Fußball

Finstere Omen am Volkspark Der HSV zerfleischt sich auch ohne Corona

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Die gemeinsame Zeit beim HSV scheint für Bernd Hoffmann (m.) und Jonas Boldt (r.) dem Ende entgegen zu ticken.

(Foto: imago images/Oliver Ruhnke)

Der gesamte deutsche Profifußball kämpft mit nie dagewesenen äußeren Umständen. Der HSV indes schickt sich an, sich auch ohne Coronakrise selbst zu zerfleischen. In der Führungsebene kracht es gewaltig. Der letzte Machtkampf dieser Art endete mit dem historischen sportlichen Absturz in Liga zwei.

Es geht um Vertrauen, Kompetenzen und Alleingänge des Vorstandsbosses: Mitten in der Coronakrise liefert sich die Führungsspitze des Hamburger SV einen echten Machtkampf. Im Zentrum des Disputs beim Bundesliga-Aufstiegsanwärter steht Boss Bernd Hoffmann, der laut übereinstimmenden Berichten mit seinen Vorstandskollegen Jonas Boldt und Frank Wettstein über Kreuz liegen soll. Auch kurzfristige Konsequenzen stehen im Raum.

"Nichts geht mehr beim HSV", schreibt die "Hamburger Morgenpost", der Führungsstreit sei "kaum zu kitten", berichtet das "Hamburger Abendblatt". Laut der Zeitung soll es in dieser Woche zu erneuten Einzelgesprächen des Aufsichtsrates mit den Streithähnen kommen. Das siebenköpfige Gremium, das am Ende über Personalentscheidungen den Daumen hebt oder senkt, ist in der Gretchenfrage um die Vorstandsbosse dem Vernehmen nach uneins. Eine Krisensitzung am Donnerstag hatte offenbar keine nachhaltige Beruhigung der Fehde gebracht.

Schon seit Monaten hielten sich rund um den Volkspark die Gerüchte, dass Hoffmann und Boldt kein Wort mehr als nötig miteinander sprechen, immer wieder ist von atmosphärischen Störungen die Rede. Entstanden sein sollen diese unter anderem durch Eingriffe von Hoffmann in Boldts Kompetenzbereich - wie bei der Abwicklung des Wechsels von Douglas Santos zu Zenit St. Petersburg.

War klar, dass HSV ein "Alphatier" verpflichtet

Hoffmann soll seine Kollegen bei wichtigen Themen auch immer wieder außen vor gelassen haben. Über ein Gespräch mit Investor Klaus-Michael Kühne bezüglich einer Verlängerung der Namensrechte am Stadion soll Boldt beispielsweise aus den Medien erfahren haben.

Vergangene Woche räumte Hoffmann Differenzen mit Boldt ein. Ihm sei klar gewesen, dass der HSV ein Alphatier verpflichte, das "immer eine eigene Meinung haben wird und diese auch vertritt", sagte er der "Sport Bild": "Und Jonas Boldt war klar, dass er mit mir hier nicht in einen diplomatischen Corps eintritt." Beide stehen noch bis 2021 unter Vertrag, und Hoffmann sah die Konstellation, inklusive Wettstein, noch vor wenigen Tagen als "für die kommenden Jahre tragfähig" an.

Doch nun schwelt es offenbar weiter, dabei bräuchte der HSV in Zeiten der auch wirtschaftlich gefährlichen Coronakrise ein Team, das in die gleiche Richtung marschiert. Welche Rolle Präsident und Ex-Nationalspieler Marcell Jansen spielt, ist schwer einzuschätzen. Auch er soll Hoffmann am Donnerstag kritisiert haben.

Böse Erinnerungen an 2009

Das Getöse rund um den früheren Bundesliga-Dino weckt Erinnerungen an das Jahr 2009, als es schon einmal zu einem großen Knall gekommen war. Auch damals stand Hoffmann im Mittelpunkt. Nach sechs Jahren Zusammenarbeit mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer war das Verhältnis der beiden Charakterköpfe damals nicht mehr zu kitten. Beiersdorfer musste gehen, die sportliche Talfahrt begann - und endete schließlich in der 2. Liga.

Aus der wollen die Hamburger mit Trainer Dieter Hecking nun schnell wieder heraus. Wann es weitergeht, ist angesichts des grassierenden Coronavirus unklar. Klar ist dagegen, dass man für das Erreichen großer sportlicher Ziele zumindest eine professionelle Basis auf Führungsebene braucht.

Quelle: ntv.de, mra/sid