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Düster-Märchen im Test "Lost in Random" ist mehr als Würfelzauber

Märchen für Erwachsene - das gibt es. Diesen Beweis tritt das Videospiel "Lost in Random" an. Bewaffnet mit einem zweibeinigen Kubus soll darin das junge Mädchen Even ihre Schwester retten. Dazu braucht sie vor allem eines: Würfelglück.

Eine böse Königin, mysteriöse Tierwesen und eine Heldin mit Zauberkräften. Klingt nach Märchen, ist es irgendwie auch - allerdings für alle Altersklassen. In "Lost in Random" wird das Ganze noch mit Würfel- und Brettspielelementen gepaart. Dem schwedischen Entwicklerstudio Zoink Games gelingt zusammen Electronic Arts ein zauberhafter Leckerbissen für Adventure-Fans.

Im Königreich Random regiert zwar der Zufall, in erster Linie aber eine böse Königin. Die entscheidet mit einem magischen Würfel über das Schicksal der Bewohner, die sich wie eine Sechs-Klassen-Gesellschaft in verschiedene Welten aufteilen. Sobald das zwölfte Lebensjahr erreicht ist, entscheidet die gewürfelte Augenzahl über ihre Zukunft. Auf diese Weise muss sich die Heldin der Geschichte, das junge Mädchen Even, die mit ihrer Familie in der Einsfelden lebt, von ihrer Schwester Odd trennen. Denn deren Würfel zeigt zwar zunächst die Augenzahl eins an, springt aber plötzlich auf sechs um. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen und wenig mit Zufall zu tun haben. Even macht sich dann auf den Weg, ihre Schwester aus den Fängen der Königin zu befreien und wieder für Chancengleichheit zu sorgen. Helfen soll ihr dabei der zweibeinige Zauberwürfel Dicey, mit dem sie magische Karten aktivieren und sich so gegen bösen Soldaten und Kreaturen wehren kann.

Alice im Würfelland

Auf der Suche nach ihrer Schwester wird Even durch die sechs Welten von Random geführt. Von den Armenvierteln in Einsfelden über das aristokratische geführte Dreiheit bis nach Fünftropolis. Jede Welt ist schaurig skurril gestaltet und hat ihre Eigenheiten, visuell sind alle beeindruckend, mit einem Comic-haften Grufti-Anstrich. Das erinnert stark an Tim-Burton-Filme wie "Nightmare before Christmas", "Beetlejuice" oder "Sweeney Todd".

Von düsteren Märchen und Kinderbüchern wie "Alice im Wunderland" haben sich die schwedischen Entwickler auch inspirieren lassen. So seien zum Beispiel ein böses folkloristisches Monster, das Kinder in seinem Brustkorb gefangen hält, ein Bürgermeister, dessen zweite Persönlichkeit buchstäblich aus seinem Hut wächst, und ein Würfel mit Armen und Beinen entstanden. Der damit erzeugte visuelle Eindruck ist bei "Lost in Random" stimmig. Figuren, Landschaften, Klänge und Musik - das gesamte Setting hat keine Schwächen.

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Den Kartenverkäufer "Mannie Dex" findet man in Random gleich an mehreren Stellen.

(Foto: EA)

Die Figuren sind ein tragendes Element im Spiel und haben Märchen-typische Namen. Manche wie der Kartenverkäufer "Mannie Dex"oder der dreiäugige "Siehtmer" kehren im Laufe der Geschichte wieder. Die Dialoge mit den NPCs sind liebevoll und witzig gestaltet, in manchen Fällen ist die Dialogführung auch wichtig, um die Geschichte voranzutreiben oder kleinere Nebenquests zu erfüllen.

Insgesamt läuft das Spiel aber ziemlich linear ab. Die einzelnen Welten sind nicht wirklich komplex und der Spieler wird sauber von A nach B geleitet, einzelne Videosequenzen an bestimmten Orten halten die Spannung in der Geschichte aufrecht. Da sind die unübersichtlichen Karten fast schon störend.

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Even muss es gleich mit einer ganzen Horde an bösen Rittern aufnehmen.

