Fußball

Gründung vor 50 Jahren ohne Bayern Herberger bejubelt Bundesliga

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"Diese Entscheidung macht mich froh": Sepp Herberger, hier mit Uwe Seeler im Jaht 1970.

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Vor genau 50 Jahren, am 28. Juli 1962, gründet der Bundestag des DFB in Dortmund die Fußball-Bundesliga. Damals wird im Goldsaal der Westfalenhallen sehr kontrovers diskutiert. Mit 103:26 Stimmen wird die Einführung einer zentralen Spielklasse schließlich beschlossen.

Die Luft war stickig und verraucht, die Diskussionen hitzig und die Meinungen kontrovers: Die Gründung der Fußball-Bundesliga, die sich heute zum 50. Mal jährt, war alles andere als ein Selbstläufer. Die "Einführung einer zentralen Spielklasse mit Lizenzspielern" stand auf des Messers Schneide. Um 17.44 Uhr an jenem 28. Juli 1962 wurde schließlich auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (mit 103:26 Stimmen der Start der Bundesliga zum August 1963 beschlossen.

"Das Ja zur Bundesliga", lautete damals der ganzseitige Titel des "Kicker". Die Geburtswehen im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhallen waren jedenfalls heftig, die Erfolgsgeschichte des neuen deutschen Fußball-Oberhauses nicht wirklich absehbar. Inzwischen ist die Bundesliga ein echter Wonneproppen, ein Unternehmen, das Milliarden Euro bewegt und auch weltweit als Marke anerkannt ist. Der internationale Stellenwert des deutschen Fußballs ist untrennbar mit der Bundesliga verbunden, denn sie sicherte der DFB-Auswahl ihre Konkurrenzfähigkeit. Es folgten nicht von ungefähr nach dem "Wunder von Bern" 1954 die WM-Triumphe zwei und drei (1974 und 1990) sowie drei EM-Titel (1972, 1980 und 1996).

Herberger: "Endlich haben wir sie"

Als die entscheidenden Figuren bei der Einführung der deutschen Eliteklasse gelten der visionäre Franz Kremer, Präsident des 1. FC Köln, und der damalige saarländische Verbandschef Hermann Neuberger, der spätere DFB-Präsident. Vor allem Neuberger riss die Delegierten im Goldsaal mit seiner flammenden Rede mit. "Wir wollen, dass unsere Vereinsvorstände endlich einmal wieder ruhig schlafen können. Und wir wollen ihnen die Chance geben, wieder ehrlich zu werden. Das ist der tiefste Grund, meine Herren", sagte der Saarländer. Neubergers Rede bedeutete den Durchbruch, nachdem auch Kremer ("Ich bin mir stundenlang vorgekommen, als wäre ich auf dem falschen Bundestag") deutliche Worte gefunden hatte.

Nachdem die ersten Versuche, eine deutsche Fußball-Eliteklasse zu installieren, bereits in den 1930er Jahren gescheitert waren, sorgten die Delegierten in Dortmund für die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. "Diese Entscheidung macht mich froh. Endlich haben wir sie", zitierte das DFB-Journal den damaligen Bundestrainer Sepp Herberger, der als Delegierter des südwestdeutschen Verbandes mit abstimmte. Dagegen scheiterte der Antrag auf Einführung des Vollprofitums mit 49:80 Stimmen deutlich. Zumindest der Antrag auf Einführung des Lizenzspielers ging mit 91:37 durch, wobei die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit von 86 nur knapp erreicht wurde. 1200 Mark (etwa 600 Euro) betrug inklusive Prämien der monatliche Maximalverdienst der Bundesliga-Spieler in der Premieren-Saison 1963/1964.

Kein Platz für den FC Bayern München

Interessant war die Zusammensetzung der Bundesliga, die schließlich am 24. August 1963 startete. Timo Konietzka erzielte für Borussia Dortmund am ersten Spieltag in der Partie bei Werder Bremen das erste Tor in der Bundesliga-Geschichte, das weder als Bild, geschweige denn als Bewegtbild dokumentiert worden war. 46 Vereine bewarben sich um die 16 Startplätze im neuen Liga-Oberhaus. Die ersten Lizenzen wurden an den 1. FC Köln, Borussia Dortmund, den Hamburger SV, Schalke 04, den 1. FC Nürnberg, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und den 1. FC Saarbrücken vergeben. Später rückten noch der 1. FC Kaiserslautern, 1860 München, der VfB Stuttgart, Preußen Münster, der Karlsruher SC, der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig und der Meidericher Spielverein, der spätere MSV Duisburg, nach.

Kein Platz war für den späteren deutschen Rekordmeister Bayern München, der ebenso wie Borussia Mönchengladbach erst 1965 den Bundesliga-Aufstieg schaffte. Es gab sogar Klagen vor einem ordentlichen Gericht vonseiten Alemannia Aachens und von Kickers Offenbach - aber ohne Erfolg. Einziger Klub, der seit 1963 ununterbrochen in der Bundesliga mitspielt ist der Hamburger SV. Der erste Bundesliga-Champion war 1964 der 1. FC Köln, der von Bundesliga-Visionär Kremer geführt wurde und damals noch das Klub-Aushängeschild Deutschlands war.

Quelle: n-tv.de, Ralph Durry, sid

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