Fußball

Nur Ribéry macht der Konkurrenz Mut Wer kann diese Bayern stoppen?

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Geht da noch was? Wer die Bayern, hier Thomas Müller und Franck Ribéry, so spielen sieht, mag das kaum glauben.

(Foto: dpa)

Wer sieht, wie der FC Bayern durch die Fußball-Bundesliga stürmt, der fragt sich schon, wer diese Münchner noch stoppen kann. Zu dominant sind die Auftritte des Rekordmeisters, zu prominent besetzt ist die Bank. Nur Franck Ribéry erinnert daran, dass die Bayern in der Lage sind, einen Vorsprung zu verspielen.

Wer kann diese Bayern noch stoppen? Nach acht Spieltagen in der Fußball-Bundesliga scheint das nicht mehr als eine rhetorische Frage zu sein. Die Dominanz des Rekordmeisters aus München ist zu erdrückend. Die Bayern haben ihre Partien allesamt gewonnen, so viele wie nie zuvor eine Mannschaft zum Start in eine Saison. Folglich führen sie mit 24 Punkten die Tabelle an - das sind doppelt so viele, wie sie der Deutsche Meister aus Dortmund als Tabellenvierter auf dem Konto hat. In diesen acht Spielen haben die Münchner 26 Tore geschossen, im Schnitt also drei pro Begegnung. Und ganze zwei Gegentreffer kassiert. Was soll da noch passieren?

Sogar Trainer Jupp Heynckes, sonst eher zurückhaltend, gerät ins Schwärmen. War doch der Erfolg in Düsseldorf am vergangenen Samstag, zählt man die letzten drei Partien der vergangenen Saison mit, der elfte in Folge. Die Bestmarke von 15 Siegen hintereinander halten übrigens auch die Bayern, im Jahr 2005 gelang ihnen das. Nach dem 5:0 bei der Fortuna jedenfalls sagte Heynckes: "Wir wollten dieses Spiel gewinnen und haben das in einer Art und Weise getan, die überragend war. Das war heute Fußball vom Allerfeinsten." Die Erkenntnis ist so schlicht wie wahr: Diese Bayern in dieser Form können sich nur selbst ein Bein stellen. Oder wie es Nationalspieler Thomas Müller formulierte: "Wenn wir so weiterspielen, wird es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen." Düsseldorfs Trainer Norbert Meier sagte gar: "Winter, Sommer und Frühling müssen zusammenfallen, damit wir gegen diese Bayern was holen." Nun spielt die Fortuna allerdings auch nicht oben mit.

"Deutscher Meister wird nur die SGE"

Aber auch die Konkurrenz weiter oben strotzt nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Oder leugnet jegliche Titelambitionen. So ist die Eintracht aus Frankfurt zwar nach dem 3:1-Sieg gegen Hannover 96 und fünf Punkten Rückstand auf Rang zwei der Tabelle nominell ärgster Jäger der Münchner. Doch vom großen Coup wollen sie beim Aufsteiger mit feinem Sinn für die Realität nichts wissen. Die Fans singen zwar: "Deutscher Meister wird nur die SGE". Aber die dürfen das. Trainer Armin Veh hingegen betont: "Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt. Und es ist erfreulich, dass wir diesem Ziel wieder einen Schritt nähergekommen sind."

Und sonst? Schlägt die Übermacht der Bayern den Verfolgern aufs Gemüt. Der FC Schalke 04 ist nach dem 2:1-Derbysieg in Dortmund Tabellendritter, aber angesichts der sieben Punkte Rückstand auf die Münchner sagt Kapitän Benedikt Höwedes: "Mit Sicherheit wird Bayern das Rennen machen. Wir müssen versuchen, uns direkt dahinter einzureihen." Und es spricht viel dafür, dass er das auch so meint. Hinter den Bayern - das würde immer noch Champions League bedeuten. Mehr scheint in dieser Spielzeit tatsächlich nicht drin zu sein. Dementsprechend leise klingen auch die Töne beim BVB. Kapitän Sebastian Kehl lehnt es ab, überhaupt auf die Bayern zu schauen. Dortmunds Torjäger Robert Lewandowski gut zu bedenken: "Letztes Jahr hatten wir auch einen großen Rückstand - aber da hat Bayern nicht jedes Spiel gewonnen." Und Rudi Völler, Bayer Leverkusens Sportchef, klingt leicht resigniert, wenn er sagt: "Die zweite Garnitur der Bayern wäre besser als zehn Teams der Liga." Am nächsten Sonntag müssen die Leverkusener, ihres Zeichens punktgleich mit dem BVB auf Rang fünf, dann nach München. Kampfansage klingt anders.

Bayerns Franck Ribéry hingegen sagte nach dem Kantersieg am Rhein: "Wir sind stark. Die Stimmung ist sehr gut. Wir sind fit. Wir haben viele Spieler auf der Bank. Das ist gut. Wahnsinn." Anders ausgedrückt: Auch wenn es noch ein langer Weg bis zur Meisterschaft ist, sprechen zwei Gründe dafür, dass der kommende Deutsche Meister FC Bayern München heißt: Die Bayern sind stark, stärker als in den vergangenen Jahren, weil der Kader mehr Substanz hat. Und die Konkurrenz ist zu schlecht. Zurzeit.

Ist Widerstand also zwecklos?

Bleibt also nur die Kapitulation? Ist Widerstand zwecklos? Nein. Noch sind in dieser Saison 26 Partien zu spielen. Und auch die Bayern werden wieder ein Spiel verlieren. Bisher wurden die Münchner, abgesehen vom Sieg auf Schalke am vierten Spieltag, kaum einmal ernsthaft geprüft. Zumal im Fußball, wie wir spätestens seit dem 4:4 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden wissen, sehr viel möglich ist. Auch zu Beginn der vergangenen Spielzeit zeigten sich die Münchner erstaunlich früh in Form, spielten in drei Wettbewerben zehnmal nacheinander zu null, blieben 1147 Minuten ohne Gegentor. Und wurden am Ende in der Meisterschaft, im DFB-Pokal und in der Champions League doch nur dreimal Zweiter. Wie sagte Ribéry der "Süddeutschen Zeitung"? "Letztes Jahr, als wir fünf Punkte vorne waren, haben wir Scheiße gemacht und so."

Dass nicht alles klappt, hat sich zuletzt in der Königsklasse beim 1:3 im Gruppenspiel bei Bate Borissow gezeigt. Im Gegensatz zu den Gegnern in der Bundesliga hatten sich die Weißrussen nicht von vorneherein aufgegeben. Vielleicht ist es ja gar nicht so schwer, die Münchner zu schlagen. Allerdings nur, wenn man es auch ernsthaft versucht. Dann kann durchaus noch etwas passieren. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht.

Quelle: ntv.de, mit dpa