Haushaltskrise in ParisFinanzminister Lescure: Frankreich ist nicht auf das EZB-Notfallprogram angewiesen

Trotz der Turbulenzen am französischen Anleihemarkt sieht die Regierung in Paris Frankreich zurzeit nicht als einen Fall für ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank.
Die Turbulenzen hätten noch kein Ausmaß erreicht, das Überlegungen zum Einsatz des Notfallinstruments der EZB erforderlich machen würde, erklärte Finanzminister Roland Lescure am heutigen Dienstag. "Das Ziel ist natürlich, diesen Punkt unter allen Umständen zu vermeiden. Deshalb setzen wir derzeit auf Haushaltskonsolidierung", sagte er vor Journalisten.
Am Bondmarkt zogen die Renditen vieler europäischer Staatsanleihen jüngst deutlich an. An den Finanzmärkten ist besonders Frankreich wegen seiner Haushaltsprobleme und eines schwächeren Wirtschaftswachstums zuletzt immer stärker in den Fokus geraten. Die EZB hat mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) ein Notprogramm in der Hinterhand, mit dem sie theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen eines in Bedrängnis geratenen Euro-Landes kaufen kann. Bedingung dafür ist aber, dass dieser Staat unter einer ungerechtfertigten Verschärfung seiner Finanzierungsbedingungen leidet und der Anstieg der Renditen ungeordnet erfolgt, beispielsweise wegen heftiger Turbulenzen an den Börsen.
"Wenn es zum Schwur kommen sollte, wird die EZB vermutlich mit dem TPI-Instrument eingreifen", meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Das gelte insbesondere dann, wenn andere Länder wie Italien, Spanien und Portugal angesteckt würden. Erste Bewegungen in diese Richtung ließen sich schon beobachten: "Bislang kann man allerdings noch nicht erkennen, dass Frankreich und den anderen Ländern der Zugang zum Kapitalmarkt verwehrt wird", so der Experte.