Fußball

Gegen die Langeweile im DFB-Pokal Lasst die Kleinen bloß zu Hause

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Laaaangweilig! Findet auch dieser kleine Fußballfan.

(Foto: imago sportfotodienst)

Die Zuschauer so euphorisch wie beim Audi-Cup, die Spieler so beseelt wie im Testspiel gegen die SG Sonnenhof-Großaspach: Dem Halbfinale im DFB-Pokal zwischen Bayern und Kaiserslautern fehlen die Emotionen. Die ließen sich aber so einfach erzeugen.

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Immerhin, den Edel-Fans um Uli Hoeneß gefiel das Spiel.

(Foto: imago/MIS)

"Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht." Das sagte Sepp Herberger einst, und es ist einer dieser Sätze, die so schön sind, dass sie wahrscheinlich schon in Stein gemeißelt in die Welt kamen. Nur komisch, dass Sepp Herberger offenbar Unrecht hat: Am Mittwochabend sind in München 71.000 Menschen zum Fußball gegangen, obwohl sie wussten, wie es ausgeht. Rund 8,7 Millionen Menschen schalteten am Fernseher ein. Sie alle sahen, wie der Deutsche Meister im DFB-Pokal-Halbfinale zu einem 5:1 gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern spazierte. Nach dem 2:0 in der 32. Minute durch Toni Kroos war die Partie entschieden.

"Ich habe das Gefühl, wir brennen nicht", motzte naturgemäß Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer nach dem Spiel. Er beschrieb die Leistung seiner Mannschaft, er hätte aber auch die Fans meinen können, die im Stadion, und wahrscheinlich auch die vor dem Fernseher. Wen sollte dieses Spiel auch wirklich mitreißen, wenn ein Sieg des Außenseiters ungefähr so wahrscheinlich ist wie Stefan Kießlings Nominierung für die Weltmeisterschaft in Brasilien? Dabei gäbe es einen einfachen Weg, Pokalabende wie den in München spannender zu gestalten: Er hätte gar nicht in München stattfinden dürfen. Sondern in Kaiserslautern.

DFB sperrt sich

Zugegeben, es ist keine ganz neue Forderung, und auch keine originelle: Im Pokal sollte das unterklassige Team immer Heimrecht haben. Das Thema kommt immer wieder auf, es gibt viele Fürsprecher und kaum vernünftige Argumente dagegen. Aber der DFB verhält sich in etwa so wie der Vatikan in Sachen Verhütung: Augen und Ohren zu - und durch. "Ich glaube, dass der Wettbewerb jetzt einfach, verständlich und spannend ist. Wir tun alle gut daran, nichts an dem Format zu ändern", sagte Generalsekretär Helmut Sandrock jüngst bei "Sky".

Einfach ist der Wettbewerb tatsächlich, keine Widerrede. Aber was ist daran verständlich, wenn ein Zweitligist wie Kaiserslautern nacheinander nach Leverkusen und nach München reisen muss? Zwar konnte sich der angeschlagene Traditionsverein mal wieder einem Millionenpublikum präsentieren - aber eben nicht am Betzenberg, der schon so viele denkwürdige Fußball-Abende erlebt hat. Flutlicht, ein ausverkauftes Fritz-Walter-Stadion, elektrisierte Fans: Das klingt nach den Zutaten für eine Pokalsensation. Und bietet auch dem Fernsehzuschauer definitiv interessantere Ansichten als die Allianz-Arena. Die haben sie in dieser Saison schon oft genug gesehen.  

Was allen Ernstes auch noch spannend daran sein soll, wenn Lautern in München antritt, weiß der DFB wahrscheinlich selbst nicht. Zugegeben, auch am Betzenberg wären die Chancen des FCK bescheiden gewesen. Eine Studie der TU Dortmund aus dem Jahr 2010 hatte sogar ergeben, dass der Heimvorteil ein Mythos ist. Aber er wirkt immer noch wie ein Placebo: Der Glaube an eine Sensation wäre größer gewesen. Selbst wenn der FCK hoch verloren hätte, wenigstens hätte man den großen FC Bayern zu Gast gehabt. Die Fans hätte es gefreut, gerade in einer vermurksten Saison, in der der Aufstieg in die Erste Bundesliga wohl wieder nur ein Traum bleibt.

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Eines davon lautet: Solange es kein prinzipielles Heimrecht für unterklassige Teams gibt, müssen die Fans unnötig langweilige Spiele ertragen.

Quelle: ntv.de