Collinas Erben

"Collinas Erben" grummeln Zentner fällt eine Last vom Herzen

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Diskussionsbedarf.

(Foto: imago images/Nordphoto)

In Bremen erkennt der Schiedsrichter den Ausgleichstreffer der Gastgeber erst an und schließlich wieder ab, als er sich auf Anraten des VAR die Bilder ansieht. Dabei ist seine ursprüngliche Entscheidung eigentlich korrekt. In Dortmund dagegen wäre ein Eingriff des Video-Assistenten ratsam, doch es gibt ihn nicht.

Groß waren Enttäuschung und Verärgerung bei Werder Bremen im und nach dem Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05 (0:1). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte Joshua Sargent zum vermeintlichen 1:1 getroffen, und Schiedsrichter Marco Fritz hatte das Tor zunächst auch anerkannt. Doch dann griff der Video-Assistent ein, weil sich Kevin Möhwald kurz vor der Torerzielung regelwidrig gegen den Mainzer Torwart Robin Zentner eingesetzt haben soll. Es kam zum Review am Spielfeldrand, danach entschied der Unparteiische: Das Tor zählt nicht.

Zentner hatte die Kugel nach einem Kopfball erst gefangen und dann fallen gelassen, beim hektisch wirkenden Nachfassen hatte er mal beide Hände am Ball, mal eine Hand und mal gar keine. Möhwald setzte nach und erreichte den Ball mit dem Fuß, wobei sich die Frage stellte: Kontrollierte Zentner das Spielgerät in diesem Moment, oder nicht? Eine solche Kontrolle ist laut Regelwerk bereits dann gegeben, wenn der Torhüter den Ball "mit einem Teil der Hand oder des Arms berührt". Er darf dann nicht angegriffen werden, wobei schon das Spielen des Balles in diesem Moment einen solchen Angriff darstellt.

Eine richtige Entscheidung unnötig verändert

Da Referee Fritz den Treffer schließlich annullierte und auf indirekten Freistoß für Mainz entschied, ist klar: Er hatte eine Ballkontrolle durch Zentner wahrgenommen. Allerdings zeigten die stark verlangsamten Fernsehbilder inklusive einer Ausschnittvergrößerung später, dass der Keeper im entscheidenden Augenblick, also bei Möhwalds Ballkontakt, keine Hand am Ball hatte. Zentner machte später im Interview gegenüber dem Sender Sky geltend, einen Tritt gegen seine rechte Hand gespürt zu haben. Doch der betreffende Kontakt mit Möhwalds Sprunggelenk, während der Bremer exakt gleichzeitig mit dem Fuß den Ball spielte, erfüllte nicht den Tatbestand des Fouls.

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Zu früh gefreut.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Letztlich hatte Marco Fritz also ursprünglich die richtige Entscheidung getroffen, als er das Tor gab. Mit bloßem Auge war in der Realgeschwindigkeit auch gar nicht zu erkennen, ob eine Ballkontrolle durch Robin Zentner gegeben war, wobei die Fahrigkeit des Schlussmanns in dieser Situation auf das Gegenteil hindeutete. Der Schiedsrichter hatte jedenfalls weder einen klaren und offensichtlichen Fehler begangen, noch hatte er einen schwerwiegenden Vorfall übersehen. Das Review war also eigentlich nicht erforderlich - und es führte dazu, dass eine Entscheidung geändert wurde, obwohl das gar nicht nötig war.

Den Elfmeter für den BVB hätte es nicht geben dürfen

In der Partie zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Union Berlin (2:0) gab es derweil Diskussionen über den Strafstoß in der 25. Minute, der zum 1:0 für den BVB führte. Nach einem feinen Zuspiel war Marco Reus im Berliner Strafraum an den Ball gekommen und dann im Zweikampf mit dem aus seinem Tor geeilten Andreas Luthe zu Fall gekommen. Schiedsrichter Daniel Schlager hatte ohne zu zögern auf Elfmeter erkannt. Doch die Fernsehbilder ließen Zweifel an der Berechtigung dieser Entscheidung aufkommen, denn ein strafwürdiger Einsatz des Keepers war nicht auszumachen.

