"Erhebliche Sicherheitsbedenken"Medien-Bericht: Bund will Übernahme von Logistiker durch China-Reederei Cosco stoppen

Gut drei Jahre nach dem Gezerre um den Einstieg von Cosco im Hamburger Hafen alarmiert die chinesische Staatsreederei erneut die Politik in Berlin.
Einem "Handelsblatt"-Bericht zufolge will der Bund Cosco die Übernahme des Logistikunternehmens Zippel untersagen. Das gehe aus einem internen Vermerk der Bundesregierung hervor, der dem "Handelsblatt" vorliege. In dem Dokument sei von "erheblichen Sicherheitsbedenken" die Rede. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. Insidern zufolge dürfte sie aber für Cosco negativ ausfallen, so die Zeitung. Ein Cosco-Sprecher in Deutschland teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, solange keine abschließende Entscheidung vorliege, wolle sich die Reederei dazu nicht äußern. Eine Stellungnahme von Zippel und vom Wirtschaftsministerium lag zunächst nicht vor.
Zippel ist darauf spezialisiert, Containerfracht vor allem von Nordseehäfen aus per Lkw und Bahn nach Ostdeutschland zu transportieren. In diesem geographischen Schwerpunkt liegt dem Bericht zufolge der Grund, warum sich trotz eines nur kleinen Marktanteils des Hamburger Traditionsunternehmens Widerstand gegen die Übernahme in Berlin regt.
In dem der Zeitung vorliegenden Dokument heißt es demnach weiter, an den Terminals Berlin, Schkopau und Elsterwerda liege der Anteil Zippels am Umschlag zwischen 35 und 90 Prozent. Es bestehe die Gefahr strategischer Abhängigkeiten, die "im Zuge politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten". Dabei gehe es auch um die logistische Unterstützung der Bundeswehr. Im Konfliktfall sei die Logistik zur deutschen Ostgrenze ebenfalls für die Nato relevant.
In Hamburg ist Cosco bereits am Containerterminal Tollerort des Hafenbetreibers HHLA beteiligt. Die Bundesregierung hatte den Einstieg der Chinesen im Mai 2023 erst nach langem Ringen freigegeben und den Anteil auf unter 25 Prozent begrenzt. Kritik an der Beteiligung gab es vor allem aus dem damals von den Grünen geführten Wirtschaftsministerium.
Von Zippel will die viertgrößte Reederei der Welt dem "Handelsblatt" zufolge 80 Prozent übernehmen. Das wollen dem Bericht zufolge nun aber nicht nur das Wirtschaftsministerium, sondern auch das Außen-, Verteidigungs-, Innen- und Finanzministerium verhindern. Auch die EU-Kommission habe das Bundeswirtschaftsministerium vor der Übernahme gewarnt.
Zippel-Geschäftsführer Axel Plaß war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In einem bereits Anfang Juni veröffentlichten Interview der "Deutschen Verkehrs-Zeitung" sagte er, nach der Freigabe durch das Bundeskartellamt sei das Bundeswirtschaftsministerium bei seinem Investitionsprüfverfahren in eine zweite Runde gegangen.
Bei dieser genaueren Prüfung gehe es beispielsweise um die Frage, wie Zippel "bei der Software aufgestellt" sei und ob mit sensiblen Daten operiert werde. "Wir kennen den Inhalt unserer Container in der Regel nicht, wir sind ja nur ein kleiner Teil der Lieferkette", so der Geschäftsführer. Die IT-Architektur sei deutsch und europäisch. Abschließend sagte Plaß damals: "Zippel mit rund 1,5 Prozent Marktanteil ist die öffentliche Aufregung nicht wert".