Fußball

Designierter DFB-Chef Keller Von Hoeneß abgesegnet, von Löw gefeiert

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Joachim Löw und Fritz Keller verstehen sich augenscheinlich blendend.

(Foto: imago images / Sportfoto Rudel)

Vom Patenkind des großen Fritz Walter zum DFB-Präsidenten - die Laufbahn von Fritz Keller schien fast vorgezeichnet, begann allerdings nicht ganz korrekt. Die Führung der deutschen Nationalmannschaft freut sich auf den neuen Mann. Aus einem sehr gutem Grund.

Joachim Löw und Uli Hoeneß gleichermaßen zu überzeugen, gelingt derzeit nur wenigen. Fritz Keller hat das schon geschafft. Wenn der Präsident des SC Freiburg in Frankfurt heute zum neuen DFB-Boss gekürt wird, ist ihm nicht nur die Zuneigung des Bundestrainers und des Bayern-Chefs, sondern die aus den meisten Teilen des Fußball-Landes gewiss. Die Sehnsucht nach einer starken und doch moderaten Persönlichkeit ist beim Deutschen Fußball-Bund nach dem Scheitern von Reinhard Grindel als viertem Präsidenten seit der Jahrtausendwende riesig. Der 62 Jahre alte Keller scheint die Kriterien perfekt zu erfüllen.

Keller wird sich aber umstellen müssen. Die jüngsten Bilder des mit dem Fahrrad zum Fußball fahrenden Klub-Chefs, der lässig seinen roten Lolli auf der engen Freiburger VIP-Tribüne lutscht, übermittelten Eindrücke aus der heimeligen Provinz. Beim DFB wird Keller als Krisenmanager und Reformer gefragt sein. Geschick als Unternehmensführer hat der preisgekrönte Spitzenwinzer und Top-Gastronom in seinem Metier viele Jahre bewiesen. An der Liebe zum Fußball wird es Keller bei der für ihn selbst unerwarteten Karrierewendung kurz vor dem Rentenalter nicht mangeln. "Weil Fußball eine Herzenssache ist, wenn man auf den Platz geht, eine Schorle trinkt und eine Wurst isst, mit den Menschen spricht", beschrieb er sein Selbstverständnis.

Den Weg zum Fußball hatte er sich mit einer kleinen Schummelei geebnet. "Ich kam erst dazu, als ich die Unterschrift meines Vaters nachmachen konnte", erzählte Keller einmal. Der alte Franz Keller hatte ihm den Eintritt in einen Verein verboten. Dabei hatte der Vater "einen Fußballknall", wie Keller sagte - und tatsächlich beste Beziehungen zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft - unter anderem zu Sepp Herberger und Fritz Walter, der Patenonkel von Friedrich Walter (kurz Fritz) Keller wurde. Franz Keller war beim ersten deutschen WM-Sieg 1954 als Fan im Wankdorfstadion. Als die "Helden von Bern" aus der Schweiz zurückkehrten, feierten sie ihren Triumph auf seinem Weingut vor den Toren Freiburgs. Selbst Fußball im Verein zu spielen, war für den jungen Fritz aber auch nicht drin. Im Gastronomiebetrieb der Eltern stand er auch an Wochenenden am Buffet.

Eine "kurze Lunte" habe Keller

Der langjährige Freiburg-Präsident Achim Stocker holte Keller in den 90er Jahren als Marketingfachmann zum SC. Nach Stockers Tod wurde Keller 2010 dessen Nachfolger und lebte die Freiburger Erfolgstradition in der beschaulichen südwestdeutschen Fußball-Nische fort. Christian Streich wurde unter seiner Führung Chefcoach. 2014 gab Keller die operativen Aufgaben mehr oder weniger freiwillig ab, wirkte nur noch repräsentativ. Das soll ihn oft gewurmt haben. Eine "kurze Lunte" habe Keller, hört man aus Freiburg, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Zu emotionales Handeln wurde ihm in Breisgau verziehen. In der als Schlangengrube verschrieenen DFB-Welt wird er Vertraute brauchen, die ihm auch mal zur Beruhigung auf die Schulter fassen. "Ich werde mich bemühen, etwas staatsmännischer aufzutreten", versprach Keller.

Zwei Themen liegen ihm am Herzen. Starke Vereinsstrukturen sind für Keller wichtig. "Für mich sind die Vereine die Grundlage. Sie waren die ersten Orte der Demokratie. Sie geben den Menschen mehr mit, als wenn man ins Fitnessstudio kommt", sagte er. Und den Frauen-Fußball will er, wie in Freiburg demonstriert, fördern. Ein konservatives Weltbild klingt da durch: "Die Mädchen und Frauen, die heute kicken, das sind die Mütter der Kinder, die wir morgen auch wieder auf unseren Fußballplätzen haben möchten."

"Keine One-Man-Show"

Nach "schlaflosen Nächten" hatte er der Findungskommission für den DFB-Chefposten zugesagt. Das erfreute praktisch die ganze deutsche Fußball-Prominenz. Auch der Branchenprimus aus München gab sein Einverständnis. "Dass die Wahl auf Fritz Keller gefallen ist, halte ich für eine sehr gute Entscheidung", sagte Bayern-Präsident Hoeneß. In Frankfurt wird Keller zwar der erste Verbandsboss ohne Richtlinienkompetenz, so sieht es die Strukturreform des DFB vor, aber sein Gestaltungsspielraum in einem Verband in enormer Schieflage ist immer noch groß. Dennoch macht Keller klar: "Es wird mit mir keine One-Man-Show geben."

"Das ist eine sehr, sehr gute Entscheidung", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der wie Keller aus Freiburg stammt, über dessen Nominierung. Er kenne Keller "über viele Jahre, aber nicht so intensiv, wie viele denken. Er ist sehr bodenständig, sehr authentisch, sehr ehrlich. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe". Vor allem schätzt Löw am scheidenden Präsidenten des Bundesligisten SC Freiburg dessen "sehr gutes Gefühl für Menschen. Das wird er auch in den DFB übertragen können, dass die Stimmung sehr gut sein wird". Anders als unter dem im April zurückgetretenen Ex-Boss Reinhard Grindel.

Löw muss auch nicht so viel Einmischung in die Belange der Nationalmannschaft befürchten, wie unter manchem Vorgänger. "Ein Präsident ist nicht dafür da, dass er die Aufstellung macht", sagte Keller. Das Verhältnis der beiden Freiburger ist ohnehin entspannt. "Der DFB war schon die letzten Monate in einem unruhigen Fahrwasser, und wer den Fritz Keller kennt, der weiß, dass er für gewisse Werte steht: Offenheit, Geradlinigkeit, Ehrlichkeit. Er ist wahnsinnig erfolgreich und was ich finde, dass er einfach eine große Menschlichkeit hat, und das ist seine große Stärke", sagte Löw.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid