"Hatten ausreichend Zeit"US-Einreiseverbot für Fußballer ist Kontinentalverband egal

Atalanta Bergamo fängt sich sechs Treffer von den Bayern in der Champions League, beim nordamerikanischen Wettbewerbs-Pendant gibt es ganz andere Probleme. Ein jamaikanischer Teilnehmer darf die Hälfte seiner Spieler nicht mit in die USA nehmen. Dort geht es gegen einen alten Bekannten aus der Bundesliga.
Der jamaikanische Fußball-Vizemeister Mount Pleasant muss nach dem US-Einreiseverbot für einige seiner Spieler mit einem Rumpfkader zum Achtelfinale im CONCACAF Champions Cup antreten. Der Kontinentalverband bewertet die Anreiseprobleme vor dem Auswärtsspiel am Donnerstag bei Los Angeles Galaxy, dem Verein von BVB-Legende Marco Reus, als Versäumnis des jamaikanischen Teilnehmers. "In Anbetracht der Wettbewerbsbestimmungen und der Tatsache, dass der Verein nach der offiziellen Auslosung des Wettbewerbs im Dezember 2025 ausreichend Zeit hatte, um das Visumsantragsverfahren abzuschließen, wird die Spielrunde wie geplant fortgesetzt", hieß in einem CONCACAF-Statement.
Zehn Spieler haben kein Visum erhalten - Medienberichten zufolge haben sie nicht mehr rechtzeitig Termine für die nötigen Visa-Interviews erhalten. Sieben weitere Kadermitglieder sind haitianische Staatsbürger und unterliegen damit einem generellen Einreiseverbot in die USA. Der Wettbewerb ist vergleichbar mit der hier bekannten UEFA Champions League.
Der Vorfall erneuert die Bedenken im Vorfeld der in drei Monaten beginnenden Weltmeisterschaft. Dort seien WM-Teilnehmer zwar von Einreisebestimmungen ausgeschlossen, Fans allerdings nicht. Neben Haiti sind im Sommer mit dem Iran, der Elfenbeinküste und dem Senegal drei weitere Nationen dabei, deren Bürger einem generellen US-Einreiseverbot unterliegen.
Trainer richtet Blick nach vorne
Mount Pleasants Sportdirektor Paul Christie kritisierte das Vorgehen scharf. "Wir wollen beim Spiel nicht einfach nur dabei sein, wir wollen um den Sieg kämpfen. Aber wir bekommen nicht die Möglichkeit, unsere beste Elf aufzubieten", sagte er der Zeitung "Jamaica Observer".
Trainer Theodore Whitmore muss nun eine improvisierte Mannschaft aufstellen. Mit dabei sind auch einige Spieler aus Jamaikas U20-Nationalmannschaft. "Als Coach möchte man natürlich, dass einem die gesamte Mannschaft zur Verfügung steht", sagte Whitmore auf einer Pressekonferenz: "Nichtsdestotrotz haben wir Spieler, die darauf brennen, auf den Platz zu gehen. Wir schauen nach vorne."
Die CONCACAF ist die Fußball-Konföderation für den nord- und zentralamerikanischen sowie karibischen Raum - und damit das Pendant zur europäischen UEFA. Neben dem Champions Cup organisiert der Verband auch den Gold Cup, das Gegenstück zur UEFA-Europameisterschaft. Seit 2016 ist der Kanadier Victor Montagliani Präsident des Verbandes, der seinen Sitz in Miami im US-Bundesstaat Florida hat.