Gold-Kollegen peinlich berührtUS-Kapitänin verurteilt Trumps "geschmacklosen Witz"
Während er mit den Männern feiert, witzelt Donald Trump über die Frauen. Dabei sind beide US-Teams Olympiasieger im Eishockey. Kapitänin Hilary Knight sagt nun deutlich, was sie von der Aussage des US-Präsidenten hält. Und nimmt die lachenden Männer in Schutz.
Die Kommentare von Donald Trump haben bei den US-amerikanischen Eishockey-Heldinnen für Unmut gesorgt. Kapitänin Hilary Knight bedauerte das Verhalten des US-Präsidenten. "Ich fand das einen geschmacklosen Witz, der leider einen Großteil des Erfolgs überschattet. Den Erfolg der Frauen bei den Olympischen Spielen, die für das Team USA antreten und erstaunliche Goldmedaillenleistungen vollbringen", sagte die zweimalige Goldgewinnerin Knight in einer ESPN-Sendung.
Trump hatte nach dem Triumph der US-Männer im Finale über Kanada (2:1 n.V.) das Team eingeladen. Allerdings im via Lautsprecher geführten Telefonats in der Kabine erklärt: "Ich muss Ihnen sagen, wir müssen die Frauenmannschaft mitbringen. Das wissen Sie doch. Ich glaube, ich würde wahrscheinlich ein Amtsenthebungsverfahren riskieren, wenn die Frauenmannschaft nicht eingeladen würde." Die Frauen hatten bereits drei Tage zuvor mit dem ebenfalls 2:1 gegen Kanada den Olympiasieg gefeiert.
"Frauen sind nicht weniger wert, und ihre Leistungen sollten nicht von irgendetwas anderem überschattet werden als davon, wie großartig sie sind", sagte Knight. Die Kontroverse könne nun als "wirklich guter Lernpunkt" dienen, "um sich wirklich darauf zu konzentrieren, wie wir über Frauen sprechen, nicht nur im Sport, sondern auch in der gesamten Wirtschaft".
"Hätten anders reagieren sollen"
Mehrere Spieler der Männermannschaft waren dabei gefilmt worden, wie sie über Trumps Äußerungen lachten; das Video verbreitete sich später rasant im Internet. Torhüter Jeremy Swayman sagte dazu: "Wir hätten anders reagieren sollen." Der Torhüter der Boston Bruins betonte: "Wir freuen uns riesig für das Frauenteam und haben größten Respekt vor ihm. Diese Goldmedaille mit ihnen zu teilen, ist etwas, wofür wir ewig dankbar sein werden."
"Die Leute sind so negativ eingestellt", sagte Jack Hughes, der in der Overtime das Siegtor erzielte, am Dienstag in der Sendung "Good Morning America": "Ich glaube, jeder in der Kabine weiß, wie sehr wir sie unterstützen und wie stolz wir auf sie sind. Genauso wie wir für sie empfinden, empfinden sie für uns."
Verzicht auf Besuch bei Trump
Knight stimmte gegenüber ESPN zu, dass der Respekt der Teams untereinander durch die von Trump entfachte Kontroverse in den Hintergrund gerückt ist: "Ich glaube, die Jungs steckten in einer schwierigen Lage, deshalb finde ich es schade, dass diese Geschichte und Erzählung so aufgebauscht wurde und die Verbindung und das echte Interesse aneinander und die gegenseitige Unterstützung überschattet hat." Sie und ihr Team wollen sich darauf konzentrieren, "die Frauen in unserem Team und ihre außergewöhnlichen Leistungen zu feiern". Auch die Doppelgoldmedaille von Frauen und Männern gleichzeitig sei ein Grund zum Feiern: "Und das sollten wir ganz sicher nicht mit einem geschmacklosen Witz trüben."
Der offenbar nicht ganz ungezwungenen Einladung Trumps zur Rede zur Lage der Nation nach Washington war das Frauen-Team nicht gefolgt - offiziell aus Termingründen. Man sei "sehr dankbar für die Einladung" und wisse die Anerkennung der "außergewöhnlichen Leistung sehr zu schätzen", hieß es in einer Erklärung. Trump erklärte während seiner Rede beim Besuch der Männer, die Frauen würden ihn "bald" besuchen, USA Hockey hat jedoch keine Pläne bestätigt.
Die Männer, die ihre erste Goldmedaille seit dem "Miracle on Ice" 1980 in Lake Placid gewonnen hatten, kamen Trumps Einladung in großen Teilen nach. Der US-Präsident begrüßte das Team im Oval Office. Torhüter Connor Hellebuyck, der mit 41 Paraden im Finale glänzte, soll die "Presidential Medal of Freedom" erhalten. Dies ist die höchste zivile Auszeichnung in den USA.
