Redelings Nachspielzeit

Ex-Fifa-Schiedsrichter gesteht "Vor Oliver Kahn hatte ich Angst"

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Oliver Kahn verunsicherte nicht nur Fans, Gegner und Mitspieler.

Wie der Mensch und Spieler Oliver Kahn tickt? Diese Frage kann eine ganze Reihe von herrlichen Sprüchen über und von ihm beantworten. Fußballzitate sind ohnehin ein großer Spaß. Jetzt wird gerade wieder der schönste Spruch des Jahres gesucht.

Häufig offenbaren Menschen erst viele Jahre später ihre wahren Gefühle. Auf dem Platz hat man Manuel Gräfe damals jedenfalls nichts angesehen - doch neulich gestand der ehemalige Fifa-Schiedsrichter in einem Interview über seine Anfänge als Unparteiischer: "Der Einzige, den ich gesiezt hab', war Olli Kahn. Ich war Mitte 20 und hatte Angst."

Dass er mit dieser Gefühlsregung nicht alleine ist und war, offenbaren andere Sprüche von Fußballern. So hat Mehmet Scholl einmal auf die Frage, vor was er Angst habe, gesagt: "Vor Krieg und Oliver Kahn." Das hört sich alles im ersten Moment doch ein wenig übertrieben und unglaubwürdig an, doch der smarte Gentleman-Trainer Ottmar Hitzfeld hat die Sachlage zwar etwas anders umschrieben, aber im Kern dasselbe ausgedrückt: "Zu viele Spielertypen wie Oliver Kahn dürfen wir auch nicht auf dem Platz haben, sonst artet das in eine Schlägerei aus."

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Auch in diesem Jahr wird die "Deutsche Akademie für Fußballkultur" aus Nürnberg wieder einen "Fußballspruch des Jahres" küren. Gut so. Denn die launigen Sprüche und feinen Sentenzen aus der bunten Welt des Fußballs sind viel mehr, als sie auf den ersten Blick scheinen. Sie sind immer auch ein Seismograf der jeweiligen Zeitepoche und, wie hier im Falle des ehemaligen Nationalkeepers und Bayern-Torhüters, eine wunderbare Charakterstudie. Und so werden allen Fußballbegeisterten zwischen dem 20. und 26. September auf www.fussball-kultur.org einige großartige Perlen zur Auswahl präsentiert werden.

"Werde nicht durch den Meetingraum grätschen"

Ob darunter auch der Spruch von Manuel Gräfe sein wird, muss man abwarten. Auf jeden Fall ist noch ein anderes Zitat zum Thema auf der aktuellen Kandidatenliste. Und dieses stammt von Oliver Kahn höchstpersönlich. Es zeigt, dass der Schiedsrichter-Novize Gräfe damals wohl nicht ganz so falsch mit seiner Zurückhaltung gelegen hat. Denn als Kahn unlängst als Vorstand des FC Bayern vorgestellt wurde, sagte er mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht: "Ich werde nicht durch den Meetingraum grätschen." Aber dran gedacht hatte er offensichtlich dennoch schon einmal.

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Seit mehr als zehn Jahren prämiert die Akademie bereits die Sprüche des Jahres und immer wieder zeigt sich: Die Fußball-Philosophen sterben nicht aus. Im Moment drängt dabei ein Mann ganz besonders nach vorne: Christoph Kramer. Und wer würde dem Gladbacher Weltmeister von 2014 auch schon widersprechen, wenn er feststellt: "Gefehlt hat das Tor. Wie so oft, wenn man keins schießt." Doch auch Hoffenheims Florian Grillitsch hat das Talent, die Komplexität des runden Ballspiels in einen Satz zu packen: "Wenn wir ein Tor machen und keins bekommen, gewinnen wir hier auch." Potzblitz, möchte man da ausrufen: Genauso einfach ist es.

"Wenn man die Augen zugemacht hat ..."

Alle ambitionierten Amateur- und Freizeitkicker werden in dieser Spielzeit hingegen aufmerksam zugehört haben, als Gonzalo Castro vom VfB Stuttgart eine andere Weisheit lapidar in die Welt hinausblies: "Im Alter von 33 Jahren brauche ich mich nicht mehr warmlaufen." Wenn sich das mal nicht schmerzhaft rächt.

Gerade noch einmal gut gegangen ist in Bremen in der vergangenen Saison die alte Pipi-Langstrumpf-Methode "Widewidewitt". Marco Bode hat sie für Werder allerdings etwas umformuliert. Man sollte sich jedoch die Zeit nehmen, sich den Inhalt in den Ohren etwas länger widerhallen zu lassen: "Wenn man die Augen zugemacht und die Ergebnisse beiseite gelegt hat, dann gab es eigentlich keinen Grund, nicht an Florian Kohfeldt festzuhalten."

Einen sehr feinen Humor bewies in diesem Jahr Christof Kneer von der "Süddeutschen Zeitung", als er folgende Zeilen über Timo Werners Absage an den deutschen Rekordmeister aus München schrieb: "Ein deutscher Fußballprofi, der den Bayern absagt? Man wusste bislang gar nicht, dass die Statuten so etwas zulassen." Natürlich spiegeln sich auch die besonderen letzten Monate in der Auswahl zum Fußballspruch des Jahres auf den Seiten der Akademie wider. Nachdem der Defensivspieler der Frankfurter Eintracht, Stefan Ilsanker, über Wochen seinem Lieblingssport nicht nachgehen konnte, brachte er das ganze Dilemma in einem schönen Satz auf den Punkt: "Ich habe schon mal wieder Lust, einen wegzugrätschen."

" ... dann muss man nicht aufspringen"

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Bens aktuellem Buch und seinem gleichnamigen Tourprogramm ("Fußball. Die Liebe meines Lebens") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Und dass Geisterspiele akustisch eher dürftigerer Natur sind, weil auf der Tribüne anstelle von Fans Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer (Ersatz-)Publikum spielen müssen, hielt der zweifache Triple-Sieger Thomas Müller launig für die Nachwelt fest: "Unten kamen keine Fangesänge an, da müssen wir intern noch mal drüber sprechen." Dass keine Zuschauer in den Stadien sein konnten, fand der Geschäftsführer des SV Sandhausen, Volker Piegsa, allerdings gar nicht mal so schlecht: "Endlich können wir mal mit vergleichbarer Fanstärke antreten".

Apropos Sandhausen. Da passierte in der vergangenen Spielzeit etwas absolut Historisches. Dennis Diekmeier schoss nach elf unglaublich langen Jahren sein allererstes Tor im Profifußball. Und das sorgte für reichlich Sprüche im Nachgang - denn kaum einer hatte den Treffer mitbekommen. Seine eigene Frau Dana meinte: "Ich hab's erst gar nicht realisiert, dass das Dennis war, weil man davon ja nie ausgeht, wenn ein Tor fällt." Und sein Trainer Uwe Koschinat ergänzte immer noch erstaunt, aber auch ein wenig schuldbewusst: "Ich glaube, wenn man die Historie von Dennis Diekmeier kennt, dann weiß man, man muss nicht aufspringen, wenn er eine Torchance hat."

Bald geht es in der Fußball-Bundesliga wieder los. Da stellt sich natürlich die Frage: Und was hat die neue Spielzeit wohl so zu bieten? Auf jeden Fall wieder viele schöne Sprüche. Gerne auch in Reimform - wie dieser Tweet von Günter Klein ("Münchner Merkur"): "Der liebe Gott in seinem Zorn / schickt Bielefeld statt Paderborn."

Quelle: ntv.de