Redelings Nachspielzeit

Musste Wosz für Wechsel büßen?Als der Trabi der Zaubermaus lichterloh brannte

14.03.2026, 07:30 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
Bildnummer-00503353-Datum-09-01-1998-Copyright-imago-Nordiek-Dariusz-Wosz-Bochum-hoch-Freisteller-Studio-Fotostudio-Studioshooting-Studiotermin-Studioaufnahme-Ball-sitzen-sitzend-laecheln-Saison-1997-1998-VfL-Bochum-Shooting-Fotoshooting-Fototermin-Mfdia-Bochum-Fussball-1
Dariusz Wosz - Ex-Trabi-Fahrer.

Heute Abend stehen sich Hertha BSC und der VfL Bochum im Topspiel der 2. Bundesliga gegenüber. Vor fast dreißig Jahren war das für einen Mann ein ganz besonderes Spiel. Denn der Wechsel von Dariusz Wosz aus Bochum nach Berlin hatte viel böses Blut - und ein brennendes Auto hinterlassen.

VfL-Präsident Werner Altegoer war sauer. Richtig sauer. Sogar das Wort "Schmierlapp" soll damals gefallen sein. Und das alles nur, weil Dariusz Wosz, die VfL-Zaubermaus, nicht nach Valencia oder zu Paris St. Germain gegangen war, sondern innerhalb von Deutschland nach Berlin zur Hertha.

Der Wechsel des Mittelfeldstars und DFB-Nationalspielers in die Hauptstadt hatte den VfL Bochum damals mehrere Millionen gekostet, da das Angebot der Hertha deutlich unter den Offerten aus dem Ausland lag. Viele Jahre später hat Wosz einmal gemeint, dass er sich vielleicht doch etwas intensiver mit den Angeboten aus Valencia und Paris hätte auseinandersetzen sollen. Doch da war es zu spät.

Schon der Wechsel des aus Oberschlesien stammenden Mannes vom Halleschen FC Chemie zum VfL Bochum in der Winterpause der Saison 1991/92 war alles andere als glatt verlaufen. Damals hatte Bochums Manager Klaus Hilpert nach einigen Fehlschlägen - kurzfristig hatte es ernsthafte Gerüchte um die Verpflichtung von Ulf Kirsten, Hans-Uwe Pilz und Andreas Trautmann gegeben - doch noch die allgemein um sich greifende Wiedervereinigungs-Euphorie genutzt, um endlich auch einen echten ostdeutschen Spieler-Fisch an die Angel zu bekommen. Und so sollte Dariusz Wosz spätestens nach der Saison 1991/92 zum VfL Bochum wechseln. Alles war fix.

Anzeige
Ein Tor würde dem Spiel guttun: Das ultimative Buch der Fussball-Wahrheiten
15
16,90 €

"Noch kein Platz im Bochumer Altersheim"

Der ehemalige Auswahlspieler der DDR hatte sogar bereits auf Kosten seines neuen Klubs einen schönen Urlaub mit Frau Steffi und Tochter Nancy am idyllischen Tegernsee verbracht. Auch die großzügig zugesteckten 3.000 Mark Taschengeld zum Verjuxen waren dankbar angenommen worden.

Dumm nur, dass Wosz von einem unterschriebenen Vertrag anschließend nichts mehr wissen wollte. Angeblich hatte ihn der gewiefte Manager Hilpert geleimt. Als dieser ihn eine Reihe von Rechnungen unterzeichnen ließ, "müsse er den Vertrag wohl darunter gejubelt haben", meinte der begehrte Mittelfeldspieler.

Und auch sein Verein, der FC Chemie Halle, war nicht bereit, den gültigen Kontrakt mit dem Spieler aufzulösen. Hartnäckig widerstanden die Hallenser den attraktiven Verlockungen eines neuen Mannschaftsbusses und eines romantischen Trainingslagers im noch unerforschten, goldenen Westen. Wosz selbst verstieg sich abschließend sogar zu der Aussage: "Ich werde nie für Bochum spielen."

Einige Jahre später, mit 26 Jahren, unterschrieb Wosz dann einen neuen Vertrag, der über sieben Spielzeiten bis ins ferne Jahr 2003 lief. Damals meinte er: "Nach einem Platz in einem Bochumer Altersheim habe ich noch nicht geschaut, dazu hatte ich keine Zeit. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Schließlich will ich noch mit 40 für den VfL spielen und dann anschließend eine Jugendmannschaft übernehmen."

