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100.000 Verfolger auf Twitter Rührung in 7582 Zeichen

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@lysander24 knackte die 100.000er Marke beim Account @ntvde

Jeder Twitter-Nutzer freut sich über neue "Follower", also Interessierte, die seine Äußerungen abonnieren - und dann lesen oder sogar weiter verbreiten. "Runde" Followerzahlen sind dabei so etwas wie Kindergeburtstag. Man ist erfreut. Und manchmal echt gerührt.

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Es war am Vorabend des bei Twitterern #followfriday genannten letzten Tages der Arbeitswoche, wohl kurz nach 21 Uhr, als der Follower-Zähler auf der Seite des Accounts @ ntvde zum ersten Mal die 100.000er Marke übersprang. Der n-tv Twitter-Beauftragte war zwar schon am Nachmittag vor Vorfreude leicht enthusiasmiert durch die  Redaktion gesprungen, doch im entscheidenden Augenblick war er - aus Gründen - nicht vor dem Bildschirm.

Noch am Abend hatte er "seine" Twitterati gefragt, wie man denn den "Jubiläums-Follower" standesgemäß begrüßen könne - und hatte teils witzige , teils aberwitzige Vorschläge erhalten. Allein: Freibier für alle, 100.000 Euro oder gar Tankgutscheine gibt das karge Social-Media-Budget nicht her. Und eine Live-Schaltung im TV wäre vielleicht dann doch etwas zu viel des Guten gewesen - zumal man ja nicht genau wissen konnte, welcher Nutzer denn nun der "glückliche" sein würde.

Prahlen mit Follower-Zahlen

Gerade bei stark wachsenden Accounts wie @ntvde sind unter den neuen "Verfolgern" häufig welche, die sich gar nicht wirklich für die jeweils verbreitenden Inhalte interessieren, sondern einfach auf den nächstbesten Zug aufspringen. Viele Nutzer haben sich gerade erst bei Twitter angemeldet, haben noch kaum getwittert und oft noch nicht einmal einen "Avatar" (also ein Bildchen von sich, der Katze oder dem Opel) hochgeladen. So etwas an die große Glocke zu hängen ist eher weniger spannend.

Fluktuation in der Followerschaft

Beim Zählerstand von 100.009 bequemte sich der Twitter-Beauftragte dann doch wieder an den Rechner und in die Verfolger-Liste - um beim zurückzählen auf 100.000 in der Tat eher weniger attraktive Twitterer vorzufinden. Wer allerdings die magische Marke gerissen hatte, ließ sich da schon nicht mehr genau feststellen. Jemanden, der (etwa durch Prahlen mit Follower-Zahlen ;) unangenehm auffällt kann man schließlich mit einem Klick entfolgen, was gelegentlich für eine gewisse Fluktuation in der Followerschaft sorgt.

Der allgemein gehaltene Tweet, dass die 100.000 nun erreicht seien, wurde von Freund und Feind noch lakonisch oder herzlich quittiert , dann war erstmal wieder Routine im Kanal - und die Sache schien erledigt.

Jubel-Verfolger oder nigerianischer Fake?

Erst tags darauf - just also am oben erwähnten #followerfriday oder # ff - trudelte dann eine freundliche Mail in der Redaktion ein. Die Absenderin mit Twitter-Namen @ lysander24 berichtete: "Ich kam gestern Abend auf Ihren Twitteraccount, sah 99.999 Follower, fügte Sie dazu, die Zahl sprang auf 100.000!". Sollte tatsächlich sie unser Jubel-Verfolger sein? Heutzutage muss man schließlich - vor allem in diesem bösen Internet! - jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen. Weitere Zweifel kamen auf, als wir lasen, dass lysander24 auch die Kurz-Umfrage vom Vortag mitbekommen hatte (wie eigentlich, wenn sie uns doch gar nicht folgte?) und nun einen Vorschlag hätte...

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lysander24 twittert incognito. Als Avatar-Bild verwendet sie das Foto einer Plasma-Kugel, das für ihr Twitter-Motto steht: "Folge mit Energie jeder Bewegung der Menschen"

Also doch? Forderungen nach Bargeld? Mitnichten. Ihr "Anliegen und Idee für meine Begrüßung" waren etwas ganz anderes: "Sie schreiben ausnahmsweise mal ein Folgeempfehlung - nicht für mich, keine Sorge - sondern für Spektrum der Wissenschaft, deren Fan ich seit 25 Jahren bin. Die Twitteraccounts wären @spektrum @scilogs @GundG @Sterne_Weltraum".

