Fußball

Fußball-Zeitreise, 24. 11. 1999 Die schnellste rote Karte der Geschichte

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Symboldbild Rote Karte.

(Foto: imago/Belga)

Seinen Platz in den Geschichtsbüchern des Fußballs hat sich Walter Boyd redlich verdient - mit einen Rekord für die Ewigkeit. Gegen den Jamaikaner ist Lionel Messi eine Schnecke. Und selbst im Sauerland können sie davon nur träumen.

Die Tage stand in der Zeitung, dass ein 18-Jähriger aus Hemer es tatsächlich geschafft hat, seinen Führerschein nur 49 Minuten nach seiner Fahrprüfung wieder zu verlieren. Es war an einer Stelle, wo 50 km/h erlaubt war, mit unglaublichen 95 km/h geblitzt worden. Die kurze Fahrt mit vier Kollegen durch den Ort hat nun ein teures Nachspiel. Dafür geht der junge Sauerländer wohl als der Mann in die Geschichte ein, der auf schnellstem Wege seinen Lappen wieder abgeben musste. Erinnerungswerte, die man nicht unterschätzen sollte.

Schließlich kümmern wir uns heute in der Fußball-Zeitreise auch um einen Mann, dem es offensichtlich nicht schnell genug gehen konnte. Am 24. November 1999 sollte Walter Boyd bei der Partie seines walisischen Klubs FC Swansea gegen den FC Darlington das Kunststück vollbringen, nach null Sekunden die Rote Karte zu sehen. Eigentlich unmöglich, aber da das Spiel bei seiner Auswechselung durch einen Freistoß unterbrochen war und erst nach Boyds rüder Attacke wieder aufgenommen wurde, stimmt die Zählweise. Der Jamaikaner rammte - gerade auf dem Feld - seinem Gegenspieler den Ellenbogen ins Gesicht, holte sich umgehend den Platzverweis ab und ließ sich vom Schiedsrichter den Weg zu den Duschen zeigen. Erst dann pfiff der die Partie wieder an. Und Boyd, der keine einzige Sekunde gespielt hatte, darf sich von nun an eines unschlagbaren Rekords für die Ewigkeit sicher sein.

Selbst Messi ist langsamer

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Übrigens: Von der ganz schnellen Sorte - aber im Vergleich zu Boyd natürlich nur im Tempo einer Schnecke - war auch Weltstar Lionel Messi bei seinem Debüt für die argentinische Nationalmannschaft im August 2005. Als er gegen Ungarn nach 64 Minuten in die Partie kam, dauerte es nur 44 Sekunden, bis er sich wieder Richtung Kabinen verabschieden durfte. Der 17 Jahre alte Messi fühlte sich bei einem Sololauf von seinem ungarischen Gegenspieler gestört und verpasste diesem bei einer Ausholbewegung einen leichten Schlag ins Gesicht. Der deutsche Schiedsrichter Markus Merk zog daraufhin ohne Umschweife die rote Karte.

Einen ganz anderen Rekord in puncto roter Karton hält immer noch der Kolumbianer Gerardo Bedoya. Er ist der "Bad Boy" des Fußballs schlechthin und trägt mit Recht die Titel "König der roten Karten" und der "schmutzigste Fußballer der Welt". Unglaubliche 46 Mal flog Bedoya in seiner Karriere vom Platz. Es spricht für seine sportlichen Qualitäten, dass er dennoch 49 Länderspiele bestritt und 2001 mit Kolumbien die Copa America gewann. 14 Mal wechselte der Mann, der auch das "Biest" genannt wurde, den Klub. Im Jahr 2002 war er einer von zwei Kolumbianern, die gleich für eine ganze Spielzeit aus dem Verkehr gezogen wurde. In der Zweitrunden-Partie seines Vereins Racing Club in der Copa-Libertadores gegen America hatte er damals mit einer seiner Spezialitäten, dem blitzschnell ausgeführten und sauber platzierten Ellbogencheck, einen Schiedsrichter-Assistenten attackiert und ausgeschaltet.

Gerardo Bedoya, das Biest

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So ging es all die Jahre munter weiter. Selbst im hohen Fußballalter von über 35 Jahren brachte es Bedoya von 2011 bis 2013 bei Santa Fe noch auf acht Platzverweise. Von Altersmilde war also nichts zu spüren. Im Gegenteil. 2012 kassierte der Kolumbianer eine Sperre von 15 Partien, weil er seinem Gegenspieler mal wieder den Ellbogen ins Gesicht gerammt hatte. Doch das reichte Bedoya an diesem Tage nicht. Als der Gefoulte am Boden lag, trat er hemmungslos auf den verletzten Spieler ein - mitten ins eh schon geschundene Gesicht. Nachdem er Rot gesehen hatte, lieferte sich Bedoya auf dem Weg in die Kabine noch eine Verbalschlacht mit dem Schiedsrichter.  Vereinsoffizielle beruhigen und führten ihn  vom Platz.

Nachdem der kolumbianische Verteidiger 2015 seine Karriere bei Cúcuta Deportivo beendet hatte, wurde es einige Monate ruhig um Bedoya. Für ihn vermutlich etwas zu ruhig. Und so dauerte es genau einen Tag, bis er nach seiner Verpflichtung als Co-Trainer bei Santa Fe im Frühjahr 2016 wieder im Rampenlicht stand. Nach einer 1:0-Führung von Bediyas Mannschaft hatte der Gegner von Santa Fe, das Team von Atlético Junior, sehr schnell ausgeglichen. Das gefiel dem hitzköpfigen Kolumbianer offensichtlich ganz und gar nicht. Und so schnauzte er den Schiedsrichter-Assistenten lautstark an - bis es diesem zu bunt wurde. Wilmar Navarro gab dem Schiedsrichter ein Zeichen und dieser schickte Bedoya nach weniger als 20 Minuten Spielzeit von der Bank hoch auf die Tribüne. Ein Einstand nach Maß also für Bedoya - und der 47 Platzverweis seiner Karriere.

Der Rekord von Walter Boyd vom 24. November 1999 ist nicht mehr zu schlagen. Nun darf man gespannt sein, ob in Zukunft der Nachwuchs dem jungen Sauerländer aus Hemer seinen Führerschein-Verlust-Bestwert noch einmal streitig machen wird. Aber 49 Minuten, das muss man neidlos anerkennen, ist schon eine respektable Leistung.

 

Quelle: n-tv.de

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