Kein McGregor, kein Jon JonesTrumps Käfig-Spektakel droht zum PR-Debakel zu werden

Die besten MMA-Kämpfe aller Zeiten, jeder Titel steht auf dem Spiel. UFC-Boss White und US-Präsident Trump fantasieren seit Monaten über das historische Käfig-Spektakel vor dem Weißen Haus. Die nun verkündete Realität sieht allerdings komplett anders aus.
Die USA werden 250 Jahre alt und Donald Trump feiert das mit einer MMA-Veranstaltung der Superlative auf dem Rasen vor dem Weißen Haus. Für den US-Präsidenten könnte das Event nun aber zu einem echten Debakel werden, denn weder die sportliche Zusammensetzung noch das Storytelling dahinter können mit der historischen Bühne mithalten.
Die Fans hatten auf eine Rückkehr von Kampfsport-Superstar Conor McGregor gehofft, auf das Comeback von MMA-Legende Jon Jones. Bekommen werden sie das am 14. Juni nicht. Die angekündigten Kämpfe sorgen bei Fans für Verwunderung und Enttäuschung. Der Kommentar mit den meisten Likes spricht Bände: "Ich werde nicht lügen: Wir sind enttäuscht!"
McGregor und Jones hatten die Gerüchteküche im Vorfeld der Ankündigung noch selbst angeheizt. Der Ire teilte auf X mit, er habe einem Gegner und einem Datum bereits zugestimmt. Jones sagte in einem Video, dass er mit der UFC in Verhandlungen über einen Kampf vor dem Weißen Haus sei. "Jon Jones war niemals ein Thema", sagte UFC-Boss Dana White. Jones habe seine Karriere aufgrund von Hüftproblemen beendet und daran habe sich nichts geändert.
Erst Superlative, dann Ernüchterung
White hatte lange davon gesprochen, die besten Kämpfe aller Zeiten zusammenzustellen, Edel-Fan Trump wollte gar nur Titelkämpfe vor dem Weißen Haus sehen. White habe letztlich aus einem Pool von rund 15 möglichen Kämpfen ein halbes Dutzend ausgewählt. Und trotzdem fehlt dem Event insgesamt die Star-Power. Global bekannte und erfolgreiche Kämpfer sind eigentlich nur Ilia Topuria und Alex Pereira. Ein Georgier und ein Brasilianer sind somit die Gesichter der von der UFC als "Freedom Fights 250" gebrandeten Veranstaltung. Das passt nicht so ganz zu einem Event, das durch sein Setting und die Schirmherrschaft des US-Präsidenten gewollt oder ungewollt eine Botschaft vermitteln wird.
Auch die Außenpolitik der USA hat eine Rolle bei der Zusammensetzung der Fightcard gespielt. Man wolle keine Russen dort kämpfen sehen, hatte der ehemalige UFC-Champion Merab Dvalishvili vor ein paar Monaten bereits gesagt. Dvalishvili soll gegen Petr Yan aus Russland kämpfen, aber eben nicht vor dem Weißen Haus. Auch ein Islam Makhachev, der derzeit wohl beste aktive MMA-Kämpfer, wird beim Geburtstags-Käfig-Spektakel nicht antreten. Der Dagestaner wird ebenso fehlen wie der immer wieder mit Tschetschenenfürst Ramsan Kadyrow anbandelnde Khamzat Chimaev. Einigen Kämpfern bleibt somit die größte MMA-Bühne der Welt verwehrt, um kein Politikum daraus zu machen.
Politisch birgt die Fightcard nun kaum noch Konfliktpotenzial, ein großes PR-Debakel ist dennoch sehr wahrscheinlich. Denn Topuria steht im Hauptkampf des Abends zwar der Amerikaner Justin Gaethje gegenüber, ihm werden aber kaum Chancen auf den Sieg eingeräumt. Viel schlimmer noch: Das Event vor dem Weißen Haus könnte mit einem desolaten Bild enden. Topuria hat alle seine 17 Profikämpfe gewonnen und seine letzten Gegner brutal k.o. geschlagen. Ein Amerikaner, bewusstlos am Boden des Rings, im Hintergrund das Weiße Haus – das ist sicher kein Bild, das sich Trump für den Geburtstag der Vereinigten Staaten vorstellt.