(Foto: EA)

Im Laufe des Spiels sammelt Even nicht nur weitere Informationen über den Verbleib ihrer Schwester und die Geschichte von Random, sondern auch wichtige Spielkarten. Mit denen kann sie von Dicey in Duellen und Kämpfen mit Zauberfähigkeiten ausgestattet werden. Das reicht von zeitlich begrenzten Waffen, Heilungstränken bis hin zu Fallen und Schutzschilden. In einem Deck aus bis zu 15 Karten kann der Spieler variieren, welche Fähigkeiten ihm am besten nützen.

Kommt es zum Kampf, müssen erstmal Energiekristalle gesammelt werden, bevor Dicey die Karten aktivieren kann. Die Kristalle kleben an den Gegnern oder der Umgebung fest und können mit einer Steinschleuder abgeschossen und vom laufenden Würfel eingesammelt werden. Schaden kann man mit der Zwille aber nicht direkt ausrichten. Die Karten werden willkürlich aus dem Deck gezogen, bei fünf ist das Blatt sozusagen voll und es kann gewürfelt werden. Even wechselt dabei kurz in die Würfeldimension, in der die Zeit stillsteht. Die gewürfelte Augenzahl entspricht dann den Aktionspunkten. Je höher, desto besser. So kann man gleich mehrere Karten aktivieren und je nach Gegner anpassen. Ausgestattet mit Schwert oder Bogen geht's den Gegnern dann ans Leder. Doch alle Gegenstände sind zeitlich begrenzt, sodass man immer wieder Kristalle sammeln, Würfeln und Karten spielen muss.

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Dutzende verschiedene Kartentypen gibt es, nur 15 darf man mit in sein Deck aufnehmen.

(Foto: EA)

So richtig taktisch wird es erst in den späteren Leveln, denn Dicey hat am Anfang nur bis zu zwei Punkte auf seinen sechs Würfelseiten. Im Laufe der Story kommen weitere Punkte hinzu, dann macht das Bauen des Kartendecks auch deutlich mehr Sinn. Am Anfang reicht es eigentlich auf Schaden und Heilung zu setzen - damit ist man auf der sicheren Seite. Jede Welt hat ihren Bosskampf, der nochmal eine besondere Herausforderung darstellt.

Die Kämpfe werden oftmals noch in eine Art Brettspiel mit integriert. Eine übergroße Figur läuft einen Pfad wie bei "Mensch-Ärger-Dich-Nicht" ab - gleichzeitig wird aber gegen die Lakaien der Königin gekämpft. Mit jedem Würfelwurf zieht die Figur dann die entsprechende Augenzahl vor. So bleiben die Würfelkämpfe stets abwechslungsreich.

Leider keine deutsche Synchronisation

Einziges Manko ist die Erzählsprache. Die Figuren und der herausragende Erzähler in "Lost in Random" sind in Englisch synchronisiert - das dafür filmreif. Dazu gibt's deutsche Untertitel, die auf Dauer etwas nervig sind. Die lassen sich auch leider nicht ausstellen. Das Englisch ist dafür ziemlich einfach gestrickt, entsprechend auch leicht verständlich. Eine deutsche Synchronisation ist nach Rückfrage vorerst leider nicht geplant.

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Was Story und Gameplay angeht, ist "Lost in Random" hervorragend ausbalanciert, untermalt mit märchenhaft guter Musik und Soundeffekten. Eine ordentliche Portion Humor, die von Charakteren und Erzähler ausgeht, frischt die bedrückende Stimmung im dystopischen Königreich Random immer wieder auf. So ist das Adventure eine Angelegenheit für alle Altersklassen, auch wenn es vielleicht nicht die größten Skillanforderungen stellt. Eine liebevoll erzählte Geschichte mit tollen Figuren eben.

Zudem geht die Kombination von Video-, Würfel- und Brettspielen voll auf. Mit einem Kaufpreis von 30 Euro kann man bei "Lost in Random" nichts falsch machen, erhältlich ist der Titel für PC, Xbox und Playstation. Die Spieldauer ist durchaus kompakt. Bis zu 12 Stunden Spielspaß hat die Hauptquest beim Test geboten, das Ende hält nochmal eine süße Überraschung parat.

Quelle: ntv.de

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