Knapp eine Milliarde SchuldenTiefrote Zahlen bei ManU
Dem englischen Meister Manchester United steht das Wasser bis zum Hals. Trotz eines Vorsteuergewinns von 53,6 Millionen Euro in der vergangenen Saison steigt der Schuldenstand auf mehr als 800 Millionen Euro. In seiner Not wirbt der Verein um neue Investoren - finden die sich nicht, droht sogar der Verkauf des Stadions.
Manchester United geht finanziell am Stock. Trotz des Rekordverkaufs von Cristiano Ronaldo an Real Madrid für 94 Millionen Euro stiegen die Schulden des englischen Meisters in der abgelaufenen Spielzeit um 17 Millionen auf 716,5 Millionen Pfund (822 Millionen Euro). Das geht aus der Bilanz für das Finanzjahr bis Juni 2009 hervor, die das Eigner-Unternehmen "Red Football Joint Venture" vorlegte. Aus dem einstigen Vorreiter in Sachen Börsengang, Merchandising und Auslandsvermarktung ist angesichts der horrenden Verbindlichkeiten ein Sanierungsfall geworden.
Unlängst hat ManU deshalb eine Kapitalerhöhung angekündigt, um bestehende Schulden zu bedienen. Wie es in einem Statement des Vereins hieß, werde man bis zum Jahr 2017 Aktien ausgeben, die umgerechnet einen Wert von 550 Millionen Euro haben. Zudem zirkuliert in der Londoner Finanzmeile derzeit eine 322 Seiten umfassende Broschüre für potenzielle Anleger. Ziel von ManU-Geschäftsführer David Gill ist es, mit Hilfe einer Anleihe im Wert von umgerechnet etwa 550 Millionen Euro die Schulden umzuschichten, damit der Klub wieder Luft zum Atmen hat. Das Problem dabei: Der Verein bietet zwar knapp neun Prozent Zinsen auf das Papier. Doch für die Anleger ist das Risiko sehr groß, da ManU in den vergangenen Jahren fast das Maximum an Einnahmen aus der Champions League, den Fernsehgeldern, Sponsorendeals und Eintrittskarten erzielt hat.
Umschuldung unumgänglich
Eine Umverteilung der Schulden ist aber zwingend notwendig. Im vergangenen Jahr mussten die "Red Devils" allein 46 Millionen Euro an Schuldentilgung zahlen, also die Hälfte der Summe aus dem Ronaldo-Transfer. Nur der Verkauf des portugiesischen Superstars im Sommer verhinderte in der vergangenen Saison einen Rekordverlust von mehr als 30 Millionen Euro - trotz einer Umsatzsteigerung auf 312 Millionen Euro.
"Bei jedem Heimspiel werden die Scheine durch die Drehtüren hineingespült. Trotzdem haben es die Glazers geschafft, den Klub in eine Lage zu bringen, in der nur der Verkauf des besten Spielers dafür sorgte, dass die Zahl unter dem Strich nicht roter ist als die Farbe der eigenen Trikots", schrieb die Zeitung "Daily Telegraph".
Selbstbedienungsladen für die Glazers
Wo also wird das viele Geld verbrannt? Die Spur führt zurück zur Übernahme des Klubs im Mai 2005 durch die Glazer-Familie, die sie sich nur mit Hilfe von teuren Krediten leisten konnte. Zudem haben sie sich seitdem selbst etliche Millionen Euro an Löhnen und Darlehen gezahlt. Die Fans hatten schon damals befürchtet, die Glazers würden sich nur selbst bereichern wollen, und waren gegen die Übernahme Sturm gelaufen.
"Je länger die Glazers den Verein führen, desto mehr Schaden fügen sie ihm zu", sagt Duncan Drasdo. Der Vorsitzende des Fanverbandes Supporters Trust sieht Unheil auf seinen Klub zukommen: "Es ist eine Bombe mit tickendem Zeitzünder."
Sollten sich für den Deal mit der Anleihe nicht genügend Interessenten finden, wird ManU einen eisernen Sparkurs fahren müssen. Dann scheint der Verkauf so genannter "Assets", also von Vermögenswerten wie Starspielern, dem Trainingsgelände oder gar dem Stadion Old Trafford, unumgänglich. Die jahrelange Dominanz der "Red Devils" in der Premier League und der Champions League dürfte sich dann erst einmal erledigt haben.