Fußballhölle in Englands NordenGrausame Nachspielzeit: Aufstieg gefeiert, Aufstieg verloren

In der fünften Liga, fern der großen Scheinwerfer, erlebt England ein Fußball-Drama für die Ewigkeit: Rochdale feiert in der Nachspielzeit schon den Aufstieg – bis York City in letzter Sekunde zurückschlägt.
Football, bloody hell, sagte einst die Trainerlegende Sir Alex Ferguson. Er definierte damit drei Worte für die Faszination des Fußball-Sports. Die wird durch Emotionen getragen, durch Geschichten, die man sich noch in Jahren erzählen wird - in Dörfern, in Gemeinden und in Städten. Der Fußball reicht tief in die Herzen jener, die ihn lieben. Dort nisten sich die bittersten Niederlagen ein, und die dramatischsten Erfolge.
Der Fußball hat ein kollektives Gedächtnis. Dort brennen sich die großen Momente des Sports ein. Diese müssen sich nicht auf höchster Ebene abspielen, ihnen muss nur ein gewisses Drama, die Atemlosigkeit eines kollektiven Rauschs oder eine erschütternde Erkenntnis innewohnen.
Die Faszination des Spiels zeigte sich an diesem Wochenende im Mutterland des Fußballs - und dort in der National League, der fünften englischen Liga. Am 46. und somit letzten Spieltag der außerhalb der ganz großen englischen Ligen organisierten Spielklassen trafen die beiden Überflieger AFC Rochdale und York City aufeinander. Die Partie war ein direktes Endspiel um den Titelgewinn und den direkten Aufstieg in die EFL League Two, der vierthöchsten Klasse. York City benötigte einen Punkt in der Stadt aus der Metropolregion Manchester, Rochdale einen Sieg.
Entscheidung in allerletzter Sekunde
Die Entscheidung fiel in der Nachspielzeit, und sie hatte sich keineswegs abgezeichnet. Am Ende waren die Gastgeber aus Rochdale am Boden zerstört - und die Gäste von der englischen Ostküste konnten es nicht glauben. Dabei waren sie zu Beginn der Nachspielzeit ohnehin aufgestiegen, es stand torlos 0:0. Dann aber traf Mani Dieseruvwe in der fünften Minute der sechsminütigen Nachspielzeit per Kopf für Rochdale und alles explodierte. Die Spieler rasteten aus und mit ihnen die gesamte Crown Oil Arena. Über 7000 Zuschauer waren gekommen. Die Spieler zogen ihre Trikots aus, die Fans stürmten den Platz, jubelten ausgiebig. Der Aufstieg. Nach drei Jahren in der fünften Liga. Sie konnten ihr Glück kaum fassen - und es zerrann in ihren Händen.
Das Spiel war noch nicht vorbei. Nach turbulenten Feierminuten ging es weiter. Eine letzte Strafraumaktion für York. Ein Kopfball, abgewehrt, doch der Nachschuss von Josh Stones findet den Weg über die Linie - irgendwie. Erst dahinter kratzt ihn ein Rochdale-Spieler aus dem Kasten. Diesmal zogen sich die York-Spieler die Trikots aus, sie rannten quer über den Platz zu ihren mitgereisten Fans, ein paar stürmten den Platz. Diesmal nicht vergebens. Nach zehn Jahren gelang York City nach über 4140 gespielten Minuten, nach 46 Spielen, die Rückkehr in die EFL League Two.
"Noch nie erlebt"
"Das ist der absolute Wahnsinn. Noch nie erlebt", sagte Torschütze Stones und verwies auf Rochdales große Stärke in dieser Saison, Tore ganz zum Ende des Spiels. "Wäre auch eine Farce gewesen, wenn das letzte Spiel 0:0 ausgeht." Auch York hatte die Saison über nicht gerade wenig Tore erzielt, Stones' Treffer war der insgesamt 114. der Spielzeit.
"Ich habe wirklich gedacht, das war es jetzt. Ich bin so glücklich. Wir verdienen es einfach - die Mannschaft, das Staff und die Fans. Ich liebe den Klub, und das bedeutet mir alles", sagte Stones. "Ich werde jetzt tagelang nicht schlafen." Dann wünschte er Rochdale alles Gute für die Playoffs. "Sie waren einfach unfassbar diese Saison." Rochdale muss sich dafür in einer Relegation mit fünf weiteren Teams durchsetzen, auch wenn sogar York-Trainer Stuart Maynard klagte: "Es ist ein Skandal in dieser Liga, dass Mannschaften über 100 Punkte holen können und trotzdem nicht aufsteigen."
Auf den Rängen blieb es trotz der großen Enttäuschung friedlich, auf dem Platz legten sich die York-Spieler auf den Boden. Eine lange Saison war vorbei. Und wie. Football, bloody hell