Luthe hatte sich zu Boden geworfen, als Reus mit dem Ball an ihm vorbeizog, und die Kugel dabei mit den Händen verfehlt. Zwar gab es im Laufe dieses Zweikampfs einen leichten Kontakt zwischen Luthes rechtem Oberschenkel und Reus' linkem Fuß, doch da war der Dortmunder schon im Begriff, zu Boden zu gehen. Ausschlaggebend für Reus' Sturz war dieser Kontakt jedenfalls nicht; eher sah es so aus, als hätte der Kapitän des BVB hier nach einem Anlass gesucht, um zu fallen. Zumal er mit dem Ball parallel zur Torraumlinie nach außen zog und der Winkel für einen Abschluss nicht ideal war.

War es ein klarer und offensichtlicher Fehler des Referees, hier auf Strafstoß zu entscheiden? Hätte der Video-Assistent also eingreifen sollen oder gar müssen? Womöglich war es der von Luthes Oberschenkel verursachte Fußkontakt, der den VAR von einer Intervention abhielt. Doch Impuls und Wirkung passen an dieser Stelle nicht zusammen, und wenn man sich den gesamten Ablauf der Szene betrachtet, wirkt der Sturz von Reus so gewollt und Luthes Verhalten so defensiv, dass eine Review-Empfehlung allemal angebracht gewesen wäre.

Warum es keinen Strafstoß für Leipzig gab

Hitzig wurde es tags zuvor in der Nachspielzeit der Begegnung 1. FC Köln - RB Leipzig (2:1). Nach einem weiten Schlag missriet dem Kölner Sebastiaan Bornauw ein Abwehrversuch; er legte den Ball unfreiwillig mit dem Kopf für den Leipziger Justin Kluivert auf. Dieser zog aus sieben Metern sofort ab und schoss neben das Tor. Unmittelbar nach dem Schuss hatte ihn der zu spät kommende Jannes Horn allerdings durch eine Grätsche zu Fall gebracht. Schiedsrichter Frank Willenborg entschied gleichwohl auf Abstoß, und plötzlich gerieten Spieler beider Teams aneinander.

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Hätten die Leipziger hier einen Strafstoß zugesprochen bekommen müssen? Rein regeltechnisch betrachtet schon, denn es lag ein Foul vor, und der Ball war - das ist die zwingende Voraussetzung - in diesem Moment noch auf dem Feld und damit im Spiel. Warum aber gab es dann keinen Elfmeterpfiff? Die Antwort ist in der Regelpraxis zu suchen, die in diesem Fall einer Art ungeschriebenem Gesetz folgt: Wenn der Torabschluss erfolgt ist und der Ball das Tor verfehlt, entsteht dem Angreifer kein Nachteil, wenn er nach dem Abschluss noch zu Fall gebracht wird. Sofern nicht gerade ein besonders harter Körpereinsatz vorliegt, pfeifen die Unparteiischen deshalb in einer solchen Situation meist nicht.

Mag diese Praxis mit der Theorie auch nicht in Einklang stehen, so erfährt sie doch weithin Akzeptanz. Selbst der Leipziger Trainer Julian Nagelsmann war, obwohl sein Team das Spiel verloren hatte, nach dem Schlusspfiff nicht der Meinung, dass es einen Strafstoß hätte geben müssen. Dabei verwies er explizit auf den Umstand, dass Kluivert ja bereits zum Torabschluss gekommen war und der Ball das Gehäuse der Kölner verfehlt hatte. Gewünscht hätte sich der Coach allerdings eine Gelbe Karte für Horn wegen dessen ungestümen Einsatzes. Das aber wäre regeltechnisch nur möglich gewesen, wenn es auch einen Elfmeter gegeben hätte.

Quelle: ntv.de

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