Das saß. Echter Altruismus, aufrichtiges Interesse an Wissen und Wissenschaft, ein sternklarer  Blick zum Firmament statt ins Horoskop am Boulevard - und das in diesem Gewebe aus Schund und Pornografie, das sich "Web" nennt? Und als wir die Twitter-Empfehlungen geprüft und tatsächlich verbreitet hatten und als wir die offenbar ehrlich überraschten Reaktionen der Empfohlenen lasen und als uns lysandra24 per Twitter ein fröhliches " DANKE @ntvde YOU MADE MY DAY!!!! " zuzwitscherte, da ahnten wir schon, das es diesmal kein nigerianischer Fake-Account war, dem wir aufgesessen waren.

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Damit wir doch ein Gesicht zu unserer "Jubiläums-Verfolgerin" haben, schickte uns lysander24 ein Jugendbildnis von sich.

Und als lysander24 dann auch noch ein Bildschirmfoto postete, auf dem die runde Zahl zu sehen war, da war die Rührung groß und wir wollten unbedingt noch mehr wissen. Da ein - ja eigentlich nahe liegendes - Interview per Twitter aus Zeitgründen nicht zu machen, der Kontakt per E-Mail aber so unkompliziert und erfreulich war, schickten wir einen quasi dahingetwitterten Schwung von Fragen und erhielten, kurz nach der Wochenkonferenz, eine sehr, sehr hübsche Antwort.

Und weil wir hier bei n-tv.de - ganz im Gegensatz zu den 140 Zeichen bei Twitter - ja im Grunde gar keiner Beschränkung des Textumfangs unterworfen sind und weil es irgendwie jetzt ja eh nicht mehr soo drauf an kommt, dokumentieren wir hier drunter einfach kaum bearbeitet das Frage-und-Antwortspiel das wir spielten und beenden vorher noch diesen Text (der insgesamt etwa die Textmenge von fast 55 ausgewachsenen Tweets umfasst) mit dem (frommen) Wunsch, doch womöglich eines Tages eine Million Twitter-Follower zu haben oder sogar noch mehr - aber mindestens einen, der so ist, wie die, die ihre wahre Identität und ihren bürgerlichen Namen lieber nicht öffentlich preis geben möchte aber, so viel sei gesagt, am Telefon den Eindruck macht, als wäre sie eine ganz reizende Person: lysander24.

n-tv.de: Wie lange sind Sie schon auf Twitter?

lysander24: Seit Start des letzten Space-shuttels. Live dabei über @DLR_next.de und NASA, ESA und alle Astronauten-Accounts. Es war so spannend, Start und Landung, die Aktivitäten wie beispielsweise den Spacewalk über die Helmkameras zu verfolgen und das tweeten mit den Astronauten!

Wie sind Sie dazu gekommen?

Bericht auf Arte über Twitter und die brisanten Auswirkungen auf die Gesellschaft (Ägypten u.a.)

Wie oft nutzen sie den Dienst?

Mehrfach täglich.

Wie kamen Sie darauf, @ntvde auf Twitter zu folgen?

Die Informationsgewinnung auf Twitter ist oft schneller als in den Nachrichtensendungen, die ich ohnehin nur abends sehen kann. Twitter spült mir relevante Ereignisse Minuten nach deren Eintreffen auf die Timeline. Das ist die ganz große Stärke des Mediums, die Echtzeit.

Was wollten Sie der Welt schon immer mal gerne über Twitter mitteilen?

Ich bin, wie gesagt großer Fan von Spektrum der Wissenschaft. Dieser Wissenschaftsverlag nutzt konsequent Twitter. Von Anfang an sah ich, dass die Redakteure und Blogger sich dort austauschen. Spektrum twittert seit 2009. Der Hauptaccount ist dabei @ spektrum , der von vorneherein persönlich von Ann-Kristin Ebert betreut wurde.

Inzwischen finden sich auf der Team-Spektrum-Liste 21 Accounts, sowohl publikationsbezogene (@ GundG @ scilogs @ sterne_weltraum ) als auch persönliche wie der des Redaktionsleiters Online (@ lingenhoehl ) oder des Verlagsleiters (@ zinken ). Alle Accounts werden nun persönlich betreut, im Falle von Sterne und Weltraum sogar vom Chefredakteur Uwe Reichert selbst. Auch der Redaktionshund Cooper hat seinen eigenen Account (@ redaktionshund ).

Getwittert wird dabei nicht nur über Wissenschaftsinhalte, sondern die Follower können quasi live den Flurfunk aus dem Verlag mitbekommen. Spektrum versteht Twitter nicht als Einbahnstraße, sondern nutzt es intensiv zur Kommunikation mit seinen Lesern und Autoren.

Und warum gerade Twitter?

Weil der Gedankenaustausch hervorragend informell ist. Man kommt ohne Umschweife in Kontakt mit sehr interessanten und kommunikativen Menschen und man kommt immer auf Punkt. Es gibt keinen vergleichbaren Weg, so am Puls derer zu sein, für die und mit denen man arbeitet.

Quelle: n-tv.de

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