Von Taschkent nach NeustrelitzThomas Brdarics neues Abenteuer

Der frühere Hannoveraner Bundesliga-Profi Thomas Brdaric landet auf seiner Welttournee im beschaulichen Neustrelitz an der Müritz. Größer könnte der Kontrast zu seinem bisherigen Leben kaum sein.
Viel gesehen hat Thomas Brdaric von seinem neuen Zuhause noch nicht. "Ich bin einmal durch die Stadt gefahren. Da war kaum jemand auf der Straße", sagte der neue Trainer des Fußball-Regionalligisten TSG Neustrelitz. An der Mecklenburgischen Seenplatte hat der 38-Jährige seine Zelte aufgeschlagen, nachdem er zuvor zwischen Kiew, Minsk und Taschkent gependelt war.
Aus Zentralasien in das Idyll an der Müritz - viel größer hätte der Kontrast kaum sein können. Vom Ende seiner Welttournee will Brdaric aber nicht reden. "Ich glaube, dass hier die große Reise weitergeht. Alle wollen immer nur in den Süden oder in den Westen Deutschlands. Ich habe im Osten etwas Interessantes gefunden", sagte er.
Mit den besten Kickern der 21.000-Seelen-Gemeinde steht der frühere Bundesliga-Stürmer gleich zum Auftakt der neuen Saison im Rampenlicht. In der ersten Runde des DFB-Pokals empfangen die Mecklenburger den Bundesligisten SC Freiburg. "Ich werde jetzt jede Menge DVDs von Freiburg studieren", kündigte Brdaric an. Im Anschluss wird der achtmalige Nationalspieler schnell wieder von der Realität eingeholt, wenn die Gegner in der Regionalliga Optik Rathenow oder ZFC Meuselwitz heißen.
In asiatischer Champions League bis ins Halbfinale gekommen
Optimismus für die neue Aufgabe zieht der gebürtige Schwabe vor allem aus seinen zwei Jahren in den ehemaligen Sowjetrepubliken. "Ich habe mir da einen Namen gemacht. In Osteuropa und Asien entwickelt sich viel in Sachen Fußball. Deshalb wollte ich unbedingt dorthin. Außerdem fällt mir das Lernen von Sprachen leicht", sagt Brdaric, der neben Deutsch auch Englisch, Serbisch und Russisch spricht.
Vor allem auf seiner letzten Station in Taschkent als Sportdirektor des Topteams Bunyodkor PFK sammelte er wertvolle Erfahrung. "Wir haben in der asiatischen Champions League das Halbfinale erreicht. Da ging es gegen Teams aus China und Australien", erklärte der Weltenbummler. Generell sei der Fußball in Usbekistan auf dem Vormarsch. "Das hat man in der WM-Qualifikation gesehen", so Brdaric. Die Usbeken verpassten in ihrer Gruppe nur knapp die direkte Qualifikation, können aber in den Play-offs das Ticket noch lösen.
Abenteuerlich war die Zeit in Usbekistan allemal, auch wenn der Familienvater nicht viele Schauergeschichten zu erzählen hat. "Das ist ja kein Kriegsgebiet, wo einem die Bomben hinterher fliegen. Man kann schon ein geregeltes Leben führen", sagt Brdaric, der zuvor bei Dynamo Minsk (Weißrussland) gearbeitet hatte. Zwischendurch jettete er immer wieder nach Kiew, um seinen Trainerschein abzulegen.
Im weniger exotischen Neustrelitz wohnt der neue Hoffnungsträger der Region im schmucken Parkhotel, solange er noch keine Wohnung gefunden hat. Seine Frau und die beiden Jungs blieben zurück am Niederrhein. Dort führt die Familie ein Restaurant. "Natürlich werde ich dort auch weiterhin aushelfen, sofern es mein Terminplan zulässt", sagt Brdaric. Doch zunächst gilt seine gesamte Kraft dem neuen Abenteuer in Meck-Pomm.