Technik

Zwei Verbesserungen und eine neue Funktion Ist das iPhone 5S ein großer Wurf?

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Das iPhone 5S hat mehr zu bieten als neue Farben.

(Foto: Apple)

Während das neue iPhone 5C mit größtenteils alter Hardware technisch keine Fragezeichen setzt, ist es schwer, das iPhone 5S richtig einzuschätzen. Braucht man einen Fingerabdruck-Sensor? Ist die Kamera besser als die der Konkurrenz? Und was bringt die 64-Bit-Architektur des neuen A7-Chip?

Wie schon beim iPhone 4S fallen viele Einschätzungen des neuen iPhone 5S kurz nach Apples Präsentation negativ aus. Der Fortschritt sei im Vergleich zum aktuellen Modell zu gering, die Neuerungen nicht wirklich neu oder ohne großen Mehrwert für den Nutzer, heißt es.  Im Falle des 4S mussten die Kritiker nach dem Verkaufsstart schnell zurückrudern, der Sprachassistent Siri und vor allem die verbesserte Kamera und der schnellere Doppelkern-Prozessor stellten sich als größeres Update heraus als zunächst angenommen. Beim iPhone 5S könnte es ähnlich kommen.

Die Parallelen sind erstaunlich: Wie beim iPhone 4S hat Apple bei seinem neuen Flaggschiff Chip und Kamera verbessert und mit dem Fingerabdruck-Sensor ein neues Feature eingeführt, das so neu gar nicht ist, aber vielleicht besser umgesetzt wird als vom "Erfinder". Das iPhone 5S ist nicht das erste Smartphone, das Finger scannt. Motorola baute schon 2011 in das Atrix einen biometrischen Fingerabdruck-Sensor ein. Bei diesem Gerät sitzt er auf der oberen Rückseite und ist gleichzeitig der Ein-/Ausschalter.

Touch ID mit vielen Möglichkeiten

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Bevor man die Touch ID verwenden kann, muss man einen Fingerabdruck scannen und speichern.

(Foto: kwe)

Dem ersten Eindruck nach arbeitet der Scanner im neuen iPhone aber zuverlässiger und unkomplizierter. Bis zu fünf Abdrücke speichert der Chip und man kann daher das iPhone mit den Daumen beider Hände entsperren.  Mit Apples "Touch ID" ist aber noch mehr möglich, Nutzer können beispielsweise mit ihrer Hilfe einkaufen. Noch dient der verschlüsselt im A7-Chip gespeich erte Fingerabdruck zwar nur zur Authentifizierung in Apples Einkaufsparadiesen. Künftig könnte die Touch ID aber von vielen Anbietern akzeptiert werden. Außerdem könnte man Dokumente und Zugänge sichern oder bestimmte Anwendungen nur für sich selbst zulassen.

Theoretisch gibt es also viele Einsatzgebiete für eine Touch ID, aber der Technik könnte es ähnlich wie NFC ergehen. Bei der Einführung von "Near Field Communication" galt es als Bezahlsystem der Zukunft mit fast unendlich vielen weiteren Möglichkeiten. Heute hat fast jedes Highend-Android-Smartphone oder Windows Phone einen NFC-Chip, der - wenn überhaupt - aber oft nur zur einfachen Bluetooth-Kopplung mit Lautsprechern genutzt wird. Vielleicht hat Apple deshalb bei seinem neuen Flaggschiff auf die Technik verzichtet. Dass ein NFC-Chip auch in einem Gerät mit Metall-Rückseite untergebracht werden kann, hat HTC mit dem One bewiesen.

Fingerabdruck nicht auf Apples Servern

Die Zukunft der Touch ID ist noch völlig offen. Auf jeden Fall aber ist der Fingerabdruck-Sensor viel praktischer als die lästige, aber wichtige PIN-Eingabe und allemal zuverlässiger als eine Gesichtserkennung. Allerdings könnte sich herausstellen, dass der Sensor zu leicht zu überlisten ist. Und ob Nutzer die Technik angesichts der NSA-Affäre zu mehr als dem Entsperren ihres Geräts nutzen möchten, ist noch offen. Ängste, US-Behörden könnten eingescannte Fingerabdrücke von Apples Servern abgreifen sind wohl überzogen. Apple versichert, dass die Informationen nur verschlüsselt im Chip und "niemals auf Apple-Servern gespeichert oder in der iCloud gesichert" werden.

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Die Kamera kann jetzt Zeitlupen-Aufnahmen mit 120 Bildern pro Sekunde machen und schießt im Burst-Modus zehn Bilder in der Sekunde.

