MMA

Sportliche Leistung kein FaktorDie UFC folgt nur noch dem Gesetz des Geldes

23.03.2026, 19:06 Uhr Foto von MitchVon Michael Bauer, London
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Dana White ist bei der UFC seit Jahren für deren Ausrichtung verantwortlich. (Foto: IMAGN IMAGES via Reuters Connect)

Die UFC ist sportlich wie der Olymp für MMA-Kämpfer. Wer dort um den Titel kämpft, bestimmen aber mittlerweile weniger sportliche Faktoren. Der Branchenprimus will abkassieren, wo es nur geht.

Wenn die Ultimate Fighting Championship (UFC) Kämpfe außerhalb der USA veranstaltet, muss die Kohle stimmen. Beim Event in London zeigt sich allerdings, dass die Marke des Branchenprimus allein nicht ausreicht, um ein Event auszuverkaufen. Ein weiterer Grund für die UFC, in Zukunft auf Strahlkraft und nicht auf sportliche Errungenschaften zu setzen.

Die Fightcard in London war im Grunde nicht schlecht, aber es fehlte an internationalen und britischen Stars mit großer Strahlkraft. Kein Schwergewichtschampion Tom Aspinall, kein Paddy Pimblett und auch der irische Titelaspirant Ian Machado Garry fehlte in der O2-Arena. Das Main Event bestritten der Russe Movsar Evloev und der Lokalmatador Lerone Murphy. Sportlich ein absoluter Weltklassekampf. Kombiniert kamen beide vor ihrem Duell auf 36 Profisiege und keine Niederlage.

Makellose Bilanz spielt keine Rolle

Eigentlich sollte in diesem Kampf der neue Herausforderer für Federgewicht-Champion Alexander Volkanovski ermittelt werden, nach dem Sieg von Evloev klang das aber schon ganz anders. Als "möglich" beschrieb UFC-Boss Dana White recht nüchtern ein Aufeinandertreffen der beiden. Dabei ist Evloev ein Ausnahmeathlet. Er hat zehn Kämpfe in der Eliteorganisation gegen namhafte Gegner für sich entschieden - alle über die Punktrichter. Technisch anspruchsvoll, aber wenig spektakulär sind seine Kämpfe. Dazu hält der Russe nichts von Trashtalk. Dieser Mangel an Entertainment ruft nun einen anderen Kämpfer auf den Plan, der statt Evloev um die Krone im Federgewicht kämpfen könnte. Auf die Titelchancen des Brasilianers Jean Silva angesprochen, begann White plötzlich zu grinsen. "Wenn wir es ankündigen, dann wisst ihr, dass es wahr ist", sagte er.

Die UFC hatte bereits vor zwei Monaten einen Promo-Dreh mit dem Brasilianer und dem Championgürtel durchgeführt, und auch Silva ist überzeugt, dass er der nächste Herausforderer im Federgewicht ist, wie er im Interview mit ntv.de erzählte. "Vor zehn Jahren wären Murphy oder Evloev die klaren Titelkandidaten. Damals haben nur Siege und Niederlagen gezählt", sagte er. Jetzt habe sich durch den Deal mit Paramount viel geändert. Die UFC kassiert jährlich 1,1 Milliarden Dollar für die Streamingrechte in den USA. "Die Liga ist eine Sportliga, aber auch ein Unternehmen. Es geht am Ende um Show, Aufmerksamkeit und Medien. Keiner kann da mehr anbieten als ich", sagte Silva.

Dann zeichnete der 29-Jährige noch die möglichen Folgeszenarien auf, die ihn interessanter machen als Evloev. "Wenn Evloev gewinnt, sehen wir ihn ein Jahr nicht kämpfen", so Silva zum Kampfrhythmus des Russen. "Wenn ich den Titel gewinne, dann bleibt die Option auf ein Rematch mit Volkanovski. Es gibt die Revanche gegen Diego Lopes, es gäbe eine mögliche Revanche für Kevin Vallejos - mit mir als Champion wären mindestens fünf große Events möglich."

Große Hauptkämpfe sind nicht nur ein Grund, damit Zuschauer einschalten, sondern auch ein Argument bei den Ticketverkäufen in den Arenen. Nach dem Deal mit Paramount, durch den das Pay-per-View-System in den USA obsolet wurde, sind zahlende Eventbesucher weiterhin eine finanziell wichtige Variable. Hier strapaziert die UFC bei den Preisen aber mittlerweile die Nerven und den Geldbeutel der Fans. In Großbritannien sind die Kampfsportbegeisterten schon seit Jahren nicht mehr bereit, die horrenden Preise zu zahlen. Bei 250 Pfund starteten die günstigsten Karten für UFC London, wenige Tage vor dem Event waren die gleichen Plätze auf den offiziellen Ticketplattformen bei der Hälfte des Preises angekommen und blieben trotzdem in großer Zahl Ladenhüter.

Wenig Hoffnung für Europa

In England - und auch in Frankreich - wird die UFC aber auch weiterhin Halt machen, wie White auf der Pressekonferenz nach dem Event bestätigte. Andere europäische Staaten brauchen sich keine großen Hoffnungen auf einen Besuch der UFC zu machen - sofern staatliche oder lokale Behörden nicht bereit sind, eine stolze Millionensumme zu bezahlen.

Damit der Kampfsportzirkus in einem bestimmten Land veranstaltet, ist mittlerweile eine "Austragungsgebühr" fällig, die unter "Financial Incentive Packages" zusammengefasst wird. Verargumentiert werden Summen zwischen 16 und 25 Millionen Dollar mit dem Boost für die Tourismusbranche, den die UFC in einer Stadt über eine Woche auslöst. Bislang haben das nur die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Australien gezahlt. Auch Aserbaidschan lockte die UFC für ein Premierenevent nach Baku. Die Summe ist nicht bekannt, aber Mark Shapiro, Präsident der TKO Group, unter der die UFC gelistet ist, betonte, dass das kleine Land an der Grenze zu Georgien zweifellos tief in die Tasche greifen musste, um die Veranstaltung am 21. Juni 2025 an Land zu ziehen.

Gerüchten zufolge soll nun Italien für 2027 so ein Paket geschnürt haben. Darauf angesprochen sagte White: "Wir haben ein ganzes Team, das sich darum kümmert, dass die UFC an Orte kommt, wo sie noch nicht war. Ich liebe Italien. Ich weiß nicht, ob es wahr ist, aber ich hoffe, es stimmt."

Quelle: ntv.de

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