns auch, dass Personen im Auswärtsbereich offenbar genau das richtige Werkzeug für diese Installation dabeihatten." Eine Anklage, die wiederum Bröndby aufbrachte: "Ich kann nur schwer verstehen, warum es ein Geheimnis sein sollte, dass der FCM einen Zaun aufgestellt hat, der nun offenbar dauerhaft vor den Auswärtsfans steht, die zu Besuch kommen. Fans - unabhängig von ihrer Zugehörigkeit - sollten doch informiert werden, wenn sich die Bedingungen und in diesem Fall das Stadionerlebnis ändern", sagt Hanghöj.

Das Spiel lief übrigens weiter. Laut Midtjylland habe man bewusst auf einen Eingriff verzichtet, "um die Situation nicht zu eskalieren". Die Fans, die den Zaun abgeschraubt haben, wurden über die Videoüberwachung identifiziert, der Fall an die Polizei übergeben.

Was auch die Gästefans auf dem Spielfeld sehen konnten, dürfte sie nicht sonderlich begeistert haben. Die Partie am Sonntag endete 0:0, es war das letzte Spiel der regulären Spielzeit. Weiter geht es in den Playoffs, sowohl Midtjylland als Zweiter als auch Bröndby als Vierter qualifizierten sich für die Meisterrunde und damit verbunden für die Chance auf einen internationalen Startplatz.

Quelle: ntv.de, ara

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