Technik

Neue Strategie des Weltmarktführers Nokia setzt auf Windows Phone

Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia wechselt unter dem Druck des Smartphone-Booms die Strategie: Eine Kooperation mit Microsoft soll den Abwärtstrend stoppen. Nokia gibt das eigene Betriebssystem-Projekt auf und setzt künftig bei intelligenten Telefonen auf die Software von Microsoft.

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Nokia-Chef Stephen Elop und Microsoft-Chef Steve Ballmer besiegeln eine sehr enge Partnerschaft.

(Foto: Nokia)

Kurswechsel bei Nokia: Der finnische Weltmarktführer hat eine weitreichende strategische Zusammenarbeit mit dem US-Softwarekonzern Microsoft angekündigt.

Die Smartphones von Nokia sollen künftig mit dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft laufen, kündigte Nokia an. Nokia-Chef Stephen Elop, seit September im Amt und zuvor Manager bei Microsoft, hatte kürzlich große Schwierigkeiten eingeräumt und eine neue Strategie angekündigt.

Nokia verbündet sich mit dem US-Softwarekonzern Microsoft, um verloren gegangene Marktanteile zurückzuerobern. Die Finnen hatten im Smartphone-Markt zuletzt deutlich an Boden gegen erfolgreichere Rivalen wie Apple mit seinem iPhone und vor allem das konkurrierende Google-Betriebssystem verloren. Die Erträge gingen zurück.

Elop teilt das Telefon-Geschäft

Nokia setzte bei den Computer-Telefonen bisher vor allem auf das eigene Betriebssystem "Symbian", das aber als veraltet gilt. Das System solle zwar weiter unterstützt werden, hieß es. Auch die Arbeit an der neuen offenen Plattform "MeeGo" werde fortgesetzt.

Künftig läuft Nokias Telefon-Geschäft aber zweigeteilt: Ein Bereich soll sich künftig mit Smartphones beschäftigen, ein anderen die Marktführung bei günstigeren einfacheren Telefonen sichern. Nokia stehe an einem entscheidenden Scheideweg, sagt Elop.

In einem offenen Brief hat der Nokia-Chef die Kernpunkte der Partnerschaft mit Microsoft aufgezählt:

- Microsoft Windows Phone wird Nokias primäre Smartphone-Plattform.

- Nokia wird die Zukunft von Windows Phone mitbestimmen. Mit seiner Erfahrung im Hardware-Design, und seiner umfangreichen Sprachunterstützung will Nokia helfen, weitere Preissegmente und Märkte für Microsofts mobiles Betriebssystem zu öffnen.

- Microsoft und Nokia werden bei mobilen Geräten in allen Bereichen der Entwicklung und Vermarktung eng zusammenarbeiten.

- Microsoft Bing wird Nokias Suchmaschine.

- Nokias Navigationsdienst Maps wird ein Kernbereich von Microsofts Navigationsdiensten - beispielsweise wird Maps in Bing integriert.

- Durch Nokias weitreichende Verbindungen mit Mobilfunkbetreibern weltweit sollen Geräte mit Windows Phone auch in Gebieten Käufer finden, in denen kaum Kreditkarten genutzt werden.

- Windows Phone soll über die größere Verbreitung durch Nokia-Smartphones für App-Entwickler interessanter werden.

- Microsoft treibt die Entwicklung von Cloud-Diensten voran, die für Smartphone-Besitzer weitere Einsatzmöglichkeiten eröffnen sollen.

- Nokias App-Store wird in Microsofts Marketplace integriert.

"Zusammen haben wir eine der weltweit stärksten Marken. Sie beinhaltet Windows, Office, Bing, Xbox Live, NAVTEQ (Navigation) und Nokia", schreibt der ehemalige Microsoft-Manager Elop. "Der Wettstreit mobiler Geräte entwickelt sich zu einem Wettstreit der mobilen Ökosysteme."

Quelle: ntv.de, kwe/dpa/rts