"Flasche Sekt geköpft"

Doch dann kam der Zaubermaus erst einmal der Wechsel im Jahr 1998 dazwischen. Mittlerweile hatte Wosz im Frühjahr 1997 sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft gefeiert und hinterher launig von der Rückkehr vom DFB-Team zu seinen Jungs vom VfL in einer Ausgabe der "Bravo Sport" berichtet: "Das war ganz lustig. Die Mannschaft hat am Tag nach dem Länderspiel das Training um eine Stunde verschoben, damit ich von Anfang an dabei sein konnte. Dann hat Trainer Toppmöller eine kleine Rede gehalten. Er hat meine Bochumer Teamkollegen angefeuert: 'Das, was Dariusz geschafft hat, das könnt ihr alle schaffen!' Danach haben wir noch eine Flasche Sekt geköpft …"

Damals hatte er auch noch über seine eigene Zukunft gesagt: "Lieber etwas weniger Geld verdienen, dafür mehr Spaß am Fußball haben. Aber man soll ja bekanntlich nie nie sagen …"

14.03_hertha_bochum_16zu9

"Dein Trabi brennt!"

Und im Sommer 1998 sollte dieses "nie nie sagen" dann in einem Wechsel nach Berlin münden. Ein Transfer, den VfL-Präsident Werner Altegoer nicht verhindern wollte - das Geld konnte der VfL Bochum nach einer verkorksten Saison gut gebrauchen -, aber lieber zu einem anderen Verein mit einer höheren Ablöse gesehen hätte.

Doch es kam anders - und die Wut darüber äußerte der starke Mann des VfL Bochum nicht nur intern, sondern machte seinem Unwillen auch öffentlich freie Luft. Und so kursierte das Wort "Schmierlapp" schon nach wenigen Tagen in Bochum als neuer Begriff für den verdienten VfL-Recken.

Genau diese Stimmung mögen dann einige Idioten in den falschen Hals bekommen haben. Denn kurz nach seinem Abgang nach Berlin erhielt Wosz einen Anruf von der VfL-Geschäftsstelle. Die kurze Nachricht lautete: "Darek, dein Trabi brennt!" Das DDR-Gefährt hatte Wosz einige Jahre zuvor in seiner alten Heimat für 250 Mark erworben, weil die Profis damals in Bochum vom Ruhrstadion aus noch eigenständig zu Trainingsplätzen im Stadtgebiet fahren mussten. Und weil das an regennassen Tagen häufig eine ziemlich schlammige Sache war, hatte Wosz kurzerhand für sich und einige Kollegen den Trabi gekauft und blau und weiß lackieren lassen.

Zum Autor

Happy End für Wosz

Verziert wurde das Schmuckstück noch mit den Schriftzügen "VfL Bochum", "Rallye Racing" und "Rosi Reisen" (so hieß in diesen Tagen das Busunternehmen, das der VfL in Anspruch nahm) und unter einer fetten "10" (Wosz' Trikot-Nummer) stand "Die Phantastischen Vier" - angelegt an die gerade populär gestartete Band aus Stuttgart und an die drei Mitfahrer. Und mit diesem kultigen Gefährt reisten die VfL-Profis dann einige Jahre durch Bochum und fielen natürlich in diesem kunterbunten und knatternden Auto sofort auf.

Als Wosz nun im Sommer 1998 nach Berlin wechselte, behielten die restlichen Kollegen den Trabi - doch nicht lange. Denn nur wenige Wochen nach seinem Abgang erhielt Wosz, der immer noch als Besitzer des Wagens eingetragen war, den besagten Anruf aus der VfL-Geschäftsstelle. Vermutlich hatten irgendwelche Idioten das Gefährt in direkter Nähe zum Ruhrstadion in Brand gesetzt. Ganz offensichtlich als Rache für Wosz' Wechsel nach Berlin.

Aufgeklärt wurde der Fall allerdings nie. Doch es gab noch ein versöhnliches Ende. Einige Jahre später, als die Zaubermaus nach Bochum zurückkehrte, schenkte ihm ein VfL-Fanklub einen neuen Trabi. Zu dieser Zeit hatte sich Wosz auch schon länger mit VfL-Präsident Werner Altegoer ausgesöhnt.

Quelle: ntv.de