Technik

Offen, werbefrei und sicher Openbook ist ganz anders als Facebook

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Bei Openbook soll kein Nutzer die Teilnahme mit seinen Daten bezahlen.

(Foto: Openbook)

Das soziale Netzwerk Openbook könnte die perfekte Alternative zu Facebook werden. Es soll werbefrei bleiben, sammelt keine Nutzerdaten und legt seinen Quellcode offen. Die Testphase hat begonnen, die öffentliche Beta soll bald starten.

Die meisten seiner Nutzer wissen, dass Facebook alles andere als kostenlos ist. Sie bezahlen mit ihren Daten, und zwar nicht zu knapp. Alle Posts, Fotos, Likes, Kommentare, Besuche auf anderen Websites, Käufe, Aktivitäten, Freunde, Vorlieben und vieles mehr wird ausgewertet und gespeichert, damit die Nutzer passgenaue Werbung sehen. Das funktioniert inzwischen schon so beängstigend gut, dass Facebook sogar unter den Verdacht geraten ist, Gespräche zu belauschen. Und wie locker das Unternehmen mit Nutzer-Informationen umgeht, zeigten unter anderem der Cambridge-Analytica-Skandal und im Klartext gespeicherte Zugangsdaten.

Netter Umgangston

Trotzdem bleiben die meisten Nutzer dem sozialen Netzwerk treu, weil sie angeblich keine Alternativen sehen. Aber es gibt sie, beispielsweise das Crowdfunding-Projekt Openbook, das keine Nutzerdaten sammeln, offen, transparent, frei und sicher sein will. Die öffentliche Betaphase soll bald beginnen, Unterstützer, die ihren Beitrag bei Kickstarter geleistet haben, können sich aber schon jetzt vernetzen. Ein Redakteur von "Golem" ist dabei und bisher vor allem vom angenehmen Umgangston angetan. Ob das Anti-Facebook Zukunft hat, kann er aber noch nicht sagen.

Eine große Hürde von Anfang an ist für Openbook die Finanzierung. So machte Gründer Joel Hernández  mit seinem ersten Crowdfunding-Versuch eine Bruchlandung, weil er das Finanzierungsziel zu hoch angesetzt hatte. Beim zweiten Anlauf ging aber alles gut und für die Unterstützer ist das Netzwerk jetzt seit rund drei Wochen online.

Eher Google+ als Facebook

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Openbook-Gründer Joel-Hernández.

(Foto: Openbook)

Laut "Golem" ähnelt das Konzept von Openbook weniger Facebook als dem des gescheiterten Google+. Zentral sind die Communitys, denen Nutzer beitreten und sich mit Gleichgesinnten zusammentun können. Dort eingestellte Beiträge erscheinen in der Timeline aller Community-Nutzer. Außerdem können sich Mitglieder gegenseitig folgen oder untereinander verbinden. Solche Bekanntschaften lassen sich in nicht öffentlichen Kreisen organisieren - man bleibt also unter sich. Großer Unterschied zu Facebook: Openbook verwendet keine Algorithmen, um Beiträge in der Timeline der Nutzer unterschiedlich zu gewichten, sie werden einfach chronologisch angezeigt.

Noch klappt das nicht perfekt, die verschiedenen Ebenen von Openbook seien etwas verwirrend, schreibt "Golem". So würden beispielsweise auf der eigenen Profilseite nur eigene Beiträge angezeigt, die ein Nutzer mit seinen Kreisen geteilt hat - nicht aber die in den Communitys geposteten Beiträge.

Hernández und sein kleines, achtköpfiges Team nutzen aber die noch geschlossene Testphase mit wenigen Teilnehmern, um solche Fehler zu korrigieren und den Quellcode bis zur offenen Beta zu verbessern. Der Code soll später veröffentlicht werden, damit er kontrollierbar ist und niemand heimliche Hintertüren fürchten muss.

Um keine knappen Ressourcen zu verschwenden, verzichtet Hernández auf einen Web-Client und konzentriert sich auf iOS- und Android-Apps. Dies entspricht wahrscheinlich auch der Zielgruppe, die für soziale Netzwerke vor allem Smartphone oder Tablet nutzt.

Kontrolliertes Wachstum

Openbook plant ein langsames Wachstum. "Wir haben erkannt, dass die Zeit für exponentielles Wachstum bei sozialen Netzwerken vorbei ist. Das wollen wir auch gar nicht", erklärt Hernández. "Unsere Strategie ist, langsam und stabil zu wachsen. Also beispielsweise 10.000 neue Nutzer zu registrieren und uns dann um die anfallenden Probleme zu kümmern."

Um die Kontrolle zu behalten, erhalten im Laufe des Aprils die bereits aktiven rund 1500 Kickstarter-Unterstützer jeweils zehn Einladungen, die sie teilen können. Dann sollen erst wieder Fehler korrigiert und Vorschläge der Nutzer umgesetzt werden, bevor die nächsten Einladungen rausgehen. Man kann sich außerdem für die Beta anmelden und landet auf einer Warteliste.

Auch beim Thema Fake News will Openbook nicht dem schlechten Facebook-Beispiel folgen. "Alle Inhalte, die in einer Community gepostet werden, sind moderiert. In diesen öffentlichen Feeds werden nie Beiträge erscheinen, die in einer Nutzer-Timeline veröffentlicht werden", sagte Hernández im Interview mit "Golem". Außerdem arbeitet Openbook an Werkzeugen, mit denen Nutzer Probleme melden können. Geplant ist, dass ein Beitrag unsichtbar gestellt wird, sobald ihn eine bestimmte Anzahl von Nutzern gemeldet hat. Dann soll er von Moderatoren überprüft werden. Außerdem soll das Einladungssystem Missbrauch verhindern, gesperrte Nutzer kommen ohne neue Einladung nicht mehr zurück ins Netz.

Funktioniert ein Abo-Modell?

Problematisch wird auch bei bescheidenem Wachstum die weitere Finanzierung. Hernández plant ein Abo-Modell, bei dem Nutzer für monatlich 5 Euro Zugang zu zusätzlichen Emojis, spezielle Avatare, Themen oder andere Vorteile bekommen sollen. Gratis-Nutzer sollen aber keine echten Einschränkungen fürchten müssen, vor allem bei Datenschutz und Sicherheit. Ob das Konzept aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Quelle: n-tv.de, kwe