Technik

Gastgeschenk an US-Regierung Ermittler kappen Demonoid-Server

Es beginnt mit einer Flut an Anfragen, die Server des Bittorrent-Portals Demonoid im größten Rechenzentrum der Ukraine brechen zusammen. Hacker verschaffen sich Zugang - und dann kommen die Behörden. Offenbar eine politische Mission, heißt es aus dem Innenministerium des Landes. Und ein Gastgeschenk.

Wenn der Streit um Kopierrechte im Internet eine politische Ebene erreicht, gibt es auch eine diplomatische Dimension. Das zeigt eine konzertierte Aktion in der Ukraine. Behörden des osteuropäischen Landes haben das Filesharing-Portal Demonoid schachmatt gesetzt.

Ermittler hätten die Server der Bittorrent-Seite versiegelt, andere konfisziert und zuvor Daten kopiert, berichtet ein Mitarbeiter des größten Rechenzentrums der Ukraine. Dort waren die Rechner angemietet. Das Unternehmen Colocall wurde demnach gezwungen, die Verträge mit der Administration der Seite aufzulösen.

Bittorrent ist eine Methode zur Verbreitung von Daten, bei der über eine kleine Datei lediglich die Information über die Downloads gesammelt wird. Die Inhalte selbst werden von vielen Nutzern zugleich zur Verfügung gestellt. Das sind potenziell alle, die die Datei zum Teil oder komplett heruntergeladen und gespeichert haben.

Angriff, Hack, Abschaltung

Die Abschaltung nun erfolgte offenbar nicht nur aus urheberrechtlichten Gründen - in der Ukraine selbst war die Seite nicht zugänglich und verstieß deshalb nicht direkt gegen dortiges Recht -, sondern wurde länger geplant. In der Woche vor der Aktion der Behörden war das Portal mit sogenannten DDoS-Angriffen malträtiert worden. Zusätzlich sollen sich Hacker Zugang zu den Servern verschafft haben. "Wenige Tage später kamen die Ermittler", zitiert die Website Torrentfreak den Mitarbeiter.

DDoS steht für "Distributed Denial of Service". Dabei werden an Server so viele Anfragen in kurzem Zeitraum gestellt, dass diese überlasten und ausfallen.

Versprechen eingelöst

Der Zugriff sei auf Antrag von Interpol erfolgt, melden ukrainische Medien. Aus dem ukrainischen Innenministerium heißt es aber, der Zeitpunkt Abschaltung sei sorgsam gewählt worden, da der stellvertretende Ministerpräsident der Ukraine, Waleri Chorschkowsky, erstmals in die USA reise. Die Ukraine habe den Vereinigten Staaten zuvor versichert, es werde seine Maßnahmen zur Durchsetzung des Urheberrechts verschärfen, so Torrentfreak.

Die Administration von Demonoid befinde sich allerdings nicht im Land selbst, sondern in Mexiko. Dort hatten die Behörden im vergangenen Jahr eine Durchsuchung durchgeführt und einen Kopf der Seite verhaftet, heißt es auf der Seite.

Quelle: n-tv.de, rpe

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