Redelings Nachspielzeit

"Animalische Ausstrahlung" Das Leben des Lothar M. in der Seifenblase

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Lothar Matthäus mit Ehefrau Silvia 1986.

Im Moment ist der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft wieder in aller Munde. Lothar Matthäus soll Bundestrainer werden. Heute feiert er aber erst einmal seinen 60. Geburtstag. Ein Text über sein irres Leben zwischen Boulevard und Weltklassefußballer.

"Wenn in Herzogenaurach ein Ball aufgepumpt wurde, war der Lothar schon in der Nähe." Das hat einmal der Matthäus-Entdecker und ehemalige Puma-Manager Hans Nowak über den Weltmeister von 1990 gesagt - und damit schon viel über das natürliche Wesen des ballvernarrten Franken auf den Punkt gebracht.

Das Leben des Lothar Matthäus ist die Schnittmenge aus öffentlicher Person des Boulevards und dem überragenden Fußballer, der maßgeblich dafür verantwortlich war, dass Deutschland 1990 in Italien auf überzeugende Art und Weise Weltmeister wurde. Sein übergroßes Talent, sein unbändiger Ehrgeiz und sein steter Wille haben den heutigen Jubilar zu Recht dorthin gebracht, wo er nun steht. Und noch etwas anderes, das der frühere DFB-Präsident Egidius Braun wohlwollend einmal so beschrieb, hat seine einzigartige Karriere stets begleitet: "Der Lothar kann den Fußball gut rüberbringen. Ihm ist von Gott die Gabe der Rede gegeben worden."

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Uli Hoeneß wusste diese spezielle Fähigkeit des Mannes aus Erlangen allerdings nicht immer zu würdigen. Als es sportlich mal nicht so lief, meinte der Bayern-Manager mit seinen berühmten, spöttisch blinzelnden Augen: "Seine Leistungen sind nur noch im Reden erstklassig. Manchmal glaube ich, er ist der Pressesprecher des FC Bayern."

"Jungstar Matthäus warf Verlobte raus!"

Sein erster Profitrainer in Mönchengladbach, Jupp Heynckes, erinnert sich genau an die ersten Tage mit dem Jungtalent: "Ich ließ sie fünf gegen zwei spielen, im Kreis. Da kam der Lothar und haute denen auf die Socken. Die Älteren haben natürlich geschimpft. Da hat der Lothar sich hingestellt und gemeint: 'Mensch Jungs, ihr müsst doch merken, dass ich hier bin!'" Ein Haudrauf und ein Pedant war er auf und neben dem Platz: "Als ich in der Nationalmannschaft immer wichtiger wurde, habe ich mir teilweise Sorgen gemacht, ob meine Mitspieler auch die richtigen Socken zu ihren Ausgehanzügen tragen."

Sein größtes Manko: Er konnte eigentlich nie den Mund halten. Und so gelangten Dinge an die Öffentlichkeit, die sie besser nie erfahren hätte: "Ich war von frühester Jugend an ganz verschossen in sie. Ich habe sogar meine täglichen Trainingsläufe so gelegt, dass ich stets am Haus von Sylvias Eltern vorbeikam." Und eine andere private Offenbarung: "Meinen Beruf als Fußballprofi übe ich sehr gern aus, aber meine Frau liebe ich. Privat muss bei mir alles stimmen. Noch heute kann ich sicher sein: Wenn ich mich vor einem Spiel einmal mit Sylvia streite, spiele ich garantiert schlecht. Zum Glück kommt das selten vor."

Auf der anderen Seite konnte sich Matthäus auf seine erste Ehefrau ("Längst hat sie sich daran gewöhnt, dass Ehemann Lothar von weiblichen (meist minderjährigen) Fußball-Fans mit hingebungsvoller Liebe überschüttet wird", "fußball-magazin") verlassen. Sie war stets für ihn da, wie sie einmal ausführlich erzählte: "Er braucht mich nach jedem Training, vor allem aber nach einem verkorksten Spiel. Da möchte er am liebsten nichts mehr hören und nichts mehr sehen, sondern sich nur noch in irgendein Eckchen verkriechen. Aber er rappelt sich immer wieder auf - und zieht uns auch aus dem tiefsten Schlamassel wieder hoch."

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So machte sich Matthäus bereits in den Anfängen seiner Karriere beliebt beim Boulevard. Eine Falle, in die er da hinein tapste und aus der er bis heute nicht mehr ganz herausgekommen ist. Kurz vor der Hochzeit trennte sich Matthäus damals von seiner Verlobten Silvia. In der "Bild" stand: "Jungstar Matthäus warf Verlobte raus!" Und was sagte der junge Mann? Kein Kommentar? Nein, Matthäus gab genauestens Auskunft über sein Seelenleben: "Früher habe ich sehr oft gemacht, was die Silvia wollte. Aber ich bin älter geworden und habe mich entwickelt. Dann hat es eben nicht mehr geklappt." Er lernte Rosi aus Augsburg kennen. Jedoch: "Aber wenn die Silvia, mit der ich ja über 15 Monate zusammen war, ein Problem hat, dann helfe ich ihr selbstverständlich." Eine in der Tat noble Einstellung, die vielleicht auch dazu geführt hat, dass Silvia schließlich doch die erste Ehefrau an Lothar Matthäus Seite wurde.

