Technik

"eFootball 2022" ist Desaster FIFA-Konkurrent verstolpert die Großchance

eFootball - Steal the Ball-251022612df5a22ce1f3.66737094.jpg

Hochglanz ja, Qualität Fehlanzeige: Bei "eFootball 2022" gibt es gleich mehrere Baustellen.

(Foto: Konami)

FIFA oder Pro Evolution Soccer? In der virtuellen Fußballwelt gilt das als Glaubensfrage. Letzterer Titel hat nun einen Nachfolger und einen neuen Namen. "eFootball 2022" kann abgesehen vom neuen Anstrich aber nicht mit der Konkurrenz mithalten - aus mehreren Gründen.

Der Ansatz ist löblich: Eine Fußballsimulation, die gratis per Download erhältlich ist, vorerst auf Mikrotransaktionen verzichtet und das Gameplay in den Vordergrund stellt. Konami will all das besser, worüber sich Spieler der Serie FIFA von Electronic Arts in der Regel beschweren. Was die Entwickler mit dem "Pro Evolution Soccer"-Nachfolger "eFootball 2022" auf die Beine gestellt haben, ist aber bildlich gesprochen die vergebene hundertprozentige Großchance. Weder von der Konzeption noch vom Gameplay ist der Titel auf der Höhe der Zeit - selbst mit uralten PES-Titeln kann die neueste Ausgabe nicht mithalten.

Das coronabedingte Jahr Pause und die Umstellung auf die Unreal-Grafik-Engine haben der Spielserie nicht gutgetan. Auch wenn jährlich erscheinende Sporttitel aus dem Hause EA in ihrer Entwicklung eher Babyschritte vornehmen, ist die Entwicklung bei "eFootball 2022" ein Riesenschritt zurück. Es fällt regelrecht schwer, Spaß bei diesem Spiel zu entwickeln. Dafür gibt es Dutzende Gründe.

Es gibt nur zwei verschiedene Modi: Einer online und der andere offline. Im Trainingsmodus gegen die CPU wählt der Spieler eines von neun Teams aus, mit denen Konami exklusiven Lizenzverträge abgeschlossen hat. Dazu zählen Top-Klubs wie Bayern München, AS Rom oder Juventus Turin. Das war es aber auch schon an Umfang: mehr Teams gibt's nicht. Zudem sind nur zwei Schwierigkeitsgrade von sechs möglichen auswählbar - die übrigen scheinen noch nicht programmiert worden zu sein. Das hat dann insgesamt eher den Charakter einer Demo-Version.

eFootball - Sharp Kick-251022612df5a1bd54c4.74589019.jpg

Auf den ersten Blick sieht alles ganz gut aus bei "eFootball 2022" - doch der schöne Schein trügt.

Online steht der Event-Modus zur Verfügung. Die Auswahl der Teams wächst hier auf mehr als 200, allerdings mit einer folgenschweren Einschränkung: Das Rumexperimentieren mit Teams ist nicht möglich. Wer einmal ein Team ausgewählt hat, muss über die Dauer des Events damit spielen - das erste dauert zehn Tage. Zusätzlich stören reihenweise Verbindungsfehler, die oft willkürlich während der Partie aufploppen.

Die Wahrheit liegt nun mal auf dem Platz und da versagt "eFootball 2022" in Gänze. Mit den Spielen der ProEvo-Reihe hat das nichts mehr zu tun, was die virtuellen Lewandowskis und Co. aufs Grün stelzen. Das Spiel ist ultra-langsam. Schnelles Kurzpassspiel wirkt langatmig und verschleppt das Tempo eher. Schnell geht es bei Sprints mit oder ohne Ball, aber hier lauert schon das nächste Problem: Die Bewegungen und der Spielablauf sind nicht flüssig. Bei Richtungswechseln wirken die Kicker auf dem Rasen steif, lässt man die Sprint-Taste los, stoppt die Bewegung abrupt ab. Eine realistische Auslaufbewegung gibt es so nicht. Wer sich auf seine KI-gesteuerten Mitspieler verlässt, ist verloren, denn die reagieren kaum auf den Ball, sollte der mal ihren Reaktionsradius kreuzen.

Kreuzen sich die Wege der Spieler, und das kommt beim Fußball häufig vor, wird es ebenfalls chaotisch. Die Animationen beim Beharken und Hangeln im Kampf um den Ball wirken nicht aufeinander abgestimmt. Kollisionen wirken übertrieben. Die - gelinde gesagt - lächerliche Regelauslegung der Schiedsrichter kommt noch obendrauf .

Grafisch gibt es zumindest ein Highlight, gefolgt von vielen Low Lights. Die Stadien sehen in eFootball wahnsinnig gut aus - zumindest die der neun Partnerklubs. Befüllt werden diese jedoch mit einer hüpfenden Masse von 08/15-Fußballfans aus dem Klonlabor. Wer zu genau hinschaut, wird in Trance gehopst.

efootball.jpg

Jubel von CR7 - mit dicken Backen ein "Simmmm"

(Foto: Konami)

Allzu genau hinschauen darf man auch nicht bei den Gesichtern der Spieler, sollten diese ein Tor bejubeln. Denn hier regiert der Glitch. Deformiert mit weit aufgerissenen Mündern sorgen die virtuellen Kicker zwar für Lacher, angesichts der Technik mit Motion-Capture ist das im Abgang aber nur tragisch komisch.

Für den 28. Oktober ist die erste Überarbeitung des Spiels angekündigt, die alle Probleme beheben soll. Dass Updates und Patches hier zügig die notwendigen Verbesserungen bringen, ist ungewiss, da das Gameplay eine einzige Baustelle ist. Denn Fußball wird in "eFootball 2022" nur schlecht simuliert. Dazu soll mit dem "Creative Team"-Modus dann doch noch eine Form von Mikrotransaktionen den Weg ins Spiel finden. Ingame-Käufe kann man schon tätigen, und zwar mit Paket für 39 Euro. Ein Release-Datum hat der Modus allerdings noch nicht.

Was für Konami viel schwerer wiegt, als ein unfertiges Game veröffentlicht zu haben, das vielleicht noch die Kurve mit zahlreichen Updates und Patches bekommt, ist der erste sehr negative Eindruck. Spieler, die sich nach einer FIFA-Alternative gesehnt haben, hat man sehr wahrscheinlich verprellt. Vielleicht ja auch die exklusiven Lizenzpartner, die ein E-Sport-untaugliches Spiel zwar mit ihren Stadien, Wappen und Spielergesichtern schmücken, ein Aushängeschild für diese Klubs ist "eFootball 2022" sicher nicht. Der Free-to-play-Titel hat natürlich einen Vorteil: Ausprobieren kann ihn jeder für umsonst, auch wenn das Spielerlebnis wohl nicht in bester Erinnerung bleiben wird.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.