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Deutsche Olympia-Hoffnung im Slopestyle Lisa Zimmermann, die coole Revolutionärin

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Vor drei Jahren wechselte Lisa Zimmermann vom Eiskunstlaufen zum Slopestyle. Jetzt winken der 17-jährigen Umschülerin in Sotschi olympische Ehren.

dpa

Als erste Deutsche gewinnt Skifahrerin Lisa Zimmermann einen Slopestyle-Weltcup. Eine Überraschung ist das nicht: Schon 2013 steht die 17-Jährige als erste Frau den "Double Cork 1260" - und bekommt prompt einen Heiratsantrag. Bei Olympia reicht ihr eine Medaille.

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Trotz aller Coolness: Freuen würde sich Zimmermann schon, wenn es in Sotschi mit einer Olympia-Medaille klappt.

(Foto: dpa)

Lisa Zimmermann ist gerade Historisches gelungen, doch besonders beeindruckt klingt sie nicht. "Das ist schon ein cooles Gefühl", sagt die Skifahrerin aus Bad Aibling über den ersten deutschen Weltcup-Sieg im Slopestyle, aber das hört sich beinahe gelangweilt an. Dass sie die Weltcup-Wertung anführt und eine höchst ernsthafte Anwärterin auf eine Medaille bei der Olympia-Premiere ihrer Sportart ist, scheint die 17 Jahre alte Schülerin auch nicht sonderlich zu jucken.

"Mir ist das eigentlich ziemlich egal, was da passiert", behauptet sie. Wie bitte? Olympia ist ihr wurscht? Nein, es ist wohl eher so, dass Lisa Zimmermann das ganze Bohei, das da um die Spiele in Sotschi und jetzt zwangsläufig auch um sie gemacht wird, nicht an sich heranlassen will. "Ich nehme das wie jeden anderen Contest auch", sagt sie. Heißt: "Ich versuche, mich deswegen nicht zu stressen, ich gehe eher lässig damit um." Und nur, damit jetzt keine Missverständnisse aufkommen: "Wenn ich erst mal in Sotschi bin, will ich auch eine Medaille." Und, okay, ja: "Freuen würde ich mich darüber schon."

Die beste Leistung im Olympia-Winter

Dass Lisa Zimmermann in Sotschi eine Medaille holen kann, hat sie am Samstag im Schweizer Gstaad bewiesen. "Mit dem Sieg hat sie gezeigt, dass sie das Potenzial hat, aufs Podest zu fahren", betont Weltcup-Trainer Thomas Hlawitschka. In Gstaad fehlten ein paar Weltklasse-Fahrerinnen, darunter die Siegerinnen der ersten drei Weltcups der Saison. Doch Zimmermann zeigte dafür mit einer Wertung von 91,20 Punkten die bislang beste Leistung einer Athletin im Olympia-Winter. Und außerdem: "Für Olympia kommen schon noch ein paar Schwierigkeiten dazu."

Lisa Zimmermann ist eine Revolutionärin, auch wenn sie nicht so aussieht. Bei der waghalsigen Fahrt durch einen mit Hindernissen und Sprüngen gestalteten Parcour hat sie ihre Sportart vor etwas mehr als einem Jahr in eine neue Dimension geführt: Damals stand sie als erste Frau den "Double Cork 1260". "Durch den Double hat die ganze Welt kapiert, wer ich bin", sagt sie nicht ohne Stolz. Doppel-Salto, dreieinhalb Schrauben, Hände an den Skiern - viel mehr haben auch Jungs nicht zu bieten. In Gstaad hat sie den Sprung nicht gezeigt, bei Olympia könnte sie ihn auspacken.

Erfolgreiche Umschülerin

Einen Tag, nachdem Zimmermann der "Double Cork 1260" zum ersten Mal gelungen war, erhielt sie ihren ersten Heiratsantrag. Einen weiteren Tag später klopften bereits Sponsoren an. Eine schnelle Karriere für einen Teenager, der mit 14 Jahren auch schon in die Luft sprang und sich drehte, allerdings als Eiskunstläuferin. Die junge Lisa war auf dem Sprung in den Nationalkader, trainierte am Tag vier, fünf Stunden am Olympiastützpunkt München, sechs Mal die Woche.

Ein freies Wochenende 2010 veränderte dann alles: Zimmermann fing im Urlaub Feuer fürs Skifahren. Irgendwann hatte sie ihre kritische Mama überzeugt und durfte zum Slopestyle wechseln. Ihre Eislauf-Vergangenheit kam ihr da zugute. Die antrainierte Körperspannung half ebenso wie "das Gefühl fürs Drehen und die Geschwindigkeit", sagt sie.

Als eine echte Skifahrerin fühlt sich Zimmermann deshalb immer noch nicht. "Beim Slalom", sagt sie, "würde ich definitiv nur bis zur zweiten Stange kommen." Im Slopestyle aber gewann sie im vergangenen März bereits Gold bei der Junioren-WM. Auch in Sotschi ist das nicht mehr auszuschließen.

Quelle: n-tv.de, Thomas Häberlein/Marco Mader, sid

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