Matthäus schäumt beim Benefizspiel

Wie "ein Lothar Matthäus" stets auf dem Platz getickt hat, schildert eine humorvolle Geschichte über ihn, die einmal ein bekannter deutscher Schauspieler erzählt hat. Vor der WM 2006 sollte in England zum zehnjährigen Jubiläum der Europameisterschaft 1996 ein Benefizspiel stattfinden. England gegen Deutschland hieß die Paarung und beide Seiten fuhren aus ihren Ländern Promis auf, dass das Herz eines jeden showbegeisterten Fußballfans schneller schlug. Unter den deutschen Stars war neben vielen anderen auch der Schauspieler Peter Lohmeyer, der diesen Tag für immer in besonderer Erinnerung behalten sollte.

Es fing damit an, dass am Morgen des Spiels der Kapitän der Mannschaft, Lothar Matthäus, die Freundschaftsbegegnung für einen guten Zweck absagen lassen wollte. Seiner Meinung nach wäre das deutsche Team viel zu schwach besetzt gewesen und hätte gegen die Engländer keine Chance gehabt. Nach einigen Stunden intensiver Beratung konnte der ehemalige Star des FC Bayern schließlich doch noch durch einige ältere Mannschaftskameraden davon überzeugt werden, dass es bei einer Benefizveranstaltung natürlich schon sehr wichtig sei zu gewinnen, aber man auch die gute Sache nicht gänzlich aus den Augen verlieren dürfe. Matthäus gab schließlich immer noch meckernd nach.

Und dann lief das Spiel wider Erwarten richtig gut an für das deutsche Team. Nach einer wunderbaren Vorarbeit von Maurizio Gaudino schoss Peter Lohmeyer nach nicht einmal sechs Minuten bereits das 1:0 und schob auch nach siebenundzwanzig Minuten das Leder zum 2:0 ins englische Tor. Doch der Schiedsrichter gab den Treffer nicht. Lohmeyer reagierte entspannt, merkte allerdings an: "Ich hoffe nicht, dass es ein zweites Wembley war. Aber ist schon okay, es ist mein Geschenk an England!"

Nach 50 Minuten hieß es trotzdem 2:0 für Deutschland, doch dann ließen die Kräfte nach und man fing sich zwei schnelle Gegentreffer. An der guten Laune der Spieler auf dem Platz konnte das allerdings nichts ändern. Nur Lothar Matthäus war außer sich. Er schnappte sich Lohmeyer und rief ihm mit hochrotem Kopf zu: "Keine Angst, Peter. Das Ding kriegen die nicht durch. Ich habe mich gerade erkundigt. Man kann bei klaren Fehlentscheidungen im Nachhinein auch bei Freundschaftsbegegnungen das Ergebnis noch anfechten. Die FIFA wird das korrigieren, das regel ich schon!" So war er eben, der stets ehrgeizige Fußballer Matthäus.

Die Liebe zur Öffentlichkeit

Mit einer Berufsgruppe kam der deutsche Ehrenspielführer schon immer gut aus: den Reportern. Und da Journalisten besonders in früheren Zeiten nach Spielen den Tag gern schon einmal bei einem Analyse-Getränk an der Hotelbar ausklingen ließen, gesellte sich Matthäus hier und da einfach dazu. Bei dem einen oder anderen Glas lieferte er dann auch gleich noch eine Entschuldigung ab, warum er denn zu so später Stunde als Profi noch am Tresen stehen dürfe. Die schönste Begründung hat einmal ein Journalist nach einer langen Nacht im Morgengrauen aufgeschrieben. Als Matthäus sich in einem Spiel eine schwere Verletzung zugezogen hatte, erklärte er morgens in der Hotelbar den Männern von der Presse: Der Arzt habe ihm gesagt, dass er mit seinem Bein "nicht so lange im Bett liegen" bleiben solle.

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und Projekten gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Wie die Karriere des Weltstars Matthäus in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren nun weitergehen wird, weiß wahrscheinlich noch nicht einmal er selbst so genau. Weiter als Kolumnist und Journalist im TV-Studio oder doch tatsächlich noch einmal als Coach an der Seitenlinie? Vielleicht sogar im höchsten Amt als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft? Man wird sehen. Matthäus selbst hat einmal über sein wechselhaftes Leben gesagt: "Ich lebe in einer Seifenblase." Und da weiß man eben nie so genau, was als Nächstes kommt.

In jedem Fall wird Matthäus aber weiter im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Und das ist auch kein Wunder. Denn wie sagte die bekannte Erotik-Expertin Erika Berger einmal so schön über den Typen Matthäus: "Er ist ein bodenständiger Mann mit einer animalisch sinnlichen Ausstrahlung." Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer den herzlichsten Glückwünschen zum 60. Geburtstag und einem dreifachen Glück auf!

Quelle: ntv.de

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