Zoff nach Europapokal-AusErst fliegen die Mainzer, dann die Fetzen
Das Spiel ist schon abgepfiffen, da kassiert Nadiem Amiri noch die Rote Karte. Das Conference-League-Spiel des 1. FSV Mainz 05 bei Racing Straßburg hat eine dritte Halbzeit mit Rudelbildung. Sportvorstand Heidel spricht von "Kindergärtnerei".
Der Traum platzt und Nadiem Amiri sieht Rot - im doppelten Sinne: Der 1. FSV Mainz 05 ist nach der bösen 0:4-Klatsche im Viertelfinal-Rückspiel der Confrence League gegen Racing Straßburg aus dem Europapokal geflogen. Nach dem Abpfiff entlud sich der Frust der Mainzer. Weil Straßburgs Martial Godo mit der Eckfahne vor dem Mainzer Fanblock jubelte und das Trikot eines Mitspielers über diese hängte, rannte Amiri über den halben Platz zu ihm und schubste ihn. Das Gerangel nahm seinen Lauf.
Phillip Tietz eilte dazu, brüllte den Straßburger an, drängte ihn weiter an den Zaun, immer mehr Spieler kamen hinzu. Brüllten und schubsten, bis Ordner dazwischengehen. Die Konsequenz: Gelb für Doukouré - Rot für Amiri. "Das geht für mich gar nicht. So was gehört sich nicht, das hat für mich nichts mit Respekt zu tun", sagte Paul Nebel über die Aktion seines französischen Gegenspielers.
Mainz-Sportvorstand Christian Heidel sagte: "Kindergärtnerei. Da gab es ein Gemenge und Nadiem hat seinen Gegenspieler dann gestreichelt. Der Schiedsrichter hat es gesehen." Und weiter: "Es ist alles eigentlich überflüssig, aber kein großes Drama." RTL-Experte Lothar Matthäus sah es dagegen nicht so entspannt: "Ich würde als UEFA so was auch mal nachträglich bewerten und so einen Spieler zur Rechenschaft ziehen. So was geht nicht. Wir wollen Ruhe und ein Miteinander im Stadion haben. Dann wird man als Fan, der diese Reise auf sich nimmt, so provoziert von einem Spieler von Straßburg." Er sprach sich für eine Sperre von Godo aus: "Diese Provokation ist über die Grenze hinausgegangen."
"In den Emotionen bist du enttäuscht"
Trainer Urs Fischer nahm dagegen seine eigenen Spieler in die Pflicht: "Wenn man 0:4 verliert, dann sollte man dem Gegner gratulieren und sich nicht provozieren lassen", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Aber ich verstehe es natürlich auch. In den Emotionen bist du enttäuscht. Was da genau passiert ist, kann ich nicht sagen, ich war am Abklatschen."
Nicht nur wegen der Szenen nach dem Abpfiff war Fischer unzufrieden - richtig ärgern tat ihn das Spiel an sich. "Man muss deutlich sagen: Wir waren überfordert. Sie haben uns aufgefressen", sagte der 60-Jährige bei RTL. Das Hinspiel im heimischen Stadion hatten die Mainzer noch mit 2:0 gewonnen und waren euphorisiert ins Rückspiel gegangen. Dort verpuffte die Hoffnung auf den Einzug ins Halbfinale schnell. "Es war das, was ich befürchtet habe: Wir hatten keine Antwort", so Fischer. "Wir hatten den Mut heute nicht."
Schon nach 35 Minuten hatte Straßburg das Hinspielergebnis durch Treffer von Sebastian Nanasi (26.) und Abdoul Ouattara egalisiert (35.), in der zweiten Halbzeit legten die Franzosen durch Julio Enciso (69.) und Emmanuel Emegha (74.) nach. Schon vor dem Abpfiff hallte es hämisch "Auf Wiedersehen" von den Tribünen im Elsass.
Fischer sagte so nüchtern wie frustriert: "Ich muss auch vorsichtig sein nach so einem Spiel, dass man nicht was Falsches sagt. Die Jungs haben es bis heute zu gut gemacht, um alles schlecht zureden - aber es war wirklich unterirdisch."
