Redelings Nachspielzeit

Immer noch ohne Verein Die menschliche Tragödie des Mario Götze

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Mario Götze war mal ein paar vielbeachtete Minuten lang besser als Messi. Heute steht er ohne Klub da.

(Foto: imago/ActionPictures)

Noch immer ist der Weltmeister von 2014 ohne Verein. Eigentlich hatte Mario Götze darauf gehofft, spätestens gestern noch bei einem neuen Klub unterzukommen. Doch nichts geschah. Mittlerweile ist sein Fall nicht mehr nur eine sportliche Tragödie.

Es war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass gestern noch etwas geschehen würde - aber dennoch haben alle Fußballfreunde in Deutschland mit großem Interesse die Null-Nachrichten um Mario Götze verfolgt. Das Schicksal des WM-Final-Torschützen von 2014 bewegt die Fußballfans hierzulande seit über sechs Jahren auf eine besondere Art und Weise. Sein entscheidender Treffer gegen Argentinien im Maracanã hat ein unsichtbares Band der Emotionen um Götze und die deutschen Anhänger gelegt. Eigentlich eine schöne Sache. Doch nun schaut es immer mehr so aus, als ob diese immense Bürde den Mann aus Memmingen endgültig nicht mehr richtig auf die Beine kommen lässt.

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Dabei würden es ihm alle so sehr gönnen, dass er endlich wieder Schlagzeilen auf dem Platz und nicht mehr nur abseits des grünen Rasens schreibt. Noch ist zwar nicht alles verloren, aber die Ausgangslage hat sich für Mario Götze dramatisch verschlechtert. Eigentlich wollte er lieber früher als später wieder einsteigen und mit einem Team trainieren. Doch diese Idee ist jetzt bereits Geschichte. Mario Götze startet in jedem Fall verspätet in die Saison - obwohl er so frühzeitig gewusst hatte, dass es in Dortmund nicht mehr weitergehen würde.

Götze muss etwas klären - mit sich selbst

Und selbst wenn er in den nächsten Tagen noch einen Klub finden sollte, der annähernd zu seinen großen Träumen ("Ich habe ehrgeizige Ziele und will unbedingt noch die Champions League gewinnen") passt - Mario Götze wird den schalen Geschmack des "Resterampen"-Transfers noch eine Zeitlang wie ein billiges Parfüm mit sich herumtragen.

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Man wird das Gefühl einfach nicht los, dass Mario Götze noch immer nicht sein inneres Gleichgewicht gefunden hat. Vor zwei Jahren hat der Weltmeister von 2014 im Film "Being Mario Götze" einen entlarvenden wie erklärenden Satz gesagt: "Man kämpft eher gegen die Meinungen der Öffentlichkeit und der Medien an, bevor man sich selbst öffnen kann." Und genau das scheint immer noch das Hauptproblem des Mario Götze zu sein. Er fragt sich offensichtlich allzu oft und zuvorderst, was die anderen über sein Leben und seine Entscheidungen denken könnten, als zuerst für sich selbst abzuklären, was gut und richtig wäre.

Dabei könnten Vereine wie Bayer Leverkusen, Hertha BSC und auf eine andere, aber dennoch sehr reizvolle Art und Weise auch der FC Bayern München sportlich eine prima Lösung für den weiteren Karriereweg des Mario Götze sein. Und andersherum könnte jeder dieser drei Klubs von einem Spielertypen, wie ihn der Ex-Dortmunder verkörpert, profitieren. Doch da ist noch etwas anderes.

Ein mentaler Pflegefall?

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Bens aktuellem Buch und seinem gleichnamigen Tourprogramm ("Fußball. Die Liebe meines Lebens") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Nach der unglücklichen Niederlage beim FC Bayern München sinnierte Hertha-Trainer Bruno Labbadia darüber nach, ob sein Klub stark genug sei, "um so einen Spieler aufzufangen". Was für ein Satz! Ein Faustschlag mitten in die Magengrube. Eine medial publizierte Frage mitten ins (sensible) Fußballer-Herz des Mario Götze. Denn die gestellte Frage offenbarte direkt und schnörkellos eine Sorge, die offenbar die Trainer und Manager der Profiklubs ernsthaft umtreibt: Ist der Weltmeister von 2014 ein mentaler Pflegefall?

In der Dokumentation über Mario Götze sagte Torhüter Marc-André ter Stegen damals einen treffenden Satz, den sich vielleicht auch Bruno Labbadia noch einmal durch den Kopf gehen lässt: "Wir sind alle nur Menschen."

Egal nun, wie die Transfergeschichte von Mario Götze in den nächsten Tagen auch ausgehen mag: Die Fußballfans in Deutschland werden nicht aufhören, ihre emotionale Verbundenheit zum Weltmeisterschaftstorschützen von 2014 zu leben. Und das bedeutet auch: Sie würden Mario Götze so gerne noch einmal vollkommen glücklich und befreit aufspielen sehen. In der Hoffnung, dass damit die nun schon länger andauernde sportliche wie menschliche Tragödie endlich ein Ende findet.

Quelle: ntv.de