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Willkommen im Kindergarten Ballack pöbelt per Megaphon

Michael Ballack stellt sich mit dem Megaphon auf den Zaun und brüllt: "Scheiß FC Köln". Das ist nicht die feine Art, aber auch kein Skandal. Schließlich geht es um Fußball und nicht um Nonnenhockey. Ulkig ist allerdings die Begründung, die Leverkusens Geschäftsführer liefert.

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Neulich am Zaun: Michael Ballack macht sich beliebt.

(Foto: AP)

Passiert Ihnen das auch öfter? Sie nehmen sich ein Megaphon, stellen sich auf den Balkon und schreien es einfach raus. "Alle doof!". Oder "Scheiß Nachbarn!" Und hinterher fällt Ihnen auf, dass Sie gar nicht das gerufen haben, was Sie rufen wollten. Sondern das, was Ihnen jemand eingeflüstert hat. Weil Sie gar nicht wussten, was Sie rufen wollten. Und auch nicht, warum Sie plötzlich auf dem Balkon standen und wer Ihnen das Megaphon in die Hand gedrückt hat. Nein? Passiert Ihnen nicht öfter? Dann fragen Sie mal Michael Ballack.

Der stand am Sonntag nach dem Sieg seiner Mannschaft gegen den FC Schalke 04 auf dem Zaun vor der Leverkusener Fankurve und er hatte, Sie ahnen es, ein Megaphon in der Hand. Und rief: "Scheiß FC Köln", was durchaus Sympathien einbrachte, schließlich ist der Bundesligarivale aus der Domstadt im Stadion am Autobahnkreuz nicht sonderlich beliebt. Die Menschen auf den Rängen waren sogar so begeistert, dass sie ebenfalls "Scheiß FC Köln" riefen. Da wären sie zwar auch so drauf gekommen, aber mit dem Immer-Noch-Kapitän der deutschen Nationalelf als Einpeitscher macht das gleich doppelt Spaß.

Nicht die feine Art, aber kein Skandal

Nun sind Schmähgesänge in Fußballstadien nichts Ungewöhnliches, allerdings meist den Fans vorbehalten. Wenn ein Spieler das macht, ist das nicht die feine Art und kostet Geld. Bremens Torwart Tim Wiese ("Scheiß HSV") musste im vergangenen Jahr 8000 Euro bezahlen, so wollte es das Sportgericht des Deutschen Fußballbundes, der jetzt auch gegen Michael Ballack ermittelt. Wie gesagt, nicht die feine Art, aber auch kein Skandal. Rudi Völler, Leverkusens Sportdirektor hat Recht: "Wenn das beim FC passiert, dann drücken wir ein Auge zu. Wenn das bei uns passiert, sollten die Kölner das genauso tun."

Ulkig ist allerdings das, was Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zu Protokoll gab: "Ich habe mit Michael gesprochen. Er wusste gar nicht, was er auf dem Zaun machen sollte. Der Capo hat ihm das in den Mund gelegt." Ach so, der Vorsänger hat ihn also angestiftet. Na dann ist er ja fein raus, der 34 Jahre alte Fußballprofi und 98-malige Nationalspieler Michael Ballack. Willkommen im Kindergarten. Den Rest kann er dann im Sommer mit seinem neuen Trainer besprechen. Robin Dutt ist gebürtiger Kölner.

Quelle: n-tv.de

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