Technik
Modernes Design: die Polaroid Pop.
Modernes Design: die Polaroid Pop.(Foto: jwa)
Freitag, 29. Dezember 2017

Ist digital besser? : Polaroid Pop macht Sofortbilder smart

Von Johannes Wallat

Auch Sofortbild-Kameras gibt es längst in smarten, digitalen Ausführungen. Die Polaroid Pop hat Display, Touchscreen, Speicher und druckt ohne Tinte. Sieht so die Zukunft des Polaroids aus?

Der allgemeine Retro-Trend macht natürlich auch nicht vor den Sofortbild-Kameras halt. Die kleinen, rechteckigen Bildchen, für die nicht nur hierzulande gerne der Markenname Polaroid als Synonym verwendet wird, waren quasi ausgestorben. Doch seit einigen Jahren gibt es wieder ein größeres Interesse an den spontanen, einmaligen Sofortabzügen aus den großen, unhandlichen Kameras. Mit der Polaroid Pop will der einstige Platzhirsch das Sofortbild-Gefühl ins Digitale hinüberretten. Kann das funktionieren?

Moderne Optik

Das Kameragehäuse der Polaroid Pop ist groß, aber relativ dünn und wirkt, zumindest im Vergleich zu aktuellen Sofortbildkameras wie der Instax-Reihe von Fujifilm, relativ modern. Leider ist die Verarbeitung nicht besonders hochwertig. Die Kameralinse an der Front ragt leicht heraus, zusammen mit der Foto-LED daneben sieht das aus wie bei einem überdimensionierten Smartphone. Auf der Rückseite gibt es einen kleinen Bildschirm mit schlechter Auflösung und einen roten Knopf. Sonst nichts. Angenehm, so ein minimalistisches Design. Der untere Gehäuseteil ist aus mattgelbem Plastik und lässt sich abnehmen, er ist mittels Magnet mit dem restlichen Gehäuse in glänzend schwarzem Kunststoff verbunden.

Eine gelbe Kappe schützt das Fotopapier.
Eine gelbe Kappe schützt das Fotopapier.(Foto: jwa)

Hinter der Kappe findet sich der Einschub für die Fotopapiere sowie ein Steckplatz für microSD-Karten - denn die Polaroid Pop kann Bilder nicht nur aufnehmen, sondern auch speichern. Das ist der erste wichtige Unterschied zur analogen Sofortbild-Kamera. Es gibt zwar keinen Sucher, dafür aber das bereits erwähnte Display, auf dem man eine Bildvorschau sieht und das die bereits aufgenommenen Fotos in einer Galerie zeigt. Bilder können so jederzeit und in beliebiger Anzahl ausgedruckt, nachbearbeitet oder auch online geteilt werden. Die Software bietet zudem rudimentäre Filter an, um die Aufnahmen aufzuhübschen. Einen Zoom gibt es auch, außerdem Einstellungsmöglichkeiten für Auflösung, Helligkeit und Weißabgleich. 

Praxiseinsatz ernüchtert

So weit, so gut. Doch beim Gebrauch der Polaroid Pop stellt sich schnell Ernüchterung ein. Die Filter machen die ohnehin nicht sehr ansehnlichen Bilder nicht besser. Der Zoom vermatscht Aufnahmen hoffnungslos. Bei wenig Licht kann auch der Blitz nicht viel ausrichten. Die Aufnahmen sind oft blass, leblos, haben einen Farbstich und starkes Bildrauschen oder Streifen, Hauttöne wirken zumeist fahl und ungesund. Bei Tageslicht gelingen mitunter noch ansprechende Aufnahmen.

Schuld daran sind wahrscheinlich gleich zwei Gründe: Zum einen die Kamera, deren Leistung nicht ansatzweise an die aktueller Smartphone-Knipsen herankommt, und zum anderen die sogenannte Zink-Technologie. Zink steht für "Zero Ink", also "Null Tinte", und bedeutet, dass die Bilder durch Wärme belichtet werden - das Fotopapier enthält bereits die Farbpigmente, thermische Impluse aktivieren sie. Eigentlich eine gute Idee, doch entweder ist die Technologie noch nicht ausgereift oder die Umsetzung wenig gelungen. Das gedruckte Ergebnis sieht jedenfalls noch schlechter aus als die Vorschau auf dem Display.

Hinzu kommen immer wieder nervige Aussetzer und Ruckler: Die Benutzeroberfläche ist sehr träge und reagiert gerne zeitverzögert. Ein Abzug kommt auch mal völlig weiß aus der Kamera - ärgerlich, weil teuer. Manchmal reagiert der Touchscreen nicht, manchmal wirkt es, als sei die Kamera komplett abgestürzt. Mal fängt sie sich wieder, mal tut sie es nicht. Ohne den winzigen Reset-Button im Gehäuse wäre man aufgeschmissen. Über die Smartphone-App kann man theoretisch auch Bilder direkt vom Handy auf die Pop schicken und so ausdrucken - eine gute Idee, im Test funktionierte das aber überhaupt nicht.

Kein völliger Reinfall

Ist die Polaroid Pop nun ein völliger Reinfall? Nein, denn auch bei anderen Sofortbildkameras ist die Bildqualität nicht das ausschlaggebende Kriterium und durch Software-Updates könnte man die Performance sicher noch verbessern. Dass man Bilder speichern und bearbeiten und sie erst nach Sichtung ausdrucken kann, ist ohne Frage von Vorteil. Und als Andenken taugen die Zink-Fotos allemal.

Problematisch aber: Der Spaß ist nicht gerade günstig. Die Polaroid Pop kostet rund 230 Euro, ein Zehnerpack Zink-Bögen zehn Euro. Ein kompakter smarter Fotodrucker für Zink-Papier ist günstiger und hier liefern die Smartphone-Kameras das bessere Ausgangsmaterial. Aktuelle analoge Sofortbildkameras sind ebenfalls günstiger und das Fotopapier genauso teuer. Und bei diesen Modellen hat man den echten Charme der Sofortbildfotografie - denn hat es nicht auch etwas, das Bild nicht zu kennen, bevor es aus der Kamera kommt, und dann nur ein einziges Exemplar zu haben? Im Vergleich dazu wirkt die Polaroid Pop mit all ihren Macken und den teils arg enttäuschenden Bildern wie ein gut gemeinter, aber eben nicht gut gemachter Abklatsch. Digital ist nicht immer besser.

Quelle: n-tv.de