Franzose räumt Wasserflaschen abMarathon-Eklat stößt Olympioniken übel auf

Beim olympischen Marathon der Männer sorgt ein Franzose dafür, dass seine Konkurrenten nach ihm nichts mehr zu trinken bekommen. An einer Wasserstelle räumt er die bereitstehenden Flaschen ab - unabsichtlich, wie er beteuert. Der deutsche Teilnehmer Hendrik Pfeiffer glaubt ihm das nicht.
Es war der große Eklat am letzten Olympia-Tag. Der französische Läufer Morhad Amdouni räumte beim Marathon bei Kilometer 28 die komplette Reihe Wasserflaschen ab, sodass seine Kollegen bei fast 30 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit leer ausgingen. Später redete sich Amdouni heraus und beteuerte, es sei keine Absicht gewesen. Deutschlands Marathon-Starter Hendrik Pfeiffer sieht in der Aktion allerdings unsportlichen Vorsatz und fordert eine Strafe.
In der Läuferszene sei der Vorfall ein großes Thema gewesen, sagte der deutsche Olympiastarter Hendrik Pfeiffer gegenüber RTL. "Ich habe die Aktion hinterher im Video gesehen. Wir haben es uns nochmal genauer angeschaut. Es kann schon mal passieren, dass eine Flasche umfällt, die sind nicht so einfach zu greifen", sagte Pfeiffer. "Aber das waren dann doch einfach zu viele. Es war ziemlich eindeutig, dass es darum ging, die Konkurrenz zu schwächen, damit sie keine Flaschen kriegt. Er hat ausgerechnet die allerletzte gerade noch bekommen. Das war aus meiner Sicht Vorsatz."
Amdouni verteidigte sich gegen die Anschuldigungen: Es sei hart gewesen, er habe "zunehmend an Klarheit und Energie" verloren, so der 33-Jährige in einem Statement bei Instagram: "Ich will mich bei allen anderen Athleten entschuldigen. Ich habe versucht, eine Flasche Wasser zu greifen, dabei sind dann aber leider alle umgefallen. Es war nicht einfach."
Selbst wenn es keine Absicht gewesen sein sollte, müsse er Konsequenzen akzeptieren, so Pfeiffer. "Wenn ich im Fußball jemanden brutal umgrätsche, weil ich mich total verschätzt habe, kriege ich trotzdem zu Recht die Rote Karte. Ich finde, in diesem Fall wäre sie auch angebracht gewesen. Zumindest eine Sanktion. Es wäre ein guter Grund für eine Disqualifikation gewesen, weil es grob unsportlich war."
"Kein Zufall mehr"
Pfeiffer glaubt, dass durch solche Aktionen der olympische Geist und die Sportart an sich leiden. "So etwas steht gerade bei Olympia im krassen Widerspruch zu den Werten, sodass ich nicht verstehen kann, wenn man ohne Sanktionen davonkommt. Es war schon ein verheerendes Bild, das er abgegeben hat." Er urteilt: "Hier würde ich ganz klar sagen: Ich glaube ihm in diesem Fall nicht." Dass eine ganze Reihe Wasserflaschen umfällt - zu unwahrscheinlich. "Es kann immer mal sein, dass zwei, drei oder auch fünf Flaschen umfallen, aber sie so mit gestrecktem Arm abzuräumen, ist aus meiner Sicht kein Zufall mehr. Das hat im Fernsehen nichts zu suchen, weil es eine schlechte Vorbildfunktion ist."
Amdouni ist auch abseits vom Wasserflaschen-Gate kein unbeschriebenes Blatt. Schon vor zwei Jahren gab es Doping-Gerüchte und Berichte über ihn von der ARD-Dopingredaktion um Investigativjournalist Hajo Seppelt. 2019 berichtete die ARD, dass Amdouni EPO und Wachstumshormone gekauft haben soll. Die Redaktion zitierte aus Chatprotokollen, in denen ein Verkäufer Geld von Amdouni forderte. Der Franzose, der 2018 über die 10.000 Meter in Berlin Europameister wurde, verzichtete kurzfristig auf einen Start bei der Leichtathletik-WM in Doha. Amdounis Antwort auf die Vorwürfe damals: "Es ist nichts, es gibt keine Fakten. Ich habe damit nichts zu tun. Ich halte mich an die Regeln."
Für Pfeiffer sind die Doping-Berichte ein weiterer Grund, Amdouni aus dem Weg zu gehen. "Ich habe ihn oft im Trainingslager in Kenia gesehen und aus gutem Grund den Kontakt gemieden. Es gibt einfach Personen, die ein anderes Verständnis von Fairplay haben." Amdouni landete beim Rennen in Sapporo auf dem 17. Platz. Gold ging erneut an den Weltrekordler aus Kenia, Eliud Kipchoge, der wie 2016 in Rio souverän den Sieg holte. Pfeiffer wurde bei seinem Olympia-Debüt 50., bester Deutscher war Richard Ringer auf Platz 26.