Technik

Große Blende ist nicht alles Das braucht eine gute Smartphone-Kamera

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Eine gute Smartphone-Kamera muss nicht unbedingt zwei Objektive haben.

(Foto: jwa)

Was muss eine gute Smartphone-Kamera haben? Sicher, eine große Blende ist wichtig, zwei Linsen sind nicht verkehrt, gute Software ist ein Muss. Doch ein weiterer wichtiger Faktor wird von den meisten Herstellern verschwiegen.

Die Kamera ist eines der wichtigsten Elemente in modernen Smartphones. Hersteller bewerben die Knipsen ihrer Handys mit immer neuen Superlativen, aktuell setzen viele Hersteller auf Dual-Kameras, die Blenden gehen immer weiter auf. Das ist gut, denn eine größere Blende bedeutet: bessere Bilder bei wenig Licht. Aber ist es wirklich so einfach?

Eines vorweg: natürlich nicht. Aber zu Beginn erst einmal eine kleine Begriffsklärung. Was bedeuten Angaben wie "f/1.8", "f1.8" oder "F1.8", umgangssprachlich oft als "Blende 1,8" bezeichnet, eigentlich? Die Blendenzahl gibt das Verhältnis der Brennweite (f) zur Weite der Blendenöffnung an. Je kleiner die Zahl hinterm F, desto größer ist die maximale Öffnung der Blende und desto "lichtstärker" das Objektiv. Einfach gesagt gilt folgende Faustregel: Je größer die Blende, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor und desto geringer ist die Schärfentiefe. Das führt, wiederum stark vereinfacht, zu besseren und ansprechenderen Bildern.

Sensorgröße ist genauso wichtig

Die Blende ist aber nur ein Faktor in der Rechnung. Ebenso wichtig - und von den Smartphone-Herstellern häufig elegant übergangen und verschwiegen - ist die Größe des Sensors. Napier Lopez beschreibt bei "The Next Web" das Verhältnis der beiden so: "Nehmen wir an, zwei Smartphones sind technisch identisch, bis auf Sensorgröße und Blende. Wenn beide die gleiche Sensorgröße haben, ist das Smartphone mit der größeren Blende besser. Wenn aber umgekehrt beide die gleiche Blende haben, gewinnt das mit dem größeren Sensor."

Es ist also schwer, die Güte von Smartphone-Kameras nur aufgrund der Blendenöffnung zu bewerten. Als Beispiel nimmt Lopez das LG V30, das mit f/1.6 eine sehr lichtstarke Kamera hat. Der Vorgänger, das V20, kam noch mit f/1.8, sein Sensor ist mit 1/2,6 Zoll aber größer als der Sensor des V30 (1/3 Zoll). Das hebt den optischen Vorteil der größeren Blende praktisch wieder auf.

Übrigens: Wie groß die Unterschiede bei der Sensorgröße zwischen den einzelnen Kamera-Typen sind, zeigt dieser Beitrag auf dem "Euronics Trendblog" sehr anschaulich.

Weitere Faktoren

Kleinere Sensoren haben einen gewichtigen Nachteil: Sie haben im Vergleich einen schlechteren Dynamikumfang und können weniger Licht und Details einfangen - das lässt sich nicht so leicht mit einer größeren Blende ausgleichen. Sie sind aber eben auch kleiner und deshalb bei vielen Herstellern beliebt. Größere Sensoren erfordern größere Linsen und größere andere Bauteile wie optische Bildstabilisierer. Die Folge: Das Smartphone wird insgesamt dicker oder die Kamera-Einheit steht etwas hervor und das wollen die Hersteller vermeiden.

Eine mögliche Lösung für dieses Dilemma liegt in der Kombination zweier besonders kleiner Sensoren, wie es zum Beispiel Huawei macht. Ein Sensor liefert Farbinformationen, ein zweiter Schwarz-Weiß-Sensor steuert Details bei, verleiht dem Bild mehr Schärfe und einen größeren Dynamikumfang. Weil beide sehr klein sind, kann das Smartphone auch sehr dünn gebaut werden. Diese Doppel-Lösung hat zwar oft qualitative Nachteile - mit dem Mate 10 Pro hat Huawei aber bewiesen, dass ein Dual-Kamera-Setup sehr gute Bilder liefern kann.

Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass noch andere Faktoren die Bildqualität bestimmen: Sensortechnologie, die Güte der Linsen, Hilfsmittel wie Optische Bildstabilisierung und nicht zuletzt in großem Maß die Kamera-Software, die mit jeder neuen Smartphone-Generation ausgefeilter wird - Imaging-Experte Clément Viard sieht im Gespräch mit "Areamobile" auf diesem Gebiet noch viel Potenzial, während auf der Hardware-Seite die Grenzen weitgehend erreicht sind. Doch die Qualität des Ausgangsmaterials bleibt wichtig und dafür sind Blende und Sensorgröße zwei gleichermaßen entscheidende Anhaltspunkte.

Quelle: n-tv.de

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