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Gericht kassiert Punktabzug Waldhof Mannheim zwingt DFB in die Knie

"Was damals passiert ist, war Terror im Stadion", hatte DFB-Vizepräsident Rainer Koch bei der Verhandlung gesagt. "Das war das Ende des Fußballs."

(Foto: imago/Eibner)

Der Deutsche Fußball-Bund kassiert vor Gericht eine herbe Klatsche: Der Viertligist Waldhof Mannheim hatte gegen einen Punktabzug geklagt und bekommt vor einem Frankfurter Zivilgericht Recht. Das Urteil stellt die Funktionäre vor große Probleme.

Der Deutsche Fußball-Bund hat an diesem Mittwoch andere Anliegen und entsandte deshalb keinen Funktionär an das Landgericht in Frankfurt. Nur ein Sprecher des Verbandes war anwesend, als die 6. Zivilkammer des Landgerichtes das Urteil in der Zivilklage des SV Waldhof Mannheim gegen den DFB sprach. "Die sind alle in Wolfsburg, da ist ja heute Abend Länderspiel", sagte der DFB-Sprecher, es klang beinahe wie eine Entschuldigung.

Es ist davon auszugehen, dass der Verbandsspitze die Leckereien im VIP-Bereich der Arena in Wolfsburg nicht so gut schmecken wie sonst, denn der mitgliederstärkste Fachverband weltweit kassierte eine schmerzhafte juristische Niederlage gegen den Viertligisten. Dem Traditionsverein aus der Regionalliga Südwest wurden drei Punkte wieder zuerkannt, die der DFB ihm wegen Fanausschreitungen in zwei Instanzen der DFB-Sportgerichtsbarkeit zunächst abgezogen hatte.

Rauchbomben und Raketen: Spielabbruch in der Relegation

Im Mai 2018 musste das Aufstiegsspiel der Mannheimer gegen den KFC Uerdingen in der 82. Minute zunächst unter- und später abgebrochen werden, weil etwa 25 Personen aus dem Fanbereich der Waldhöfer immer wieder Rauchbomben und Raketen auf den Rasen geschossen hatten. Die Verbandsgerichtsbarkeit hatte gegen den Klub aus der Regionalliga Südwest neben einer Geldstrafe und Auflagen einen Drei-Punkte-Abzug verhängt, weil der SVW "schuldhaft" an einem Spielabbruch wegen Fanrandale beteiligt gewesen sei. Gegen den Punktabzug gingen die Waldhöfer nach dem Ende der Sportgerichtsbarkeit weiterhin vor und riefen das Landgericht in Frankfurt an – und erhielten Recht.

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Durch das Urteil kommt Mannheim dem Drittliga-Aufstieg noch näher.

(Foto: www.imago-images.de)

"Der Punktabzug verfälscht den sportlichen Wettbewerb. Diesen in fairer Weise zu fördern, ist oberster Satzungszweck des DFB", begründete der Vorsitzende Richter Richard Kästner das Urteil der Kammer. Gleichzeitig machte er klar, dass die Ausschreitungen im Stadion in keiner Weise durch den Urteilsspruch gebilligt würden. Dennoch gelte der Fair-Play-Gedanke und nach dem dürften nicht die Spieler des SVW für Taten bestraft werden, die andere begangen haben. Der Verband habe, so Kästner, seine eigene Satzung nicht richtig angewandt. Punktabzüge seien zwar grundsätzlich denkbar, aber nur, „wenn er dazu dient, einen unberechtigt oder in sonstiger Weise unfair erlangten Vorteil wieder rückgängig zu machen“. Beispielsweise bei Lizenzverstößen ist ein Abzug von Punkten denkbar, bei Fanverfehlungen aber nicht.

Der DFB kündigte an, gegen das Urteil in Berufung gehen zu wollen. "Der Richterspruch deckt sich nicht mit unserer Rechtsauffassung", sagte DFB-Vize-Präsident Rainer Koch in einer ersten Stellungnahme, die der DFB-Sprecher verlas. Koch hatte sich nach der Anhörung vor dem Landgericht vor vier Wochen noch überzeugt gezeigt, aus dem Streitfall als Sieger hervorzugehen. Jetzt stehen er und der Verband als Verlierer da.

Großes Problem für den DFB

Und das stellt den DFB vor ein immenses Problem, denn in der Auseinandersetzung mit der Fanszene in Deutschland sollte die harte Bestrafung gegen den SV Waldhof, einen Viertligisten mit schlechtem Leumund, als Abschreckung dienen. Achim Späth hatte das noch mal in aller Deutlichkeit festgestellt. "Wir befinden uns auf neuen Wegen, aber das wollen wir so und gehen diesen Weg jetzt", sagte der Richter des DFB-Bundesgerichtes im September des vergangenen Jahres, als er den Drei-Punkte-Abzug gegen die Mannheimer in zweiter Instanz der Sportgerichtsbarkeit bestätigte. Die Botschaft des weltgrößten Fußball-Verbandes war klar: Nicht nur der SVW sollte für Fanvergehen bestraft, sondern gleichzeitig ein Präzedenzfall geschaffen werden.

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Heute der Gewinner, im Mai 2018 der Verlierer: Waldhof Mannheim verpasste letztes Jahr noch den Aufstieg.

(Foto: imago/masterpress)

Diese Drohkulisse fällt durch das Urteil der Richter in Frankfurt jetzt in sich zusammen. Der DFB, der sich seit vielen Jahren im Streit mit den Anhängern befindet, muss sich nun eine neue Strategie im Konflikt mit den organisierten Fans überlegen. Wie die aussehen kann, ist angesichts der verhärteten Fronten im Streit völlig offen. Im August des vergangenen Jahres kündigte die Fanszene den Dialog mit dem DFB und der Deutschen Fußballliga (DFL) auf. Nicht nur beim Einsatz von Pyrotechnik gab es einen Diskurs, auch die Montagspiele in den Profiligen, die Zerstückelung der Spieltage allgemein und die Aufstiegsregelung in den Regionalligen sorgten für Ärger. Das Mittel des Punktabzuges bei Zuschauer-Verfehlungen sollte ein wirksames Mittel im offen ausgetragenen Streit gegenüber den organisierten Fans sein.

Für den SV Waldhof bedeutete der Richterspruch in Frankfurt einen kleinen Sieg, die Mannheimer führen die Tabelle der Regionalliga Südwest souverän an und werden in ein paar Wochen den Aufstieg feiern, für den DFB bedeutete das Urteil hingegen eine „krachende Niederlage“, wie es Waldhof-Anwalt Johannes Zindel umschrieb. Und eine, die nicht nötig gewesen wäre. "Der DFB hat eigentlich hervorragende Juristen", erklärte der Sportrechtler: "Aber die Borniertheit und die Rechthaberei hat dafür gesorgt, dass die eigene Satzung falsch angewendet wurde." Zindel kann die Vorgehensweise des Verbandes nicht verstehen: "Das ist ein Armutszeugnis für den DFB."

Quelle: n-tv.de

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