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Rätselraten über Nutzerzahlen Ist Google+ ein Flop?

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Endlich gibt Google sein soziales Netzwerk für alle frei und veröffentlicht überfällige Verbesserungen. Möglicherweise kommt der Schritt aber zu spät. Denn seit Google+ im Juli Rekord-Zuwachszahlen feierte, scheinen nur noch wenige Nutzer den Weg zur Facebook-Alternative zu finden. Offizielle Zahlen gibt es nicht, Schätzungen sehen nicht gut aus.

Nach dem Startschuss für Google+ am 28. Juni legte das soziale Netzwerk rasant zu und steigerte seine Nutzerzahlen trotz geschlossener Testphase so schnell, dass sich Experten verwundert die Augen rieben. Am 14. Juli verkündete Google-CEO Larry Page stolz, man habe inzwischen mehr als 10 Millionen Nutzer. Statistik-Spezialist Paul Allen rechnete aus, dass sich bis zu 2 Millionen Menschen an einem Tag bei Google+ anmeldeten und schätzte am 20. Juli die Nutzerzahl auf 18 Millionen, die in Kürze auf 20 Millionen ansteigen sollte.

Am 22. Juli gab der gewichtige Internet-Statistiker Comscore bekannt, Google+ habe in den ersten 21 Tagen 21 Millionen Besucher gehabt. Besucher sind zwar nicht mit Nutzern gleichzusetzen, aber Comscore-Vize Andrew Lipsman sagte dem "Wall Street Journal", dass er ein so rasantes Wachstum bisher noch nicht beobachten konnte. Die Zuwachsraten seien allenfalls mit denen des Kurznachrichtendienstes Twitter im Jahr 2009 zu vergleichen. Aber Twitter habe Monate gebraucht, um so viele Besucher zu gewinnen wie Google+ in drei Wochen. Nicht zu vergessen: Zu diesem Zeitpunkt konnten sich neue Nutzer bei Google+ nur nach einer Einladung anmelden.

Wo ist Larry Page?

So schien es Ende Juli, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der 750 Millionen Nutzer schwere Platzhirsch Facebook Googles heißen Atem im Nacken spürt. Doch seitdem blieben die Erfolgsmeldungen aus. Larry Page zeigt sich seit Mitte August auf Google+ nicht mehr öffentlich und sein Unternehmen gab bis heute auch auf Anfrage keine neuen Zahlen heraus.

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Auch über die Android-App können Google+-Nutzer jetzt Video-Gruppenchats, sogenannten Hangouts, beitreten.

(Foto: Google)

Nutzerzahlen fehlten auch, als der Startschuss für Google+ Spiele fiel und auch, als Google jetzt sein Netzwerk für alle Internetnutzer öffnete, fehlte eine Erfolgsstatistik. Tatsächlich lässt sich aus Googles Null-Informations-Politik nicht automatisch schließen, dass die Zuwachsraten eingebrochen sind. Aber als Nutzer hat man irgendwie das Gefühl, dass sich bei Google+ nicht mehr viel tut und nur die üblichen Verdächtigen rege posten.

Sinkende Besucherzahlen

Offensichtlich geht Google+ aber nicht nur gefühlt etwas die Puste aus. So meldete die Tech-Seite "Cnet" am 27. August, dass die Besucherzahlen bei Google+ laut einer Analyse des Marktforschers Experian Hitwise rückgängig seien und auch die Verweildauer bei Google+ kürzer geworden sei. Laut Analyse sind die wöchentlichen Visits in den USA um 3 Prozent von 1,86 Millionen auf 1,79 Millionen gesunken, die durchschnittliche Verweildauer um zehn Prozent von 5 Minuten und 50 Sekunden auf 5 Minuten und 15 Sekunden zurückgegangen.

Google wies "Cnet" darauf hin, dass Visits nichts über die tatsächlichen Nutzerzahlen von Google+ aussagten. Außerdem habe die Hitwise-Analyse weder mobile Zugriffe noch Besuche über andere Google-Dienste berücksichtigt. Konkrete Zahlen blieb das Unternehmen aber schuldig und so lange dies so bleibt, herrscht im Internet über die tatsächlichen Nutzerzahlen von Google+ großes Rätselraten. Schätzungen zufolge könnte das Wachstum des sozialen Netzwerks sogar nahezu zum Stillstand gekommen sein. Das "Technology News Blog" beispielsweise hat mit verschiedenen technischen Tricks ermittelt, dass Google+ Mitte September ungefähr 20 Millionen Nutzer hatte.

Letztendlich kann nur Google selbst Klarheit schaffen. Vielleicht hat es ja mit der Veröffentlichung aktueller Nutzerzahlen bis zur Öffnung von Google+ für alle gewartet. Es wird spannend, zu sehen, ob Google+ jetzt, da alle Beschränkungen gefallen sind, Facebook tatsächlich die Stirn bieten kann.

Quelle: n-tv.de

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