Fußball

Israel triumphiert in EM-Quali Herzog brilliert, "sein" Österreich schimpft

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Andreas Herzog freut sich über einen "Sahnetag".

(Foto: imago images / GEPA pictures)

Anstatt ihre Fußball-Legende Andreas Herzog zum Nationaltrainer zu berufen, entscheiden sich die Österreicher 2017 für den Deutschen Franco Foda. Herzog fühlt sich "verarscht" - und heuert in Israel an. Dort muss er politische Diskussionen umschiffen. In der EM-Quali düpiert er sein Heimatland.

"Blamage", "Schmach", "Pleite" - die österreichischen Medien gingen am Tag nach der 2:4-Niederlage in Israel mit ihrer Nationalelf hart ins Gericht. Ausgerechnet der Österreicher Andreas Herzog düpierte mit seinem Team die Mannschaft seines Heimatlandes. Herzog ist mit 103 Einsätzen eine Österreich-Legende. Er war im Herbst 2017 zum wiederholten Mal als Nationalcoach im Gespräch gewesen, ehe dann der Deutsche Franco Foda den Job bekam. "Verarschen kann ich mich selber auch!", schimpfte Herzog bei Sky. "Rachegedanken" hege er allerdings allerdings nicht, hatte er schon vor dem Spiel betont.

Deutschlands früherer Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der einst zusammen mit Herzog das US-Nationalteam coachte, lobte seinen Kollegen als "exzellenten Trainer". Im Gegensatz zu seinem Ruf in Österreich, zu freundlich zu sein, verfüge Herzog über Durchsetzungskraft. "Dieser Sieg gegen sein eigenes Österreich hat jetzt wirklich einmal auch den Österreichern gezeigt, dass sie vielleicht ein paar Mal die Chance verpasst haben, ihn zum Nationaltrainer zu machen, dass er eigentlich der Richtige ist", sagte Klinsmann als Co-Kommentator beim TV-Sender RTL.

"Das hat etwas mit Mentalität zu tun"

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In Österreich zeigte man sich nach der Niederlage frustriert - die Spieler seien nach dem frühen 1:0 unfassbar überheblich gewesen. "Das machte den Gegner stark und leitete die Wende ein", meinte der ehemalige Nationalcoach Herbert Prohoska in der "Kronen Zeitung". Ohne Bayern-Star David Alaba und den Augsburger Michael Gregoritsch hatte Österreich einen Top-Start. Schon in der 8. Minute traf der ehemalige Bremer Marko Arnautovic für die Gäste. Doch danach vertändelten die Österreicher die Führung und gerieten durch zwei Tore des in China spielenden Eran Zahavi in Rückstand. Nach der Pause bauten Zahavi und Munas Dabbur die Führung aus, bevor Arnautovic nochmal verkürzen konnte (75.).

Foda übernahm für den Fehlstart der Österreicher in die EM-Qualifikation mit null Punkten aus zwei Spielen die Verantwortung und kündigte Veränderungen an. "Wenn du so gut im Spiel bist und eigentlich alles im Griff hast, dann musst du konzentriert und fokussiert sein. Das hat etwas mit Mentalität zu tun, das müssen wir schleunigst ändern", sagte der 52 Jahre alte Mainzer. Selbst Herzog hatte Mitleid: "Ich habe ihm gesagt, dass wir eigentlich einen Scheißjob haben", so Herzog. "In der Halbzeit hätte er hoch führen müssen und im Nachhinein feiere ich. Für Trainer ist es eine Achterbahn der Gefühle."

"Israel einen Riesensieg beschert"

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Bekam einen Anruf vom Regierungschef: Dreifachtorschütze Eran Zahavi.

(Foto: imago images / DeFodi)

In Israel herrschte dagegen Euphorie. Regierungschef Benjamin Netanjahu rief den dreifachen Torschützen Zahavi aus den USA an, um ihm zu gratulieren. "Es war großartig", sagte Netanjahu. "Ihr habt Israel einen Riesensieg beschert, es war ein Erfolg für jeden von euch, aber auch eine nationale Errungenschaft." Für Herzog war es der bisher wohl schönste Sieg seit dem Amtsantritt vor acht Monaten. "Ein paar wichtige Spieler von uns haben einen absoluten Sahnetag erwischt", kommentierte Herzog den Erfolg.

Gern würde er sich nur um den Fußball kümmern, aber das ist gar nicht so einfach. Denn in Israel, einem Land mit unzähligen widerstreitenden politisch-religiösen Interessen, muss Herzog sogar darauf achten, wen er ins Team beruft. "Wir haben schon mit sechs Juden und fünf Arabern in der Startelf gewonnen", so der Coach. Und: "So knapp war das Verhältnis noch nie. Ich wusste das gar nicht." Hätte er im Spiel noch einen jüdischen gegen einen arabischen Profi ausgewechselt, sagt er, wäre es möglicherweise "zu Diskussionen gekommen".

"Meine ultimative, meine allergrößte Herausforderung"

Insofern ist seine Arbeit ein Tanz auf dem Drahtseil und ein politischer Akt, weil der Fußball in Israel wie vieles andere politisch ist. Und somit auch jede Entscheidung in ihm. Dass der neue Trainer aus einem Land stammt, in dem Rechtspopulisten mitregieren, war ja anfangs auch Anlass zur Skepsis. Zudem gab es da noch etwas: Herzog höchstpersönlich hatte 2001 mit seinem Freistoßtor in der Nachspielzeit Israels Träume von der WM 2002 platzen lassen. "Wir werden hier mit Orangen und Steinen beworfen. Ein Geschosshagel, jetzt ist eine Flasche explodiert", kommentierte die Reporterlegende Hans Huber auf der Tribüne. Willi Ruttensteiner, der ebenfalls österreichische Sportdirektor der Israelis, hat seinen Spezl trotzdem angelockt. "Das ist meine ultimative, meine allergrößte Herausforderung", sagt Herzog.

Der langjährige Bundesligaspieler ist in Israel inzwischen recht beliebt, Siege gegen Schottland und Albanien in der Nations League waren Achtungserfolge. Am Donnerstag gab es ein 1:1 gegen Slowenien. Und nun das 4:2 gegen sein Österreich. "Sie werden meine Geschichte jetzt rauf- und runterspielen", hatte Herzog vor der Partie gesagt. "In beiden Ländern." Er hat Recht behalten.

Quelle: n-tv.de, ara/dpa/sid

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