Fußball

Müllers 40-Tore-Rekord wackelt Die ungnädige Jagd des Robert Lewandowski

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Was für ein Stürmer! Robert Lewandowski könnte bald zur Legende werden.

(Foto: Pool via REUTERS)

Der FC Bayern ist bereits vor dem Anpfiff des Spiels gegen Borussia Mönchengladbach erneut Deutscher Meister. Einen Spannungsabfall leistet sich die Mannschaft deswegen aber nicht. Im Gegenteil: Sie feiert eine beeindruckende Meistergala.

Für Deutschlands legendärsten Stürmer, für Gerd Müller, der seit Jahren an einer schweren Alzheimer-Erkrankung leidet, gibt es an diesem Samstagabend natürlich auch eine gute Nachricht. Zwar wackelt sein historischer Bundesliga-Rekord bedenklich, und zwar richtig bedenklich, nicht aber seine Bestmarke als bester Torjäger in der Vereinsgeschichte des FC Bayern. Dort stehen seine 365 Treffer im nationalen Haupt-Wettbewerb (auch das ein Rekordwert in der Bundesliga) weiter in ein Material hinein gemeißelt, das wohl niemals und niemand wird aufbrechen können.

Ganz anders als die 40 Tore in einer Saison aus der Spielzeit 1971/72. Die droht Robert Lewandowski nämlich ganz bald einzustellen, sie ganz bald zu übertrumpfen. Denn obwohl die Münchner bereits vor ihrem 32. Spiel erneut als Deutscher Meister feststehen - die nicht zwingend nötige, aber gern genommene Hilfe kam vom BVB - hatte die Mannschaft große Lust auf eine bemerkenswerte Gala mit einem herausragenden Protagonisten: mit Lewandowski.

Der traf dreifach beim aberwitzigen 6:0 (4:0) gegen eine völlig überforderte Borussia aus Mönchengladbach. Er stellte seine Bilanz auf 39 Tore in 27 Spielen (!). Und wie er das machte, das war wieder einmal phänomenal. Sein erster Treffer sortiert sich noch in der Kategorie "muss er machen" ein, wobei es schon ausreichend Fußballer gab, die sich in dieser Kategorie historische Peinlichkeiten leisteten. Sehr wahrscheinlich hat auch Lewandowski in seiner Karriere schon Chancen liegengelassen, wo man sich fragt: Was war denn da los? Aber Momente, die das kollektive Gedächtnis nachhaltig erheitern, hat er bislang eher nicht geliefert. Um diesem Treffer dennoch etwas Relevantes mit auf den Weg in die Geschichtsbücher zu geben: Es war der schnellste seiner Bundesliga-Karriere.

FC Bayern - Borussia Mönchengladbach 6:0 (4:0)

Tore: 1:0 Lewandowski (2.), 2:0 Thomas Müller (23.), 3:0 Lewandowski (34.), 4:0 Coman (44.), 5:0 Lewandowski (66., Handelfmeter), 6:0 Leroy Sane (86.)
FC Bayern: Neuer - Pavard, Jerome Boateng (71. Martinez), Hernandez, Davies - Kimmich, Alaba (60. Goretzka, 69. Nianzou) - Coman (60. Leroy Sane), Thomas Müller, Musiala (60. Gnabry) - Lewandowski; Trainer: Flick.
Mönchengladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini (69. Wendt) - Zakaria, Neuhaus - Lazaro (46. Wolf), Hofmann (69. Stindl) - Thuram (46. Plea), Embolo (84. Herrmann); Trainer: Rose.
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hamburg)
Rote Karte: Nianzou nach einer Notbremse (75., nach Videobeweis)

Ein Tor mit einem stabilen Erinnerungswert war sein zweites, das zum 3:0, an diesem 32. Spieltag. Nach einer perfekten Flanke des wieder einmal sehr starken Thomas Müller - seine 18. Vorlage der Saison, und wo wir gerade dabei sind - natürlich auch ein Rekordwert in der Liga - legte sich der Pole am Fünfmeterraum quer in die Luft, setzte seinen Körper unter maximale Spannung und erzielte einen Treffer, der es ganz sicher in die monatliche Auswahl der sehenswertesten Abschlussaktionen schafft. Eventuell ja sogar in die Auswahl der sehenswertesten Abschlussaktionen des Jahres. Das dritte Tor, das zum 5:0, nun ja, es fiel aus elf Metern. Ein langweiliger Strafstoß nach einem Handspiel von Nationalspieler Florian Neuhaus, der als Neuzugangskandidat in München gilt, muss auch mal sein. Tor ist Tor. Und ja auch noch nicht das Rekordtor. Das hätte tatsächlich mehr Spektakel in seiner Vollendung verdient.

Einen Spannungsabfall, der ja manchmal einsetzt, wenn die großen Entscheidungen gefallen sind, den leistete sich die Mannschaft von Trainer Hansi Flick nicht. Sie hat eben noch diese historische Mission für ihren Stürmer. Aber dass die Fußballer in ihrer Spielfreude alles tun, um Lewandowski den Rekord möglich zu machen, nun, das haben nicht alle verinnerlicht.

Das 4:0 durch Kingsley Coman, der in seiner Profikarriere übrigens IMMER Meister geworden ist, zuerst mit Paris St. Germain, dann mit Juventus Turin und seit dem 30. August 2015 (zunächst als Leihspieler) für den FC Bayern, war zwar sehr schön, aber eben eigensinnig. Denn in der Mitte wurde Lewandowski doch eher luftig verteidigt. Zwar reagierte er nicht zornig auf den Treffer seines französischen Teamkollegen. Er machte aber deutlich, dass er auch bereit gewesen wäre. Die anderen beiden Treffer erzielten übrigens Thomas Müller (zum 2:0) und der eingewechselte Leroy Sané (zum 6:0). "Das war ein klasse Spiel und ein guter Zeitpunkt, um zu zeigen, wer deutscher Meister ist", sagte Lewandowski später bei Sky.

Nun, so steht die Saisonmarke vorerst bei 39 und seine persönliche Liga-Ausbeute für die Münchner bei 201 (!), erzielt in 217 Einsätzen. In allen 326 Plichtspielen steht seine Quote sogar bei 290, 56 davon gab's in 68 Spielen in der Champions League. Es ist wohl eher nicht zu erwähnen, dass er damit auch der erfolgreichste ausländische Torschütze in der Geschichte der Bundesliga ist, insgesamt stehen da nun 275 Treffer. Auf Platz zwei liegt der legendäre Claudio Pizarro, der ebenfalls sehr bemerkenswerte 197 erfolgreiche Abschlüsse verbucht.

Die nächsten Hürden auf der unerbittlichen Jagd nach dem ewigen Saisonrekord von Gerd Müller heißen für Lewandowski übrigens SC Freiburg, auswärts, und FC Augsburg, daheim. Es wird vermutlich eng für den "Bomber der Nation". Sehr eng.

Quelle: ntv.de

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