"Kann nicht glauben, was ich tat"Britisches Paar erlebt "Albtraum auf dem Eis"

Der britische Medaillenfluch geht weiter - auch weil Lilah Pear und Lewis Gibson einen bitteren Moment auf der größten Bühne erleben. Danach ist die Enttäuschung gewaltig.
Lilah Fear wollte auf dem Eis glänzen, gemeinsam mit ihrem Partner Lewis Gibson scheinen und ja, auch die erste britische Medaille überhaupt bei diesen Olympischen Winterspielen holen. Noch dazu die erste Eistanz-Medaille seit dem legendären Paar Jayne Torvill und Christopher Dean 1992. Doch am Ende standen Pear und Gibson den Tränen nahe auf dem Oval in der Mailänder Eiskunstlauf-Arena. Statt begeisterter Jubelstürme schallen von den Rängen Mitleid und Aufmunterung, aber auch Anerkennung auf das britische Duo hinab. Das ist entsetzt, geschockt und tief enttäuscht. Der Traum von der Medaille war da längst geplatzt. "Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade gemacht habe", sagte Fear.
Nach dem Pflichtprogramm hatten Fear und Gibson auf dem vierten Platz gelegen, zumindest Bronze ist da noch in Sichtweite. Die Zuschauer hatten gerade den Takt aufgenommen, klatschten zum Hit der Proclaimers "I'm Gonna Be (500 Miles)", in dem die Band verspricht, für die Liebe 500 Meilen zu laufen und zur Not auch noch 500 mehr.
"Ich stehe unter Schock"
Doch auf dem Eis spielt sich schon nach wenigen Metern ein Drama ab: Bei einer Twizzle-Sequenz kommt Fear ins Stolpern. Sie stürzt nicht, aber ihr ist sofort klar, "dass wir damit die Bronzemedaille verloren hatten". Dass der Fehler so früh in der Kür passiert sei, habe alles noch schlimmer gemacht, sagte Fear. Das Paar bringt seine Kür danach fehlerfrei zu Ende, zu retten ist aber nichts mehr. Am Ende werden die Briten gnadenlos durchgereicht und landen statt auf dem Podest auf dem siebten Platz. Der britische "Guardian" schrieb von einem "Albtraum auf dem Eis".
"Ich fühle mich so schlecht, ich bin am Boden zerstört. Ich stehe unter Schock. Es ist so schade, weil ich weiß, wozu wir fähig sind", sagte die unglückliche Fear, die das britische Team zur Eröffnung der Spiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo als Fahnenträgerin angeführt hatte. "Ich finde noch keine Worte dafür und werde eine Weile brauchen, um das zu verarbeiten."
Gibson, der seine Partnerin nach der Kür in den Arm nahm, war ebenfalls tief enttäuscht: "Wenn man an einem Tag nicht die gewünschte Leistung bringt, ist das schwer zu verkraften, aber bei den Olympischen Spielen ist es noch schwieriger", sagte er. Jon Eley, Leistungssportchef des britischen Eiskunstlaufens, war nach dem bitteren Moment "am Boden zerstört. Sie gehen mit all den verschiedenen Dingen, die sie machen, an ihre Grenzen. Dass sie auf dieser Bühne nicht ihr Bestes geben konnten, ist für sie und für uns sehr ärgerlich."
"Mein achtjähriges Ich wäre stolz"
Gold holten Laurence Fournier Beaudry und Guillaume Cizeron. Das französische Duo siegte nach der Kür mit insgesamt 225,82 Punkten hauchzart vor den Weltmeistern und Team-Olympiasiegern Madison Chock und Evan Bates aus den USA (224,39 Punkte). Bronze ging an Piper Gilles und Paul Poirier aus Kanada (217,74). Cizeron verteidigte damit seinen Titel, bei den Winterspielen 2022 in Peking hatte der 31-Jährige zusammen mit Gabriella Papadakis triumphiert. Mit Fournier Beaudry bildet er erst seit etwas mehr als einem Jahr ein Duo auf dem Eis. "Wer hätte das gedacht. Unglaublich, ich kann es kaum fassen", sagte Deutschlands Eiskunstlauf-Ikone Katarina Witt im Live-Kommentar in der ARD.
Fear, die bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr gemeinsam mit Gibson noch auf den Bronzerang getanzt war, wollte die Enttäuschung im Schatten der strahlenden Sieger nicht widerstandslos obsiegen lassen: "Ich glaube, mein achtjähriges Ich wäre wirklich stolz auf mich", sagte sie. "Ich wollte hierherkommen und die olympische Erfahrung genießen und für mich und für Lewis laufen." Der Schmerz aber bleibt groß. Ein schwacher Trost könnte für Fear und Gibson sein, dass selbst eine fehlerlose Leistung in dem hochklassigen Finale nicht für die Bronzemedaille gereicht hätte.