(Foto: Apple)

Die Kamera des iPhone 4S war bei der Veröffentlichung des Geräts vermutlich die damals beste Smartphone-Kamera. Obwohl vor allem Samsung, HTC und Nokia große Fortschritte gemacht und Apple überholt haben, könnte dies auch beim iPhone 5S wieder der Fall sein. Schnelle "Tests" im miesen Licht der Apple-Präsentation sind zwar wenig aussagekräftig, deuten aber bereits an, dass Apple bei der neuen 8-Megapixel-Kamera vieles richtig gemacht hat. Sie ist sehr schnell und der neue Dual-LED-Blitz kommt mit schummrigen Kunstlicht gut zurecht. Die Bilder sehen prima aus, rauschen kaum und liefern viele Details.

Zwei LEDs für die richtige Stimmung

So lange man auf einen optischen Zoom verzichtet, könnte Apples Ansatz, Blendenöffnung, Pixel und Sensor statt die Anzahl der Pixel zu erhöhen, richtig sein. HTC hat es mit der Ultrapixel-Kamera vorgemacht. Und zwei LEDs für warmes und kaltes Licht sind eine gute Idee: Wenn die Software richtig arbeitet, gelingen auch nachts Bilder mit natürlicheren Farben. Wie gut die Kamera des iPhone 5S tatsächlich ist, muss sich aber in Tests herausstellen.

Wie beim Fingerabdruck-Sensor spielt auch bei der Kamera der Chip eine Schlüsselrolle. Nur wenn er fix zur Sache geht, arbeiten die Komponenten schnell und exakt. Auf Zack ist der A7 - so weit kann man sich auch nach einem recht flüchtigen Blick auf das Smartphone aus dem Fenster lehnen. Doch was er wirklich zu leisten vermag, ist schwer zu beurteilen. Apple gibt an, dass die Leistung von CPU und Grafikeinheit im Vergleich zum A6 fast verdoppelt wurde, die Akku-Laufzeiten aber trotzdem etwas länger sind.

Tolle Grafik auf kleinem Bildschirm

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Apple feiert das iPhone 5S als erstes Smartphone mit 64-Bit-Chip.

(Foto: kwe)

Zwar muss man erst noch Benchmarktests abwarten, doch erfahrungsgemäß übertreibt das Unternehmen bei solchen Angaben - zumindest was die Laborwerte betrifft - nicht. Eine Live-Demo mit der kommenden dritten Version des Benchmark-Spiels "Infinity Blade" hat gezeigt, dass mit dem A7, der die neueste mobile Grafik-Schnittstelle OpenGL ES 3.0 unterstützt, mobile Spiele eine völlig neue grafische Qualität bekommen. Noch mehr als dem iPhone 5S dürfte die s aber den kommenden iPad-Modellen zugutekommen, die mit großen Displays einfach die besseren Spielgeräte sind.

Interessant ist, dass dem A7 ein schwächerer Extra-Chip für Beschleunigungssensor, Kompass und Gyrosensor zur Seite steht. Offenbar sieht Apple eine große Nachfrage nach Fitness-Apps. Denn die Aufgabe des M7 ist es, die Bewegungen des Nutzers für solche Anwendungen stromsparend aufzuzeichnen. Entwickler können auf neue Schnittstellen zugreifen, um solche Anwendungen zu schreiben.

64-Bit nur ein PR-Gag?

Spannender ist aber die Frage, was die 64-Bit-Architektur des A7-ARM-Prozessors bringt. Es gibt Stimmen im Netz, die Apple unterstellen, mit dem Sprung von 32- auf 64-Bit nur eine Pseudo-Innovation aufgetischt zu haben, die im iPhone 5S aber kaum von Nutzen sei. Der größte Vorteil von 64-Bit-Systemen sei nämlich, dass sie Arbeitsspeicher jenseits von vier Gigabyte nutzen können. Im iPhone 5S steckt vermutlich nur ein Gigabyte RAM, höchstens sind es zwei Gigabyte.

Theoretisch sind mit 64 Bit auch ohne größeren Arbeitsspeicher gering größere Rechenleistungen möglich. Doch vermutlich rüstet sich Apple mit dem Sprung für die Zukunft. Nicht nur der Chip, auch iOS 7 ist bereits ein 64-Bit-System. Dies bereitet 32-Bit-Anwendungen keinerlei Probleme, Entwickler können mit dem ebenfalls neuen Xcode aber schon jetzt Apps für die nächste iPhone-Generation anpassen. Apple hat also vermutlich nicht geschwindelt, aber für eine gute PR nicht die ganze Wahrheit gesagt.

Das neue iPhone hat also vielleicht mehr zu bieten, als so mancher vorschnelle Kritiker glaubte. Aber sollte man sich das iPhone 5S kaufen? Es kommt darauf an. Wer ein älteres iPhone hat oder ein neues Vertrags-Handy möchte, wird am iPhone 5S sicher seine Freude haben. Wer jedoch ein iPhone 5 besitzt und nicht jedes Jahr ein neues Apple-Smartphone kauft, kann auch noch ein Jahr warten, iOS 7 installieren und sich auf ein vermutlich größeres iPhone 6 mit Full-HD-Display freuen. Das kann mit viel RAM die 64-Bit-Architektur womöglich bereits richtig ausnutzen.

Quelle: ntv.de

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