Fußball

Deutscher MLS-Profi Herbers "Die individuelle Qualität der Liga nimmt zu"

AP_19180131826646.jpg

(Foto: AP)

Während in Europa bereits der Saisonbetrieb läuft, steht die neue Saison in der Major League Soccer gerade in den Startlöchern. Der deutsche Mittelfeldspieler Fabian Herbers geht in seine fünfte Saison in der amerikanischen Fußball-Profiliga und ist damit fast schon ein Veteran. Im Interview mit ntv.de spricht der 26-Jährige über seinen neuen, bundesligaerfahrenen Trainer bei Chicago Fire, seine Faible für deutsche Comedy und eine sportliche Zukunft in Deutschland.

Vor vier Jahren haben Sie den Sprung in den Profifußball geschafft, jetzt sind Sie schon ein Veteran in der MLS. Wie hat sich die Liga in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht entwickelt?

Die Liga ist extrem besser geworden. Jedes Jahr kommen Spieler aus Europa und Südamerika - die individuelle Qualität der Liga nimmt zu. Und das Budget der Klubs steigt jedes Jahr, entsprechend können sie mehr ausgeben.

Mit Inter Miami und SC Nashville sind zwei weitere Teams dazugekommen. In der nächsten zwei Jahren sollen noch vier weitere Teams in die MLS aufgenommen werden. Gibt das College-System genug Spielermaterial her?

Das College-System war traditionell sehr wichtig in den USA. Die Top-Talente aus NFL oder NBA kommen aus dem College. Der Fußballmarkt ist aber größer und globaler. Da finden sich viel mehr Talente in Europa und Südamerika. Der MLS Draft wird noch jedes Jahr gemacht, aber ich würde sagen, dass immer weniger Talente so den Sprung schaffen.

Tut das der Liga gut, wenn sie so aufgebläht wird, ist das notwendig, um möglichst viele Fans zu erreichen?

Ja, das Land ist groß, wenn man sich Fläche und Bevölkerungszahl anschaut. Das ist das opportunistische System der USA. Wenn die Fans es wollen, dann zahlen die Klubs den entsprechenden Preis. Das fördert dann den Wettkampf in der MLS.

Aber Auf- und Abstiege gibt es nicht. Vermissen Sie da nicht eine gewisse sportliche Drucksituation?

Ja natürlich. Man sieht schon, wie in Europa Teams gegen den Abstieg spielen und die Fans Existenzängste durchleben. Wenn man hier Zweitletzter ist, dann ist die Stimmung im Verein auch schlecht, aber es gibt nicht die Angst, eine Klasse tiefer spielen zu müssen. Als Spieler ist das ein Vorteil, weil man etwas befreiter aufspielen kann.

Hat sich Ihre Rolle mit dem Wechsel zu Chicago geändert?

Ich bin jetzt bereits 26 Jahre alt und nach vier Jahren ist man eine feste Größe in der MLS und hast eine bestimmte Zahl an Spielen auf dem Buckel. Als junger Spieler werden dir noch Fehler zugestanden, jetzt muss ich die Jüngeren leiten.

AP_20033660944603.jpg

Spielte fast neun Jahre lang in der Bundesliga: Raphael Wicky.

(Foto: AP)

Sind Sie jetzt auch ein Bindeglied zum Trainer Raphael Wicky? Wie läuft da der Austausch?

Ich finde es sehr gut, wie er mit der Mannschaft arbeitet. Sehr menschlich. Er kommuniziert sehr gut. Wenn er mit mir spricht, dann passiert das schon auf deutsch - auch mal im Spiel. Das ist natürlich eine stärkere Bindung, aber als Bindeglied würde ich mich nicht direkt sehen.

Jetzt haben Sie in der Vorbereitung oft auf im zentralen Mittelfeld gespielt. Das ist ja schon eine Schaltstelle, in der eine intensive Kommunikation mit dem Trainer nötig ist.

Auf jeden Fall. Im zentralen Mittelfeld musst du taktisch was drauf haben - das Spiel verstehen und lesen. Du musst das Offensivspiel einleiten, aber auch Wege mit nach hinten machen. Ich fühle mich auf der Achterrolle auf jeden Fall wohl. Da habe ich in der letzten Saison meine besten Spiele gemacht. Die Position passt am besten zu meinen Fähigkeiten.

Was bringt Raphael Wicky genau mit und wovon kann die Mannschaft am meisten profitieren?

