Körper völlig zerstörtGela Allmann stürzte 800 Meter in die Tiefe - nun ist sie Olympia-Expertin

Vor zwölf Jahren war eigentlich alles vorbei für Gela Allmann. Die Extremsportlerin stürzte bei einem Fotoshooting 800 Meter tief. Wie durch ein Wunder entkam sie dem Tod und kämpfte sich zurück ins Leben. Nun ist sie als TV-Expertin bei der Olympia-Premiere ihrer Lieblingssportart dabei.
Am 3. April 2014, im Alter von 29 Jahren, blickt Gela Allmann dem Tod ins Auge. Bei einem Fotoshooting auf einem Berg auf Island verliert sie den Halt und fällt insgesamt 800 Höhenmeter in die Tiefe. Unzählige Knochen brechen, Bänder reißen, die Hauptarterie in ihrem rechten Oberschenkel wird durchtrennt. Kurz bevor sie über eine Klippe ins offene Meer geschleudert wird, kann sich Allmann mit letzter Kraft abbremsen. Sechs Monate verbringt sie im Krankenhaus - und kämpft sich dann zurück ins Leben.
Fast zwölf Jahre später wird Allmann als ARD-Expertin die Olympia-Premiere ihrer Lieblingssportart Skibergsteigen begleiten. Aus dem Studio in Mainz analysiert sie die Sprint-Wettbewerbe(Finale ab 12.55 Uhr, ARD, Eurosport und im ntv.de-Liveticker) und das Mixed-Relay zwei Tage später in Bormio (13.30 Uhr, ARD, Eurosport und im ntv.de-Liveticker). "Ich habe Respekt vor der Aufgabe", sagt sie, "aber ich freue mich, dass ich die Passion für den Sport rüberbringen kann."
Sie bringt den Zuschauern diesen neuen Sport mit langer Tradition näher. Die Athletinnen und Athleten laufen mit ihren Skiern einen Hang hoch. Um dabei nicht rückwärts zu rutschen, sind Felle unten an die Skiflächen gespannt. Für ein kurzes Stück müssen sie auch Treppen steigen, auf diesem Streckenabschnitt werden die Skier abgeschnallt. Oben angekommen werden die Felle an den Skiern entfernt und es geht eine kurze Abfahrt hinunter. Bei der Olympia-Premiere schafft es Tanja Paller als einzige Deutsche ins Halbfinale. Für Helena Euringer und Finn Hösch waren die Olympischen Winterspiele bereits in den Vorläufen vorbei.
Folgeschäden halten Allmann nicht auf
Vor ihrem schweren Unfall ist Allmann selbst eine ambitionierte Bergläuferin und Skibergsteigerin. Dass Skibergsteigen eines Tages olympisch werden könnte, "war damals noch überhaupt nicht absehbar", sagt die 42-Jährige im Rückblick. Seinerzeit hätte sie auf eine Olympia-Teilnahme "bei den Damen keine Chance gehabt", räumt sie ein, "hier habe ich leider zu spät mit dem Sport angefangen. Andere Nationen waren weit voraus".
In Norditalien nun zählt die Deutsche Tatjana Paller zum erweiterten Kandidatinnenkreis für eine Medaille. Der Sprint ist ihre Paradedisziplin. Die einzelnen Läufe umfassen einen Anstieg, eine Tragepassage und eine Abfahrt. Allmann glaubt, dass die neue Sportart beim Publikum gut ankommen wird: "Es ist jung, dynamisch und schnell", sagt sie.
Auch Allmann ist weiterhin regelmäßig mit Tourenskiern unterwegs, die Liebe zu den Bergen hat sie trotz ihres Unfalls nie verloren - auch wenn sie noch immer mit den Folgeschäden zu kämpfen hat. Doch seit dem verhängnisvollen Tag im April 2014 blickt Allmann mit anderen Augen auf das Leben: "Du verstehst, dass es jeden Tag vorbei sein kann", sagte sie - "und dass es wichtig ist, aus jedem Tag das Beste zu machen".