Einfach davon, dass er selbst Profi war und in den besten Ligen, unter anderem der Bundesliga, gespielt hat. Er hat auch die Erfahrung als Trainer und taktisch viel drauf. Er weiß, wie er ein Teamkultur bildet, wie er mit der Mannschaft spricht und seine Prinzipien an uns ranbringen will. Das hat man von ersten Tag gemerkt. Er hat selbst eine hohe Spielintelligenz und verlangt auch von uns, dass jeder seine Rolle versteht.

Kommt es auf das Teamgefüge in dieser Saison besonders drauf an? Mit Bastian Schweinsteiger, Nemanja Nikolic, Alex Katai oder Nico Gaitan hatte das Team ja namenhafte Abgänge zu verzeichnen.

Vielleicht war das letztes Jahr unser Problem. Wir hatten zwar Spiele, die wir dank der individuellen Qualität hoch gewonnen haben, beispielsweise gegen Atlanta, aber Punkte gegen schwache Teams gelassen haben. Wenn man solche Spiele abgibt, dann ist es umso wichtiger, dass das Manschaftsgefüge stimmt. Und das bringt Raphael Wicky mit.

Mit Bastian Schweinsteiger hat ein "Fußballgott" Chicago verlassen, einer ist noch übrig geblieben. Wie sind Sie zu dem Spitznamen gekommen?

Das kommt vom Podcast "Gemischtes Hack" mit Felix Lobrecht und Tommi Schmitt. Ich bin ein großer Fan des Podcast. Ich habe Tommi Schmitt einmal auf Instagram angeschrieben und ihm gesagt, dass der Podcast mir den Mittwoch, also den Tag, an dem eine neue Folge rauskommt, so ein bisschen versüßt. Dann sind wir auch über Fußball ins Gespräch gekommen und im Podcast wurde dann 'Fabi Herbers Fußballgott' zum Running Gag. Das zieht sich durch die Zuhörerschaft.

Und werden Sie auch in Deutschland mittlerweile so angesprochen?

Das ist schon vorgekommen. Als ich einen Auftritt von Felix Lobrecht besucht habe, da haben mich viele erkannt und wollten ein Foto mit mir machen. Das mache ich dann natürlich gerne, auch wenn der Spitzname natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist.

Die beiden Moderatoren des Podcasts stehen auch als Comedians auf der Bühne. Ist deutsche Comedy dann ein kleine Leidenschaft von ihnen?

Früher habe ich immer gerne TV Total mit Stefan Raab geschaut und ich schaue gerne Tedros Teclebrhan auf Youtube an. So war es auch mit Felix Lobrecht, durch den ich dann auf den Podcast "Gemischtes Hack" gekomme bin.

Und könnten Sie sich vorstellen, selbst einen Podcast zu machen?

(Lacht) Nein, lieber nicht!

Auch nicht mit Ihrem Zimmerkollegen Kenneth Kronholm?

Das könnte vielleicht was werden. Aber da sage ich mal: Schuster bleib bei deinen Leisten. Ich bleib also lieber beim Fußballspielen.

Vor vier Jahren waren es drei Deutsche, die den Sprung in die die MLS geschafft haben. Julian Büscher und Timo Pitter spielen noch in der Regionalliga und arbeiten. Zahlt sich da der studienkombinierte Weg zum Fußballprofi aus und gibt es bei Ihnen bereits Gedanken ans Berufsleben nach dem Fußball?

Der Gedanke ist ständig da. Mein Vertrag läuft nächstes Jahr aus und man weiß nie, wie lange man noch spielen kann. Das kann dann auch durch eine Verletzung ganz schnell vorbei sein. Bis man dann Anfang 30 ist sollte man sich ein zweites Standbein aufgebaut haben. Druck will ich mir da nicht machen. Ich habe jetzt meinen Master über ein Fernstudium gestartet. Aber ich bin noch total glücklich mit dem Fußball und will da jeden Moment auskosten.

Sehen wir Sie irgendwann mal in Deutschland kicken? Gab es da schon mal eine Möglichkeit?

Meine Familie würde es begrüßen, wenn ich nach sechs Jahren nochmal zurückkomme (lacht). Ein konkretes Angebot lag aber bislang noch nicht vor. Wenn es so wäre, würde ich das natürlich in Erwägung ziehen, aber ich bin hier total glücklich und genieße das Leben hier.

Mit Fabian Herbers sprach Michael Bauer

Quelle: ntv.de